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Britische Konjunktur : Plötzlich wirkt der Brexit

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Noch ist Großbritannien Mitglied der EU, aber wie lange noch? Bild: dpa

Vor dem Brexit-Votum warnten nicht wenige Politiker und Ökonomen vor den wirtschaftlichen Schäden eines EU-Austritts. Jetzt häufen sich die schlechten Nachrichten.

          Wird David Camerons Prophezeiung wahr? Der inzwischen zurückgetretene Premierminister von Großbritannien hatte noch kurz vor der Brexit-Abstimmung vor dessen Folgen für die Wirtschaft gewarnt:

          „Das ist die Option zur Selbstzerstörung“, sagte er. Camerons damalige Regierung hatte betont, wegen des EU-Austritts könnten mindestens eine halbe Million Jobs wegfallen. Auch Ökonomen gingen davon aus, dass Großbritannien in ein Konjunkturtal abgleitet.

          Noch ist es noch nicht soweit, aber seit die Briten sich Ende Juni entschieden haben, die Europäische Union (EU) zu verlassen, mehren sich die schlechten ökonomischen Vorzeichen.

          Diese scheinen auch die Bank von England um zu treiben, die erst am Donnerstag die Leitzinsen senkte und ein umfangreiches Maßnahmenpaket ankündigte. Der neue Finanzminister Philip Hammond sagte, Großbritannien werde seine Wirtschaft in der jetzigen Phase unterstützen.

          Der Arbeitsmarkt im freien Fall?

          Fest steht: Es herrscht Unsicherheit in Großbritannien, und das ist Gift für jede Volkswirtschaft. Derzeit ist etwa unklar, ob das Vereinigte Königreich künftig noch Zugang zum EU-Binnenmarkt haben wird. Dies drückt auf die Konsumlaune und lastet auf der Investitionsbereitschaft der Firmen.

          Anscheinend auch auf der Bereitschaft neue Mitarbeiter einzustellen. Die Zahl neu besetzter unbefristeter Stellen ist in Großbritannien so stark gefallen wie zuletzt zur Rezession 2009 - glaubt man einer Umfrage des Personalvermittlerverbands REC.

          Der Verband bittet seine Mitglieder in seinem monatlichen Stellenreport darum, die Zahl der neu besetzten Stellen mit denen des Vormonats zu vergleichen. Aus den Antworten berechnet REC einen Index, der bei einem Wert von 50 anzeigt, dass sich der Arbeitsmarkt im Vergleich zum Vormonat nicht verändert hat.

          Mehr befristete Verträge

          Werte unter 50 deuten auf einen Rückgang der Einstellungen hin, Werte über 50 auf mehr unbefristete Einstellungen im Vergleich zum Vormonat. Im August ist dieser Index nun zum ersten Mal seit langem unter den Wert von 50 gefallen. Im Vergleich zum Vormonat ist er um 9,8 Prozent gesunken.

          „Der Arbeitsmarkt hat im Juli einen dramatischen freien Fall erlebt“, sagte REC-Chef Kevin Green. „Die wirtschaftlichen Turbulenzen nach dem Votum für ein Ausscheiden Großbritanniens aus der Europäischen sind zweifelsohne der Grund.“

          Viele Unternehmen stellten wegen der erhöhten Unsicherheit neue Mitarbeiter nur noch befristet ein. Rupert Harrison, einer der Chefstrategen von Vermögensverwalter Blackrock und früherer Stabschef und ökonomischer Berater des ehemaligen britischen Schatzkanzlers George Osborne, twitterte, das Finanzministerium nehme den REC-Report traditionell sehr ernst, weil er üblicherweise eine gute Vorhersage auf die Arbeitsmarktentwicklung biete. „Sie werden besorgt sein“, glaubt er.

          Fast überall herrscht große Verunsicherung

          Auch die britischen Unternehmer richten sich dem Wirtschaftsverband CBI zufolge darauf ein, dass das Wachstum in den kommenden drei Monaten fast zum Erliegen kommt. Grund dafür seien weniger Investitionen und das gesunkene Verbrauchervertrauen, teilte der Verband mit.

          Demnach ist die Stimmung bei Unternehmen so pessimistisch wie seit Ende 2012 nicht mehr. Der Anteil der Firmen, die eine geringere Produktion erwarten, liegt der Erhebung zufolge drei Prozentpunkte über denen, die mit einem Wachstum rechnen. Im Juni dagegen hatten die Optimisten einen Vorsprung von 16 Punkten.

          Die Geschäfte laufen derzeit wegen der großen Verunsicherung überraschend mau, ließ auch das Institut IHS Markit zu seiner Umfrage unter rund 1000 Unternehmen verlauten. „Im Juli hat sich die Konjunktur dramatisch verschlechtert“, sagte Markit-Chefökonom Chris Williamson und erwartet im Sommer sogar ein Schrumpfen der Wirtschaft auf der Insel.

          Die Dienstleister blicken so skeptisch nach vorn wie seit siebeneinhalb Jahren nicht mehr - damals steckte die gesamte Weltwirtschaft nach der Pleite der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers in einer tiefen Rezession.

          Deutlich niedrigere Wachstumsrate erwartet

          Die Bank von England begründete ihr Vorgehen damit, dass sich der kurzfristige Wachstumsausblick durch das Brexit-Votum merklich eingetrübt hat. Sie senkte am Donnerstag den Leitzins auf das historische Tief von 0,25 Prozent und stockte ihr Wertpapier-Kaufprogramm auf.

          Sie wird etwa in den kommenden sechs Monaten 60 Milliarden Pfund ausgeben und damit britische Staatsanleihen kaufen; außerdem beginnt sie ein Kaufprogramm für Unternehmensanleihen. Inklusive der neu angekündigten Maßnahmen wird das gesamte Anleihekaufvolumen den Angaben der Notenbank zufolge auf 435 Milliarden Pfund wachsen.

          Damit wollen sich die Währungshüter gegen eine womöglich drohende Rezession im Vereinigten Königreich stemmen.

          Das Pfund verliert

          Sie selbst sagen mittlerweile eine deutlich niedrigere Wirtschaftswachstumsrate von nur noch 0,8 Prozent im nächsten und übernächsten Jahr voraus. Vor der Abstimmung über den EU-Verbleib waren es noch jeweils 2,3 Prozent gewesen.

          GBP/USD

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          Der Wechselkurs der britischen Währung verlor infolge der Nachricht merklich: Ein Pfund kostet nun rund 1,31 Dollar, vor der Entscheidung waren es noch 1,33 Dollar gewesen. Der britische Aktienindex FTSE 100 kletterte um 1,3 Prozent, der die Binnenwirtschaft breiter abbildende FTSE 250 immerhin um 1 Prozent. Auch an den übrigen europäischen Börsen lagen die Aktienkurse überwiegend im Plus.

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