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Portugal : Das Hilfspaket steht

  • -Aktualisiert am

Portugal: Goldreserven rücken in den Fokus Bild: dpa

Die Verhandlungen über die Milliardenhilfen für Portugal sind zwar abgeschlossen, Finanzexperten prüfen aber ein größeres Rettungsprogramm für Portugal, falls die veranschlagten 80 Milliarden Euro nicht ausreichen.

          Das Hilfspaket für das hoch verschuldete Euroland Portugal steht. Die Verhandlungen mit den Vertretern der Europäischen Union (EU) und des Internationalen Währungsfonds (IWF) seien erfolgreich abgeschlossen worden, teilte der geschäftsführende portugiesische Regierungschef José Sócrates am Dienstagabend in Lissabon mit. Alle Seiten hätten sich nach dreiwöchigen Verhandlungen auf die Bedingungen für ein Rettungspaket im Volumen von 78 Milliarden Euro verständigt, sagte er.

          Michael Stabenow

          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Beneluxländer.

          Entgegen den Befürchtungen werde man weder die niedrigsten Renten und Pensionen bis 600 Euro senken noch das Weihnachtsgeld und das 13. Gehalt streichen. Das Hilfspaket sehe eine „Vertiefung“ des jüngsten Sparpakets der Minderheitsregierung vor, das Ende März von Parlament abgelehnt worden war, erklärte Sócrates.

          Bis zu 100 Milliarden?

          Über die Höhe des Hilfspakets kursierten am Dienstag zunächst verschiedene Gerüchte. Die portugiesische Zeitung „Diário Económico“ hatte berichtet, es seien bis zu 100 Milliarden Euro notwendig, davon 10 Milliarden Euro für die portugiesischen Banken. Eine EU-Sprecherin wandte sich in Brüssel gegen diese Spekulation. Reuters und eine portugiesische Agentur meldeten unter Berufung auf Verhandlungskreise einen Bedarf von 78 Milliarden Euro. Diese Summe wurde später auch von Socrates' Büro bestätigt.

          Hilfspeket geschnürt: Portugals Premier Socrates

          Unterdessen rücken Portugals Goldreserven in den Fokus und damit die Überlegung, dass Portugal diesen Schatz zur Schuldentilgung verwenden könnte. Die Notenbank besitzt nach Daten des IWF derzeit rund 382 Tonnen Gold und liegt damit in der Rangliste der Notenbanken mit den größten Reserven auf Platz 14 in der Welt. Der Marktwert der portugiesischen Goldreserven beträgt gut 12 Milliarden Euro. Eine Nutzung für die Finanzierung der Schulden ist jedoch nicht auf die Schnelle möglich und würde wohl eine geringere Summe ergeben. Das Gold ist eine Reserve der portugiesischen Notenbank, die relativ wenig Devisenreserven hat. Sollte Portugal den Goldschatz für den Staatshaushalt verwenden wollen - gegen ähnliche Bestrebungen hat sich die Deutsche Bundesbank in den neunziger Jahren erfolgreich gewehrt -, müsste die Zentralbank zunächst verkaufen.

          Die Bundesbank hält für ihren Goldschatz, der einen Marktwert von rund 113 Milliarden Euro hat, eine Neubewertungsreserve, die mit mehr als 80 Milliarden Euro dotiert ist. Sofern auch die portugiesische Notenbank eine solche stille Reserve in ihrer Bilanz hat, würde sie beim Verkauf verwirklicht. Das würde den Gewinn der Bank im Jahr des Verkaufs erhöhen. Eine kassenwirksame Überweisung an den Staatshaushalt wäre aber erst im darauf folgenden Jahr zu erwarten.

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