https://www.faz.net/-gqe-y7j8

Offener Brief an Kanzlerin : Familienunternehmer warnen vor Eurobonds

  • Aktualisiert am

Unter dem Schutzschirm: Noch sind Angela Merkel und Nicolas Sarkozy gegen eine gemeinschaftliche Euro-Anleihe Bild: dapd

Deutsche Familienunternehmer haben der Kanzlerin einen Brief geschrieben, der es in sich hat: Sollten Europas Schulden vergemeinschaftet werden, drohen sie mit Abwanderung. Außerdem fordern sie zu überdenken, welche Staaten überhaupt noch im Euro-Raum bleiben sollten.

          2 Min.

          Deutsche Familienunternehmer haben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) aufgefordert, den Rettungsschirm für schwächelnde Euroländer in der jetzigen Form nicht zu verlängern und Euro-Anleihen abzulehnen. In einem offenen Brief an die Kanzlerin, der der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vorliegt, schreiben sie: „Wir sind in größter Sorge, dass zur Rettung des Euro ein verhängnisvoller Weg eingeschlagen wird, der bereits mittelfristig zum Scheitern unserer Gemeinschaftswährung führt.“

          Sie fordern die Kanzlerin dazu auf, sich dafür einzusetzen, dass auch die Gläubiger an der Rettung von Krisenstaaten beteiligt werden. Und ergänzen: „Eine falsch verstandene Hilfsbereitschaft läge auch in der Einführung von schädlichen Euro-Anleihen.“ Unterzeichner sind unter anderem August Oetker vom gleichnamigen Lebensmittelriesen, Karl-Erivan Haub von Tengelmann und Friedrich Görtz vom Schuhhaus Görtz.

          Unternehmer drohen mit Abwanderung

          Initiator des Briefs ist der Verband „Die Familienunternehmer“. Deren Präsident Patrick Adenauer drohte in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung mit Abwanderungen, falls Euro-Bonds eingeführt würden. „Wir Unternehmer müssen dann rechnen, ob es sinnvoll ist, noch in Deutschland zu bleiben“, sagte er.

          Zudem verlangte er, grundsätzlich die Konstruktion des Euroraums zu überdenken: „Man muss jetzt schauen, wer überhaupt noch im Euro bleiben sollte.“ Deutschland allein sei wohl zu klein, „aber es wäre sicherlich sinnvoll, sich mit den Ländern zusammenzutun, die eine ähnlich solide Haushaltspolitik verfolgen.“

          Druck von den Koalitionspartnern

          Druck erfährt die Kanzlerin auch von den Koalitionspartnern. Die Vorsitzenden von CSU und FDP dringen darauf, dass Merkel auf dem EU-Gipfel am kommenden Donnerstag keinerlei Zusagen bei der Einführung gemeinsamer Eurobonds macht. „Das wäre das Überschreiten einer roten Linie“, warnte CSU-Chef Horst Seehofer in der „Bild“-Zeitung (Samstagsausgabe). FDP-Chef Guido Westerwelle sagte der „Wirtschaftswoche“: „Wir halten Euro-Bonds für keinen überzeugenden Vorschlag.“

          Sowohl Merkel als auch Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hatten die Idee gemeinsamer Staatsanleihen in der Eurozone am Freitag abermals abgelehnt. Da etwa Luxemburgs Premierminister Jean-Claude Juncker und etliche Ratsmitglieder der Europäischen Zentralbank (EZB) aber weiter diese Idee befürworten, wird zumindest mit einer Debatte auf dem EU-Gipfel gerechnet.

          „Gute und schlechte Risiken nicht mehr zu unterscheiden“

          „Wenn die Schulden der Euro-Länder in einem Topf landen, kann keiner mehr zwischen guten und schlechten Risiken unterscheiden“, sagte Seehofer. „Wer heute eine Vergemeinschaftung der Schulden in Europa zulässt, der landet morgen bei den Vereinigten Schulden-Staaten von Europa.“

          Außenminister Westerwelle warnte, die Eurobonds minderten in den stark verschuldeten Euro-Ländern nur den Druck zur Haushaltskonsolidierung, weil sie sich dann billiger refinanzieren könnten. Auch der FDP-Chef betonte, dass rote Linien nicht überschritten werden dürften. Deutschland sei mit seiner Haltung auch nicht isoliert, der Ruf nicht beschädigt. „Hinter mancher Kritik versteckt sich das heimliche Lob, dass wir Deutsche vieles richtig gemacht haben.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.