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Hohe Schulden : Der wahre Grund für Italiens Misere

  • -Aktualisiert am

In den vergangenen Monaten lagen die Meinungen der EU und Italiens teils weit auseinander. Bild: Reuters

Italien hat Geld verschwendet? Stimmt nicht, das Problem liegt woanders. Das Land muss über einen Euro-Austritt nachdenken. Ein Gastbeitrag.

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          Zwischen Italienern und anderen Europäern gibt es einige Missverständnisse, was Staatshaushalte angeht. Auch wenn der jüngste Streit mit der EU-Kommission einen Kompromiss gefunden hat, ist man von einem gegenseitigen tiefen Verständnis weit entfernt. Selbst EU-Kommissar Valdis Dombrovskis nennt den Kompromiss „nicht ideal“, und sein Kollege Günther Oettinger beschwert sich über eine laxe Haushaltsdisziplin in Italien. Das Missverständnis reicht tief. Vor kurzem hat der deutsche Ökonom Hans-Werner Sinn in einem Gastbeitrag in der F.A.S. eine Ansicht formuliert, die wohl viele Deutsche haben: „Die Geschichte Italiens im Euro ist eine Geschichte der öffentlichen Kredite und Bürgschaften, der Gemeinschaftsgarantien und Finanzhilfen, mit deren Hilfe das Land über Wasser gehalten wurde.“ Wie kommt es zu solchen Ansichten?

          Italien ist Nettozahler zum EU-Haushalt und hat stets seine Beiträge zu den diversen Rettungsfonds geleistet, ohne diese bis heute jemals selbst in Anspruch genommen zu haben. Stattdessen haben es die Rettungsmaßnahmen der europäischen Politik ermöglicht, den Banken und Investoren aus Frankreich und Deutschland zu helfen. Betrachten wir zum Beispiel den ersten Rettungsschirm für Griechenland, der eine Auszahlung von 21,1 Milliarden Euro durch den IWF und von 52,9 Milliarden Euro durch bilaterale Kredite von 14 Ländern der Eurozone vorsah. Deutschland steuerte fünfzehn Milliarden, Frankreich elf und Italien zehn Milliarden Euro dazu bei. Doch während das französische Bankensystem im März 2010 rund 67 Milliarden Euro Risiko gegenüber dem griechischen System hatte und das deutsche Bankensystem rund 44 Milliarden Euro, war Italiens Risiko viel kleiner: 7 Milliarden Euro. Es sieht daher so aus, als hätte eher Italien die Bankensysteme anderer Länder über Wasser gehalten.

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