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Nach Griechenland-Rettung : Die Euro-Krise kehrt zurück

EFSF und ESM habe hohe Hürden

Die Folge ist das Sisyphos-Szenario: Die Südländer haben weiter außenwirtschaftliche Defizite - führen also mehr ein als aus. Und bauen immer mehr Schulden im Ausland auf. „Das untergräbt das Vertrauen der Märkte immer weiter“, meint Sinn. Es führe zu einem immer größeren Bedarf an öffentlicher Finanzierung durch Notenbank und Rettungsschirme. Zugleich sinke die Bereitschaft der solideren Staaten, weitere Finanzlasten zu übernehmen. „Periodisch neue Eruptionen“ seien die Konsequenz: Eine Krise, die immer wiederkommt, wenn man sie gerade gebannt zu haben glaubt.

Zwei Gründe sorgen für Zweifel an Mario Draghis These von der Stabilisierung: „Es gibt Sorgen, dass die Anpassung in den südeuropäischen Ländern nicht gelingt“, sagt Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Mayer. Und es gibt Zweifel, ob die Rettungsprogramme groß genug und handhabbar sind. Der Rettungsschirm aus EFSF und ESM habe hohe Hürden, bevor ihn ein Land in Anspruch nehmen könne. Und er ist finanziell begrenzt: „Spanien und Italien kann man damit nicht vom Markt nehmen.“

Der zweite Rettungsmechanismus besteht aus den Krediten der EZB an die Banken in notleidenden Eurostaaten. „Da fließt Geld reichlich“, sagt Mayer. Dieser zweite Mechanismus sei „gut gängig“ und „unbegrenzt“. Er hat aber ein Legitimationsproblem: Es dürfte in Europa nicht dauerhaft akzeptiert werden, dass die Notenbank unbegrenzt kriselnde Staaten rettet.

Der Konflikt ist ja durchaus virulent. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann warnte am Rande der Treffen von Internationalem Währungsfonds und Weltbank noch einmal, die Hilfen der Notenbank dürften nicht zur Dauereinrichtung werden. „Die großzügige Liquiditätsversorgung durch das Eurosystem darf nicht dazu führen, dass Banken oder Regierungen notwendige Anpassungen aufschieben“, sagte Weidmann dieser Zeitung. Sollten einzelne Länder Überbrückungshilfen benötigen, sei das Aufgabe der Rettungsschirme und nicht der Notenbank: „Geldpolitische Maßnahmen dürfen Anpassungen weder ersetzen noch verzögern.“ Europas Notenbank soll die Institution für stabiles Geld sein - nicht die supranationale Fürsorge für notleidende Eurostaaten.

Was tun, um sich zu schützen?

Anleger machten sich zu Recht Sorgen, meinen die Experten von Deutsche Bank, Commerzbank und Ifo-Institut. Was aber können sie tun, um sich zu schützen? Die meisten Anlageexperten warnen in dieser Situation grundsätzlich vor Anleihen - und raten zu Aktien. Die werden tendenziell ihren Wert behalten, auch wenn der Euro schwächer und die Inflation stärker wird. „Der einzige Sachwert, der eine Wertschöpfung erbringt, sind Unternehmensbeteiligungen“, sagt Peter Huber, Fondsmanager bei Star Capital.

Der Fondsmanager des berühmten „Templeton Growth Fund“, Norm Boersma, meint sogar, Bankaktien seien einen Blick wert. Dagegen rät UBS-Chefvolkswirt Andreas Höfert, sich auf Aktien von Unternehmen zu konzentrieren, die ganz handfeste Dinge herstellen. Gold und Immobilien halten die meisten Experten für eine interessante Beimischung im Depot. Zugleich aber warnen sie, die Preise für Gold und Wohnungen in begehrten Städten seien schon relativ hoch - wegen der Euro-Krise.

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