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Trüberes Wirtschaftsklima : Erholung in Deutschland verlangsamt sich, in Frankreich noch stärker

Blick über den Container Terminal Tollerort (CTT) der Hamburg Hafen und Logistik AG (HHLA). Bild: dpa

Nach der rasanten Aufholjagd der Vormonate stufen die Unternehmen ihre Geschäftslage nicht mehr ganz so zuversichtlich ein. Doch bei genauem Hinsehen ergibt sich ein geteiltes Bild.

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          Die Erholung der deutschen Wirtschaft verliert leicht an Schwung. Das signalisiert das Geschäftsklima-Barometer des Londoner Markit-Instituts, das auf der monatlichen Umfrage unter rund 1000 Einkaufsmanagern aller Branchen beruht. Nach der rasanten Aufholjagd in den Monaten Mai, Juni und Juli gab es im August nun erstmals einen leichten Knick: Der Index sank binnen Monatsfrist von 55,3 auf 53,7 Punkten.

          Niklas Záboji
          Wirtschaftskorrespondent in Paris

          Ein ähnliches Bild ergibt die Markit-Umfrage im gesamten Euroraum. Auch hier war der Index bis Juli auf 54,9 Zähler gestiegen. Nun liegt der Wert zwar immer noch über der 50-Punkte-Schwelle, die eine Zunahme der Wirtschaftsleistung erwarten lässt – aber mit 51,6 Punkten nicht mehr ganz so stark. In Frankreich, wo das Geschäftsklima zuvor noch stärker gestiegen war als in Deutschland, ging es mit einem Minus von fast sechs Punkten besonders deutlich nach unten auf nunmehr 51,7 Zähler.

          „Der Eurozone-Aufschwung hat im August an Dynamik verloren, was zeigt, dass der Corona-Pandemie doch eine ausgeprägte Nachfrageschwäche anhaftet“, meint Markit-Ökonom Andrew Harker. Geschadet haben dem Aufschwung auch die wieder steigenden Infektionszahlen in vielen Eurozone-Ländern, wobei vor allem Dienstleister unter den neuerlichen Restriktionen litten.

          Ein langer und steiniger Weg aus der Krise

          Tatsächlich ist der Stimmungsdämpfer in erster Linie dem Dienstleistungssektor anzulasten. Für die Industrie vermeldet Markit dagegen anhaltend gute Werte. Der Unterindex für die Produktion der deutschen Industrie etwa stieg von 54,7 auf 59,1 Punkte und damit auf ein 30-Monatshoch. Auch ihr Auftragseingang legte so stark zu wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr – wenngleich es auch hier „noch einiges aufzuholen gilt“, wie der Ökonom Harker anmerkt. Er betont, dass die Beschäftigtenzahlen auch in der deutschen Industrie nach wie vor rückläufig sind und spricht von einem „weiter enormen Kostendruck“ für die Unternehmen.

          „Überall in Europa steigt die Zahl der Neuinfektionen. Das hat Hoffnungen auf eine weitere Lockerung der Corona-Beschränkungen gedämpft, in einigen Ländern wurden die Maßnahmen sogar verschärft“, sagt Jörg Krämer, der Chefvolkswirt der Commerzbank, der F.A.Z. „Das hat offensichtlich die Stimmung im Dienstleistungssektor etwas gedrückt, der besonders auf den engen Austausch zwischen den Menschen angewiesen ist.“

          Zumal nicht zuletzt der Ausblick für die Exportmärkte bis auf Weiteres eher durchwachsen bleibe, wie Michael Holstein, Volkswirt bei der DZ Bank, ergänzt. Die Unternehmen schauten „mit Zuversicht, aber ohne Euphorie auf die kommenden Monate“. Dass sich besonders bei Ersteren die Stimmung im Vergleich zum Vormonat abgekühlt hat, erklärt sich auch Holstein mit Befürchtungen rund um eine mögliche zweite Corona-Welle. Das dürfte vor allem in der Gastronomie für Ernüchterung sorgen. 

          Die von Markit gelieferten Zahlen bestätigten einmal mehr, dass es ein langer und steiniger Weg aus der Krise wird, findet auch Uwe Burkert, Chefvolkswirt der Landesbank Baden-Württemberg.

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