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Nach Amerika-Schelte : China vergleicht die Euro-Krise mit Pestepidemie

Yuan, US-Dollar und Euro: China hält die größten Devisenreserven der Welt Bild: REUTERS

Die EU ist Chinas größter Handelspartner. Jetzt fürchtet das Land negative Auswirkungen der europäischen Schuldenkrise auf die eigene Wirtschaft. Die Kommentatoren der chinesischen Zeitungen finden drastische Worte.

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          Nach Bedenken wegen der Lage in den Vereinigten Staaten macht sich China jetzt auch Sorgen über die Situation in Europa. Anders als im Falle Amerikas halte China zwar nur wenige Staatsanleihen aus der EU. Aber die Überschuldung drücke auf die Nachfrage, „und das wird weitreichende Auswirkungen auf unsere Realwirtschaft haben“, heißt es in einem Kommentar der „Volkszeitung“, dem wichtigsten Organ der regierenden Kommunistischen Partei. Die EU ist Chinas größter Handelspartner, das Volumen mit Europa ist größer als der Handel mit Amerika. Der Austausch stieg 2010 um fast 14 Prozent auf rund 400 Milliarden Euro.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Die EU müsse ihre Institutionen so reformieren, dass sie die Wirtschaftsentwicklung nicht länger behinderten, und sie müsse mehr Verantwortung für die internationale Wirtschaft und die Finanzmärkte zeigen, schreiben der ehemalige Zentralbanker Zhang Zhixiang und ein führender Ökonom der staatlichen China Development Bank, Zhang Chao. Am Donnerstag wird Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy nach Peking kommen. In seinen Gesprächen dürfte es um die Schuldenkrise und die Turbulenzen an den Finanzmärkten gehen.

          Für die Gefahr, die in Europa lauere, finden die Kommentatoren drastische Worte. „Die Staatsschuldenkrise hat sich über die Länder des Euroraums verbreitet wie im vierzehnten Jahrhundert der Schwarze Tod.“ Die Analogie bezieht sich auf die mittelalterlichen Pestepidemien. Die EU müsse jetzt „konkrete Schritte unternehmen, um das Vertrauen der Märkte in den Euroraum und den Euro zurückzugewinnen“.

          „Es gibt keinen Grund zur Panik“

          China hält die größten Devisenreserven der Welt in Höhe von 3200 Milliarden Dollar, mit 1170 Milliarden Dollar ist es Amerikas Hauptgläubiger. Wie viel europäische Staatsschulden in China liegen, ist unbekannt. Die Gesamtanlagen des Landes in Euro werden auf 800 Milliarden Dollar geschätzt. Peking hat nach eigenen Angaben immer wieder Schuldpapiere aus Krisenländern wie Griechenland gekauft. In Deutschland kündigte Premierminister Wen Jiabao kürzlich an, China werde auch in Zukunft Anleihen zeichnen.

          Auf seiner China-Reise, die am Montag zu Ende ging, hatte der amerikanische Vizepräsident Joseph Biden versprochen, die Wirtschaft und die Schulden Amerikas seien stabil und sicher. Wen zeigte sich daraufhin „voller Zuversicht“, dass Amerika zur alten Stärke zurückfinde und die Investoren wieder Vertrauen fassten. Die Frage, ob die Krisen im Westen das Land belasten, ist in China umstritten. Beschwichtigender als die Fachleute in der „Volkszeitung“ äußert sich Zhang Yansheng, ein Wirtschafsforscher im mächtigen Planungsministerium NDRC. Chinas Wirtschaft werde vor allem vom Binnenkonsum getrieben. Sollte der Export zurückgehen, litten darunter zwar die Ausfuhrregionen an der Küste, „nicht aber die Wirtschaft im Ganzen“.

          Fan Gang, ein ehemaliger Berater der Zentralbank, sagte: „Es gibt keinen Grund zur Panik. Das Wachstumsmoment der chinesischen Wirtschaft wird nicht in Mitleidenschaft gezogen.“ China müsse allerdings die Geldpolitik weiter straffen, um spekulatives Kapital abzuhalten. Dem widerspricht Zhu Baoliang, stellvertretender Direktor für Wirtschaftsprognosen beim State Information Center. Falls die Weltwirtschaft abermals in die Rezession rutsche, müsse China die kürzlich mehrfach verschärfte Geldpolitik wieder lockern.

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