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Nach der Herabstufung von Euro-Ländern : Halb Europa geht in die Knie

Die Ratingagenturen und der Dax Bild: F.A.Z.

Standard & Poor’s straft neun Länder der Eurozone ab. Die Krise eskaliert. Die Euro-Kernländern und die sogenannten Peripheriestaaten driften auseinander. Und die Rettung wird noch teurer.

          Die Schlacht um den Euro erreicht die nächste Stufe der Eskalation. Alle Hoffnung, die Schuldenkrise könnte sich still und leise verziehen, ist zum Wochenende zerstoben: Nachdem die Ratingagentur Standard & Poor's die Bonitätsnoten für neun Euroländer gesenkt hat, ist offensichtlich: Die Rettung wird langwierig und im Zweifel noch teurer als eh schon befürchtet.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Ganze vier Euro-Staaten sind nur noch im Besitz der Bestnote AAA, davon einzig Deutschland mit einem stabilen Ausblick. Das macht die Rettung tendenziell kostspieliger. Und der Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB) wird zunehmen, die letzten Grundsätze über Bord zu werfen und mit noch mehr Milliarden den Rettungeuropäern beizuspringen: "Spitzt sich die Krise zu, muss die EZB endlich die Bazooka auspacken", frohlockt ein Banker.

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          Sosehr die Politik sich am gestrigen Samstag mühte, die Folgen der Abstufung herunterzureden, so deutete Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) doch an, dass die Basis der Rettungsschirme wohl erweitert werden müsse. "Auf je weniger Länder das konzentriert ist, umso anfälliger werden diese Gebilde", sagte sie am Samstag. Sie setze nun darauf, dass der neue Euro-Rettungsschirm (ESM) rasch kommt. Im Juni soll der ESM den bisherigen Rettungsfonds EFSF ablösen, der sich am Markt die Mittel für hilfesuchende Länder besorgen musste.

          Damit der ESM die beabsichtigten 440 Milliarden Euro verleihen kann, stehen die Euroländer mit Garantien von 780 Milliarden Euro in der Pflicht - diese Summe galt allerdings unter den bisherigen, besseren Bonitätsnoten. Nun wird die Finanzierung schwieriger.

          Wenn mit Frankreich der zweitwichtigste Triple-A-Garant ausfällt, habe der Rettungsschirm zwei Möglichkeiten, erläutert Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank: "Entweder der Fonds schrumpft das Kreditvolumen für die Peripheriestaaten, oder er muss auf die Bestnote verzichten." Das bedeutet: Die Rettung kostet mehr, so oder so.

          Um wie viel teurer es wird, ist schwer zu sagen. So eindeutig ist der Zusammenhang nicht, worauf die Kanzlerin hinweist: Der Rettungsschirm hatte schon jetzt etwas höhere Zinssätze bieten müssen, der Markt hatte die Abstufung bereits eingepreist. Wie jetzt auch reihum die Regierenden beteuern, sie seien überhaupt nicht überrascht, schon gar nicht erschrocken über die Abstufung.

          Begründet hatte S&P den Schritt mit der Enttäuschung über die Entwicklung der vergangenen Wochen: "Die politischen Initiativen waren nicht ausreichend, um den anhaltenden systemischen Belastungen der Eurozone angemessen zu begegnen", moniert die Ratingagentur.

          Herabstufung trotz Sparanstrengung

          Die direkte Konsequenz ist für den deutschen Staat in seiner Funktion als Schuldner zunächst positiv: Je größer das Elend ringsum, desto attraktiver werden Bundesanleihen: Der Run auf deutsche Staatspapiere wird sich noch mal verstärken, nachdem jüngst schon Investoren Geld mitgebracht haben, um in Bundesleihen anlegen zu dürfen - das drückt die Zinslast des Finanzministers.

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