https://www.faz.net/-gqe-9x2s4

OECD-Bericht : Coronavirus könnte weltweites Wirtschaftswachstum halbieren

  • Aktualisiert am

Ein Containerschiff der China Ocean Shipping Company am Containerterminal Tollerort in Hamburg Bild: dpa

Das neuartige Coronavirus dürfte der Weltwirtschaft in diesem Jahr einen starken Dämpfer versetzen: Die OECD senkte ihre Wachstumsprognose für 2020 herab. Auch Deutschland sei betroffen.

          2 Min.

          Die Coronavirus-Epidemie kann nach Einschätzung der Industriestaaten-Organisation OECD die Weltwirtschaft aus der Spur bringen. Sollte sich die Lage nicht bessern und immer weitere Länder betroffen sein, könnte das Wachstum dieses Jahr auf eineinhalb Prozent fallen, teilte die OECD am Montag mit. ​ „In diesem Fall könnte das weltweite Wachstum 2020 auf 1,5 Prozent sinken (...)“, hieß es. Das wäre in etwa die Hälfte des erwarteten Plus vor Ausbruch des Virus.

          Sollte sich die Lage dagegen bald stabilisieren, dürfte die Weltwirtschaft 2020 um 2,4 Prozent zulegen, nachdem es im Jahr 2019 schon vergleichsweise schwache 2,9 Prozent waren. Am stärksten wäre China betroffen, wo das Virus zuerst auftrat. Folgen der wirtschaftlichen Probleme in der Volksrepublik dürften dann schnell zu spüren sein in den weltweit vernetzten Lieferketten von Unternehmen, ebenso für Reiseanbieter und Rohstoffhändler.

          Für das laufende erste Quartal schließt die OECD nicht aus, dass die Weltwirtschaft sogar schrumpfen könnte. Alle 20 führenden Industrie- und Schwellenländer sind wirtschaftlich betroffen. Je stärker die Verbindungen zu China seien, desto stärker seien auch die Auswirkungen – etwa in Japan, Südkorea und Australien.

          F.A.Z. Newsletter Coronavirus

          Täglich um 12.30 Uhr

          ANMELDEN

          In China haben sich bislang mehr als 80.000 Menschen mit dem Virus infiziert, die meisten in der Provinz Hubei. Knapp 3000 Personen sind daran gestorben. Während die Zahl der Neuinfektionen in China zuletzt nicht mehr so stark stieg, schoss sie in anderen Ländern – Iran und Italien zum Beispiel – in die Höhe.

          Das Wirtschaftswachstum in China dürfte sich laut OECD wegen des Virus deutlich verlangsamen. Die Ökonomen rechnen hier 2020 nur noch mit 4,9 Prozent, nachdem es 2019 noch 6,1 Prozent waren. Gegenüber den jüngsten OECD-Schätzungen im November sind auch die Perspektiven für Indien deutlich schwächer. Deutschland dürfte nur um 0,3 Prozent zulegen, ein Tick langsamer als zuletzt gedacht. Im Jahr 2019 waren es hierzulande noch 0,6 Prozent. Italien, das vor allem im wirtschaftlich wichtigen Norden viele Corona-Fälle hat, wird laut OECD 2020 stagnieren, nachdem es 2019 noch ein Mini-Wachstum von 0,2 Prozent gab.

          Die Industriestaaten-Gruppe empfiehlt höhere staatliche Ausgaben, um dem Konjunkturrückgang entgegenzuwirken. Die Gelder müssten vor allem in die Gesundheitssysteme fließen, um genügend Personal und Material zur Verfügung zu haben. Die Liquidität im Finanzsystem müsse zudem gesichert werden, damit Banken Gelder an Unternehmen verleihen könnten, die in Schieflage geraten. Auch Kurzarbeit sei ein sinnvolles Instrument.

          Die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus hatte in Europa schon Rezessionsängste geschürt. Börsen gingen in der zurückliegenden Woche auf Talfahrt, jetzt hoffen die Anleger auf Hilfen durch die Notenbanken.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Donald Trump im Oktober in Iowa

          Neues Soziales Netzwerk : Donald Trump pachtet die Wahrheit

          Der frühere amerikanische Präsident will mit „Truth Social“ der „Tyrannei“ der liberalen Tech-Giganten entgegentreten. Endlich bekomme Amerikas „Lieblingspräsident“ wieder ein Stimme.
          Im Steinbruch des Baustoffkonzerns HeidelbergCement

          Klimakiller Zement : Das Fundament der Welt wird zum Feindbild

          Die Zementindustrie verursacht sieben bis acht Prozent aller Treibhausgase: Heidelcement stößt so viel aus wie ganz Österreich. Der Emissionshandel stößt hier an seine Grenzen, das Bauen wird sicher teurer. Gibt es eine Lösung?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.