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Nach Griechenland-Rettung : Die Euro-Krise kehrt zurück

Bild: Getty Images

Die Griechen sind gerettet, der Höhepunkt der Krise ist überschritten: Das hatte EZB-Chef Mario Draghi vor vier Wochen verkündet. Jetzt zeigt sich: So leicht wird man diese Krise nicht los.

          Es gibt viele Anzeichen, dass Europas Staatsschuldenkrise sich zurückmeldet. Die Renditen spanischer Staatsanleihen sind spürbar gestiegen. Die Spanier konnten sich zwar noch Geld am Kapitalmarkt leihen, mussten dafür aber deutlich höhere Zinsen zahlen als noch vor kurzem. Auch die Renditen der Anleihen der anderen angeschlagenen Eurostaaten - mit Ausnahme von Irland - haben sich von ihrem Tiefpunkt wieder deutlich entfernt. Zugleich erreichten die Renditen deutscher Staatsanleihen einen historischen Tiefstand. Und ausgerechnet vor der schicksalsträchtigen Wahl am heutigen Sonntag in Frankreich machten wieder Gerüchte die Runde, das Rating der „Grande Nation“ könnte herabgestuft werden.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Was ist da los? Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank, hatte doch vor gut vier Wochen verkündet, mit der Rettung der Griechen sei der Höhepunkt der Euro-Krise überwunden: „Die Lage stabilisiert sich.“ Wie kommt es dann, dass die Krise wieder so an Dynamik gewinnt?

          Auf Euphorie folgt Depression

          „Die Krise war nie wirklich weg“, meint Thomas Mayer, der Chefvolkswirt der Deutschen Bank. Die Märkte verhielten sich vielmehr wie ein manisch-depressiver Patient: Himmelhoch jauchzend hätten sie die milliardenschwere Rettungsaktion der Europäischen Zentralbank - Draghis „Dicke Bertha“ - mit einem Kursfeuerwerk bejubelt. „Auf die vorzeitige Euphorie folgt jetzt Depression.“

          Die Staatsschuldenkrise sei nur „übertüncht“ gewesen durch das billige Geld der EZB, meint auch Jörg Krämer, der Chefvolkswirt der Commerzbank: „Die Wirkung der Dreijahrestender auf die Märkte nimmt jetzt ab - hinzu kommen aktuelle fundamentale Probleme.“ Als einen „Paukenschlag“ bezeichnet er die Entscheidung der spanischen Regierung, „einseitig, ohne Abstimmung mit der Staatengemeinschaft, ihr Defizitziel für 2012 zu kündigen“.

          Griechenland, Portugal, Irland, Spanien, Italien im Vergleich Bilderstrecke

          Noch gar nicht berücksichtigt ist bei diesen Sorgen, was passiert, wenn in Frankreich der Sozialist François Hollande die Wahl gewinnt. Und sein Versprechen wahr macht, den europäischen Fiskalpakt neu zu verhandeln, in das Mandat der EZB die Sicherung von Wachstum einzufügen und sich für Eurobonds einzusetzen. Wird es für Deutschland künftig womöglich noch schwieriger, seine Position der Stabilitätspolitik durchzusetzen?

          Die Angst der Deutschen, Europa könnte in eine Rotwein- und Fiesta- sowie eine Spar-Fraktion zerfallen, sitzt auf jeden Fall tief. „Lateineuropäische“ Länder nennen einige deutsche Ökonomen die Länder Südeuropas schon - wie die „lateinamerikanischen“ Länder in Abgrenzung zu den wirtschaftlich stärkeren Vereinigten Staaten.

          Das Kernproblem der Krise bleibt dabei der ungelöste Widerspruch zwischen gemeinsamer Währung und unabhängiger Wirtschaftspolitik hoch verschuldeter Länder: Hätte jedes Euroland seine eigene Währung, könnten die südeuropäischen Länder ihre Währung abwerten. Damit würden ihre Produkte billiger - und ließen sich besser auf dem Weltmarkt verkaufen. Hans-Werner Sinn, Chef des Münchener Ifo-Instituts, verweist in diesem Zusammenhang auf Berechnungen von Goldman-Sachs: Danach müsste Portugal um 35 Prozent billiger werden, Griechenland um 30 Prozent, Frankreich und Spanien um 20 und Italien um 10 bis 15 Prozent, um wettbewerbsfähig zu sein. „Das aber wird so schnell nicht passieren“, stellt Sinn fest.

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