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Niedrige Zinsen : Währungsfonds sorgt sich um Europas Versicherer

Der Internationale Währungsfonds sorgt sich um mittelgroße europäische Versicherer. Bild: dpa

Die niedrigen Zinsen belasten vor allem mittelgroße Versicherer in Europa und besonders in Deutschland, warnen die Ökonomen des Internationalen Währungsfonds. Probleme einzelner Gesellschaften könnten großen Folgen für das Finanzsystem haben.

          Der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht existentielle Probleme für mittelgroße Lebensversicherungen in Europa und speziell in Deutschland. Zudem betrachtet er die wirtschaftliche Lage der Banken in der Eurozone mit Sorge. Das geht aus dem aktuellen Bericht des Währungsfonds zur Stabilität des globalen Finanzsystems hervor. Er verweist auf das Problem, dass Lebensversicherungen schwer unter niedrigen Zinsen leiden. Sie haben ihren Kunden in der Regel höhere Renditen garantiert, als sie derzeit selbst mit ihren Kapitalanlagen erwirtschaften können angesichts. Ein Viertel der Versicherungsgesellschaften in der Europa könne deshalb nicht das geforderte Kapital vorhalten, wenn die Zinsen so niedrig bleiben. Das haben Stresstests ergeben. Diese Versicherungen halten 4,4 Billionen Euro in Wertpapieren. Probleme einzelner Gesellschafen könnten große Folgen auf das ganze Finanzsystem haben, warnt der IWF.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Der Fonds verweist auf Auswertungen der Europäischen Versicherungs- und Pensionsaufsicht, denen zufolge mehr als die Hälfte der europäischen Lebensversicherungen ihren Kunden höhere Renditen garantieren als mit klassischen Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren zu erzielen sind. Verschärft werde das Problem des negativen Zinsspreads dadurch, dass die Laufzeiten der Policen und die der Kapitalanlagen unterschiedlich seien. Das bedeutet, dass viele Lebensversicherungen im schlechten Niedrigzinsumfeld viel Geld anlegen müssen. Länder, in den die versprochenen Erträge über den Renditen der eigenen Kapitalanlagen liegen und in denen die Laufzeiten der Policen und der Kapitalanlagen weit auseinander liegen, sind deshalb nach Einschätzung des Fonds besonders gefährdet, wenn das Niedrigzinsniveau andauert.

          900 Milliarden Euro faule Kredite

          Er deutet unter Bezugnahme auf die Europäische Versicherungsaufsicht vor allem auf Deutschland und Schweden. In Deutschland sei zwar der Garantiezins für neue Policen auf 1,25 Prozent gesenkt worden, doch für alle Lebensversicherungsverträge zusammen betrage der Garantiezins immer noch 3,2 Prozent, während Staatsanleihen mit zehn Jahre Laufzeit 0,3 Prozent brächten.

          Stresstests, in denen „japanische Verhältnisse“ simuliert wurden, haben zutage gefördert, dass knapp ein Viertel den Anforderungen für die Eigenkapitalausstattung nicht gerecht würde. Der Währungsfonds bewertet diese Ergebnisse sogar noch als ziemlich optimistisch, weil das aktuelle Zinsniveau deutlich unter dem im Stresstest-Szenario liegt. Der Niedergang von einem oder mehreren mittelgroßen Versicherern könnte einen industrieweiten Vertrauensverlust auslösen, warnte der Währungsfonds.

          Die Banken der Eurozone sind laut IWF mit faulen Kredite in Höhe von 900 Milliarden Euro belastet. Banken mit einem hohen Anteil an Krediten, die mit gewisser Wahrscheinlichkeit ausfallen, geben nur zögernd neue Kredite. Betroffen sind vor allem Institute der so genannten Programmländer, aber nicht nur. Der Fonds sieht die Kreditportfolios mit Sorge, weil damit ein Wirkungskanal für die von der Institution so stark befürwortete lockere Geldpolitik verstopft bleibt. Die Idee hinter dem Ankaufprogramm der EZB und den niedrigen Leitzinsen ist es, die Kredite für Investitionen und Konsum zu verbilligen, um damit die Wirtschaft zu beflügeln. Der IWF fordert die Politiker der Eurozone deshalb auf, die Banken zum Abbau dieser Kreditpakete zu ermuntern.

          Trotz der ernsten Warnungen vor den Risiken der Niedrigzinsen bekommt das Staatsanleihen-Kaufprogramm der Europäischen Zentralbank ein gutes Zeugnis vom Währungsfonds. Das Programm zeige messbare Erfolge: „Die Kreditkosten in der Eurozone sind gesunken, die Aktienkurse steigen, Euro und Yen haben deutlich abgewertet und damit Inflationserwartungen erhöht.“ Und darauf zu verzichten, wäre „Selbstmord“, verlautet aus dem Währungsfonds.

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