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Olympische Winterspiele : Sotschi zwischen Wunsch und Wirklichkeit

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Perfekt angeschlossenes Wintersportangebot in den Bergen
Perfekt angeschlossenes Wintersportangebot in den Bergen : Bild: F.A.Z.

Doch bevor sich darüber Touristen freuen können, muss Sotschi die olympische Feuerprobe bestehen. 6000 Athleten und 80.000 Gäste werden erwartet. Das Organisationschaos sei enorm, ist aus ausländischen Delegationen unisono zu hören. Fast verzweifelt werden freie Betten gesucht, von den Hotels mit bereits vermieteten Zimmern sind manche noch nicht fertiggebaut. Wo das IOC strenge Vorgaben mache, etwa bei der Unterbringung der Athleten, kämen die Vorbereitungen gut voran, heißt es.

Wo die Russen der Selbstorganisation überlassen werden, bleibe es spannend. In dem Durcheinander versuchen viele, mit überzogenen Preisen auf ihre Kosten zu kommen. Ein Geschäft wird vom anderen abhängig gemacht: Erwirbt der Kunde nicht den überteuerten Dieselgenerator, wird ihm auch kein Diesel verkauft. Russische Unternehmer haben bedauerlicherweise oft kein Problem mit „Lose-Lose-Situationen“: Können sie ihre Maximalforderungen nicht durchsetzen, platzt ein Geschäft. Zum Beispiel scheiterte die Vergabe von Bauplätzen in der olympischen Zone an der Küste, wo die Länder ihrer nationalen olympischen Häuser errichten wollten, häufig an zu hohen Preisforderungen.

Zu viel und zu wenig für die Zukunft

Doch was macht Sotschi nach Olympia? Bekannt als Kurort für die russische Mittelklasse, kann die Region nicht darauf hoffen, all die neuen Gästezimmer zu Olympia-Preisen zu füllen. Schließlich darf man die inländischen Gäste, die bisher nahezu alle Besucher stellten, nicht verlieren - Sotschi ist für russische Verhältnisse schon teuer. Angesichts der erweiterten Kapazitäten braucht es aber auch ausländische Touristen, und die wünschen nicht nur Qualität, sondern einen Grund, um in den Kaukasus zu reisen.

Zwar hat Sotschi jetzt in den Bergen ein perfekt angeschlossenes Wintersportangebot, mit dem es sich vom Sommergeschäft unabhängiger machen kann. Schwierig ist jedoch die Nachnutzung der sechs neu gebauten Stadien an der Küste. Eines ist der große Eispalast, und an ihm zeigt sich das Dilemma exemplarisch: Dort werden die wichtigsten Eishockey-Spiele stattfinden, und Eishockey ist vielleicht die wichtigste Sportart in Russland. Doch der Palast hat nur Platz für 12.000 Besucher, ein Drittel weniger als das Stadion im kanadischen Vancouver bei den Spielen 2010.

Denn direkt nebenan steht schon das Hauptstadion „Fischt“ mit Raum für 40.000 Personen. Bekannt für ständige Bauverzögerungen, wurde es nur für die Eröffnungs- und Abschlussfeiern der Spiele errichtet. Zwei gigantische Hallen nebeneinander könnten in Sotschi für den Dauergebrauch etwas viel sein, sagt Uliana Barbuschewa, die stellvertretende Stadionmanagerin.

Recht hat sie, aber die Langzeitplanung ist damit nicht in trockenen Tüchern. Im Jahr 2012 hieß es noch, die Hälfte der Stadien an der Küste könnte abgebaut und in andere Landesteile transportiert werden. Davon ist jetzt nicht mehr die Rede, stattdessen sollen sie unter anderem als Mehrzweckhallen, als Velodrom oder als Sportzentrum für Kinder genutzt werden.

Im Hauptstadion „Fischt“ werden bei der Weltmeisterschaft 2018 Fußballspiele stattfinden, zwischen den Stadien soll sich eine Formel-1-Strecke schlängeln. Außer um die Bauten hätten sich die Veranstalter auch um Ideen kümmern müssen, für ein Tourismuskonzept, das Sotschi schon heute im In- und Ausland bewirbt und Gäste anlockt. Die Strategie müsste von lokalen Akteuren gestaltet werden, welche die Stärken ihrer Heimat am besten kennen - ein großer Gegensatz zu der in Russland üblichen zentralistischen Kommandostruktur. In Sotschi wurde fast alles aus Moskau vorgegeben.

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