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Trüberes Wirtschaftsklima : Erholung in Deutschland verlangsamt sich, in Frankreich noch stärker

Nach wie vor unter dem Niveau der Vorjahre

Dass die Geschäftslage für viele Unternehmen angespannt bleibt, hat der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) ebenfalls noch einmal unterstrichen. Zwar hat der Verband seine Konjunkturprognose wie andere Forschungsinstitute leicht angehoben: Statt mit mehr als 10 Prozent, erwartet man nun „nur noch“ einen Einbruch der deutschen Wirtschaftsleistung von mehr als 7 Prozent in diesem Jahr. Das sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer dem Magazin „Focus“.

Die Lage für die Wirtschaft sei dennoch „extrem herausfordernd“. 80 Prozent der Unternehmen erwarteten für das Gesamtjahr sinkende Umsätze, 40 Prozent hätten schwere Liquiditätsprobleme und jedes zehnte Unternehmen halte sich sogar für insolvenzgefährdet. Vor dem Hintergrund wäre ein zweiter flächendeckender Lockdown aus der Sicht von Schweitzer verheerend, die deutsche Wirtschaft wäre nach seinen Worten „für Jahre, vielleicht sogar ein Jahrzehnt schwer geschädigt“.

Wie sehr schon der erste Lockdown dem deutschen Außenhandel zugesetzt hat, zeigen aktuelle Zahlen vom Hamburger Hafen. Der Güterumschlag des größten deutschen Seehafens verringerte sich verglichen zum Vorjahreszeitraum um zwölf Prozent auf 61,2 Millionen Tonnen. Das teilte die Marketing-Gesellschaft des Hafens am Freitag mit.

Commerzbank-Chefvolkswirt Krämer mahnt trotz alledem, die Zuversicht nicht zu verlieren. „Die amerikanische Wirtschaft hat sich im Sommer trotz einer zweiten Corona-Welle weiter erholt“, sagt er. „Offensichtlich bedeutet eine zweite Corona-Welle keine zweite Rezession.“ Die Menschen hätten gelernt, mit Corona umzugehen, zudem können sich die Regierungen einen zweiten undifferenzierten Lockdown gar nicht leisten, so Krämer.

Eine gebremste Erholung der deutschen Konjunktur kann allerdings auch er nicht leugnen. „Deutsche Wirtschaft: Erholung weit gediehen und setzt sich kaum noch fort“, hatten die Ökonomen der Commerzbank diese Woche in ihren laufenden Übersicht zu den Echtzeitindikatoren getitelt – und darauf verwiesen, dass beispielsweise im Einzelhandel die Kundenzahlen zuletzt wieder leicht rückläufig waren. 

„Laut den von Google protokollierten Handy-Bewegungsdaten lagen die Kundenzahlen in den Geschäften Mitte August aber wieder etwa 6 Prozent unter dem Normalniveau, nachdem die Abweichung Anfang August nur bei etwa 2 Prozent gelegen hatte“, schrieben sie, wenngleich der Wert zum Tiefpunkt der Krise 60 Prozent betragen hatte.

Auch der sogenannte Fahrtleistungsindex des Statistischen Bundesamts, der die Aktivität von mautpflichtigen Lastwagen auf deutschen Autobahnen und Bundesstraßen misst, hat sich abgeflacht und stagnierte zuletzt. Selbiges gilt für den Stromverbrauch. Er korreliert mit der Industrieproduktion und verharrt nach wie vor deutlich unter dem Niveau der Vorjahre. „Seit den ersten Lockerungen Ende April hat sich der deutsche Stromverbrauch bei einem Level von 8 bis 12 Prozent unter seinem Normalniveau eingependelt“, schreiben die Ökonomen des Kieler Instituts für Weltwirtschaft seit einigen Wochen unverändert in ihrem Datenmonitor.

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