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Nach dem Brexit : Der Handel mit Großbritannien verliert an Bedeutung

Lastwagen stehen an der Grenzkontrolle am Hafen in Dover Schlange. Bild: Reuters

Die Exporte Deutschlands auf die Insel sind stark zurück gegangen. Gerade die kleinen Unternehmen leiden unter den neuen Handelsbarrieren.

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          Nach dem Austritt aus dem EU-Binnenmarkt verliert Großbritannien für deutsche Unternehmen weiter an Bedeutung und droht in der Rangfolge der wichtigsten Exportmärkte von dem fünften auf den sechsten Platz – hinter Polen – abzurutschen. Dies ist ein Ergebnis einer aktuellen Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), in der 1200 Unternehmen antworteten.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Die vier wichtigsten Exportmärkte der deutschen Wirtschaft sind die Vereinigten Staaten, China, Frankreich und die Niederlande. 2016, vor dem Brexit-Referendum, war das Vereinigte Königreich noch der drittwichtigste Exportmarkt. Gemessen am gesamten Handelsvolumen mit Exporten und Importen von 102 Milliarden Euro Wert im Jahr 2020 war Großbritannien nur noch der achtwichtigste Handelspartner.

          Einen Monat nach dem endgültig vollzogenen Brexit klagen viele deutsche Unternehmen über gestiegenen bürokratischen Aufwand durch Zollerklärungen, Logistikprobleme, rechtliche Unsicherheit und gestiegene Kosten. Nach einer Schätzung des DIHK müssen deutsche Unternehmen künftig rund zehn Millionen Zolleinreichungen, also Zollerklärungen und Dokumentationen, im Jahr erbringen. Allein dies könnte Kosten von 400 Millionen Euro im Jahr bedeuten.

          Gerade die Kleinen leiden unter dem Brexit

          Zudem steigen einige andere Kosten. Nach Einschätzung deutsch-britischer Handelsexperten in London könnten die Kosten für deutsche Mittelständler, die Geschäft mit Großbritannien machen, im Schnitt um 3 bis 5 Prozent steigen. Für Großkonzerne lägen die Extrakosten niedriger, bei nur etwa 1 Prozent. Gerade die Kleinen würden daher unter den neuen Barrieren im Handel leiden.

          Das kurz vor Jahresende vereinbarte Post-Brexit-Abkommen sei zwar „viel besser als nichts“, sagte Ulrich Hoppe, der Chef der Deutsch-Britischen Industrie- und Handelskammer (AHK), am Dienstag bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse, es sei aber dennoch nicht gut, weil es neue Reibungen und Kosten im Handel bringe. Grenzüberschreitende Arbeitseinsätze für Dienstleister sind schwerer geworden. Viele Dinge seien noch ungeklärt, etwa für Finanzdienstleistungen. 16 Prozent der Unternehmen planen, Investitionen aus Britannien in andere Länder zu verlagern. Dennoch bleibe Großbritannien ein attraktiver Markt mit 66 Millionen kaufkräftigen Konsumenten und dem Finanzplatz London von Weltbedeutung.

          Die britische Wirtschaft ist um 11 Prozent eingebrochen

          Aktuell verdüstert vor allem die Corona-Krise die Lage. Die britische Wirtschaftsleistung ist im Jahr 2020 um gut 11 Prozent und damit doppelt so stark wie in Deutschland eingebrochen. Die in Großbritannien tätigen deutschen Unternehmen bezeichnen ihre dortigen Geschäftsbeziehungen aktuell zu 60 Prozent als schlecht, nur 10 Prozent finden sie gut. Damit ist der Saldo der Einschätzungen sehr viel negativer als in anderen EU-Ländern außerhalb des Euroraums. Nach dem endgültig vollzogenen Brexit erwarten die IHK-Fachleute in diesem Jahr trotz der neuen Handelshürden kein Schrumpfen, sondern eine Stagnation des deutsch-britischen Warenaustauschs.

          Wie schlimm der aktuelle Einbruch im britisch-europäischen Handel ist, darüber gibt es verwirrende Zahlen. Aufsehen erregte kürzlich eine Angabe des Frachtverbands Road Haulage Association, wonach das Volumen der Warentransporte in die EU im Januar um dramatische 67 Prozent geschrumpft sei, verglichen mit dem Vorjahresmonat. Kabinettsbürominister Michael Gove hat die Zahl als falsch zurückgewiesen. Dass sie übertrieben sein könnte, darauf deutet eine aktuelle Angabe des Hafens von Dover, der wichtigsten Fähr- und Gütertransportverbindung zum Kontinent, hin. Das Niveau der Transporte sei inzwischen „zurück bei 90 Prozent des Normalen“, teilte der Hafenbetreiber in Dover mit.

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