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Allein für Deutschland : Ökonomen erwarten Wohlstandsverlust von bis zu 700 Milliarden Euro

Stillstand auch am Strand von Miami: Die Investmentbank Goldman Sachs erwartet für die Vereinigten Staaten mittlerweile den größten Wirtschaftseinbruch aller Zeiten. Bild: AP

Forscher warnen: Jede Woche Stillstand bringt Deutschland um einen mittleren zweistelligen Milliardenbetrag. Dabei erwartet auch die Bundesbank kein schnelles Ende der Krise – und spricht von einer „beispiellosen Unsicherheit“.

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          Die verschärfte Corona-Krise verleitet Wirtschaftsforscher zu immer düstereren Prognosen. Clemens Fuest, der Präsident des Münchener Ifo-Instituts, erwartet mittlerweile Kosten in nie dagewesener Höhe seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Sie würden „voraussichtlich alles übersteigen, was aus Wirtschaftskrisen oder Naturkatastrophen der letzten Jahrzehnte in Deutschland bekannt ist“, sagte Fuest am Montag. Zur Bekämpfung der Krise müsse die Politik daher alle Hebel in Bewegung setzen. Es lohne sich, quasi jeden denkbaren Betrag für gesundheitspolitische Maßnahmen einzusetzen.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.
          Niklas Záboji
          Wirtschaftskorrespondent in Paris

          Die Höhe der Schäden haben Ifo-Forscher in einem achtseitigen Papier geschätzt. Für Deutschland dürften sie sich demnach auf mindestens 152 Milliarden Euro belaufen. Das entspreche einem Rückgang von 4,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für das Jahr 2020 und trete ein, wenn die deutsche Wirtschaft einen vollen Monat stillstehe infolge von staatlichen Vorgaben, Schutzmaßnahmen der Unternehmen und freiwilliger Abschottung der Menschen. Doch ist das für die Ökonomen angesichts der täglichen Eskalationsspirale und Unklarheit darüber, wie viel Zeit es zur anschließenden Erholung braucht, noch das günstigste Szenario. Da mit vielen Unsicherheiten behaftet, könnte die einmonatige Schließung sämtlicher Wirtschaftsbereiche auch rund 270 Milliarden Euro vernichten.

          Jede weitere Woche koste Deutschland dabei 25 bis 53 Milliarden Euro. Dauere der Stillstand mehr als einen Monat, erreichten die Produktionsausfälle „schnell Dimensionen, die deutlich jenseits der Wachstumseinbrüche liegen, die aus früheren Rezessionen zumindest in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland bekannt sind“, heißt es in dem Papier. Im Falle von drei ganzen Monaten hält man am Ifo-Institut gar einen BIP-Einbruch von bis zu 20 Prozent für möglich. 700 Milliarden Euro Wohlstand gingen in diesem Extremszenario verloren. Das wäre nahezu das Doppelte von dem, was der Bund im ganzen Jahr einnimmt.

          Deutlich unter der Nulllinie

          Die öffentlichen Haushalte insgesamt würden allerdings so oder so stark belastet, meinen die Forscher. Selbst ohne Berücksichtigung der geplanten Bürgschaften und Kredite und ohne europäische Rettungsschirme erwarten sie Haushaltskosten in Höhe von 200 Milliarden Euro. Das liege nicht zuletzt daran, dass sie mit dem Abbau von bis 1,8 Millionen der derzeit rund 45,3 Millionen sozialversicherungspflichten Arbeitsplätzen rechnen, wenngleich für einen Monat Teilschließung der deutschen Wirtschaft zunächst „nur“ 160.000 bis 340.000 Stellen in Gefahr gerieten. Von Kurzarbeit betroffen sein dürften im schlimmsten Fall 6,6 Millionen Arbeitnehmer.

          Allerdings dürften nach Einschätzung von Ökonomen alle Industrienationen in den kommenden Wochen stark in Mitleidenschaft gezogen werden. Für die Weltwirtschaft prognostizieren die Volkswirte der Allianz nunmehr einen Rückgang der Wertschöpfung im zweiten Quartal. Annualisiert, also auf das Gesamtjahr hochgerechnet, sagen sie für das globale BIP in den Monaten April bis Juni einen Einbruch von 15 Prozent voraus – der Wohlstandsverlust wäre damit so hoch wie jener in der Finanzkrise der Jahre 2008 und 2009. Für das Gesamtjahr 2020 geht die Allianz von einer Wachstumsrate von 0,8 Prozent nach bisher angenommenen 2,4 Prozent aus. Im Euroraum dürfte die Wachstumsrate indes deutlich darunter und jenseits der Nulllinie liegen.

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