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Neue Studie : Kein WM-Aufschwung für Brasilien

Am 12. Juni beginnt die Fußball-WM in Brasilien Bild: dpa

Brasilien kommt nicht aus den Negativschlagzeilen: Die Wirtschaft schwächelt, die Menschen protestieren. Als Lichtblick gilt die Fußball-WM – doch laut einer Studie wird der wirtschaftliche Effekt verschwindend gering sein.

          Brasilien kommt nicht aus den Negativschlagzeilen: Die Wirtschaft schwächelt, die Menschen protestieren, die Energie- und Wasserversorgung ist wegen einer Dürreperiode gefährdet. Als Lichtblick für die Wirtschaft gilt die Fußballweltmeisterschaft, die am 12. Juni in dem südamerikanischen Land beginnen wird. Doch auch diese Hoffnung wird sich zerschlagen, prognostizieren Volkswirte des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) und der Privatbank Berenberg, die in einer gemeinsamen Analyse die wirtschaftlichen Effekte des Großereignisses untersucht haben. „Es ist ein Trugschluss, dass die WM einen nachhaltigen Wachstumseffekt hat. Die Bedeutung ist verschwindend gering“, sagte Berenberg-Ökonom Jörn Quitzau am Dienstag in Frankfurt während der Vorstellung der Analyse.

          Johannes Pennekamp

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

          In der öffentlichen Wahrnehmung würden die positiven volkswirtschaftlichen Effekte für die Gastgeber von Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen regelmäßig überschätzt – auch weil die Politiker in den Gastgebernationen die wirtschaftlichen Chancen der Ereignisse betonten. „Fußball-Events ersetzen aber keine gute Wirtschaftspolitik“, sagte Quitzau. Brasilien habe es in der Vergangenheit trotz hohen Wirtschaftswachstums versäumt, Probleme wie soziale Ungleichheit und Misswirtschaft wirksam zu bekämpfen. Mittlerweile werde das Land zu den Staaten gezählt, die als besonders anfällig und verwundbar für weltwirtschaftliche Turbulenzen gelten. Eine hohe Inflation, nachlassendes Wachstum und sinkende Rohstoffpreise belasten die brasilianische Volkswirtschaft.

          Für Stadien, Infrastruktur und Sicherheitsmaßnahmen während des Turniers wurden in Brasilien Kosten in Höhe von rund 10 Milliarden Euro angesetzt. Das Wirtschaftsministerium prognostiziert die zusätzlichen Einnahmen für den Tourismus auf 5,5 Milliarden Dollar. „Die Erfahrungen zeigen, dass sich die Ausgaben und Einnahmen für den Gastgeber etwa ausgleichen“, sagte HWWI-Forscher Henning Vöpel. Lediglich Einmaleffekte, zum Beispiel in der Gastronomie, machten sich bemerkbar, „nachhaltig ist das nicht“. Die Forscher haben in ihrer Analyse für keines der vergangenen Fußballgroßereignisse nennenswerte nachhaltige Wachstumseffekte festgestellt. Zwar habe die Weltmeisterschaft in Deutschland im Jahr 2006 die Konjunktur kurzfristig – um bis zu 0,4 Prozentpunkte des Bruttoinlandsproduktes – gestärkt. Die starken Impulse seien in jenem Jahr jedoch von den Agenda-Reformen der Regierung ausgegangen.

          Bei aller Kritik betonen die Forscher mögliche positive „weiche Effekte“. „Wenn das Turnier reibungslos verläuft, ist das ein positives Signal an ausländische Investoren“, sagte Vöpel. Gerade für Schwellenländer könne das von Bedeutung sein. Ob Südafrika, der Ausrichter der vergangenen WM im Jahr 2010, vom insgesamt positiven Ablauf profitiert hat, konnten die Forscher jedoch nicht nachweisen.

          Der eigentliche Profiteur der WM ist nach Ansicht der Volkswirte der Weltfußballverband Fifa, der das Turnier veranstaltet. „Die Fifa ist Monopolist und schöpft die gesamten Gewinne ab“, sagte Vöpel. In den vier Jahren um das Turnier in Südafrika habe der Verband vor Steuern einen Gewinn von mehr als 2,3 Milliarden Dollar gemacht, den Großteil durch Einnahmen für Fernseh- und Marketingrechte.

          Allerdings haben die Ökonomen auch eine gute Nachricht für den Gastgeber. Auf Grundlage der bisherigen Wettquoten hat Brasilien die größten Chancen, Weltmeister zu werden. Deutschland, Argentinien und Spanien haben demzufolge etwas geringere Aussichten. Brasiliens Chancen auf den Titelgewinn seien ungleich größer als eine schnelle Lösung seiner tiefgreifenden wirtschaftlichen und politischen Probleme, schlussfolgern die Forscher.

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