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Mario Draghi : Kandidat für EZB-Spitze lobt deutsche Reformen

Mario Draghi Bild: REUTERS

Nach dem überraschenden Abgang Axel Webers gilt Italiens Notenbankgouverneur Mario Draghi als einer der Favoriten für das Führungsamt der Europäischen Zentralbank. Im Gespräch mit der F.A.Z. bezeichnet er die Reformen Deutschlands als Vorbild für die gesamte Währungsunion.

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          Einer der Favoriten für das Führungsamt der Europäischen Zentralbank, Italiens Notenbankgouverneur Mario Draghi, sieht die Strukturreformen Deutschlands für mehr Wettbewerbsfähigkeit als Vorbild für die gesamte Währungsunion.

          Tobias Piller

          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

          „Der Euro kann nur überleben, wenn die Währungsunion Stabilität und Prosperität garantiert“, sagt Draghi in einem Gespräch mit der F.A.Z. Dabei gelte zum einen, dass nachhaltiges Wirtschaftswachstum nur bei stabilen Preisen möglich sei. Zudem braucht aus der Sicht von Draghi ganz Europa Reformen, um das Wirtschaftswachstum zu beschleunigen. „Deutschland muss dabei das Vorbild sein“, sagt Draghi, der als Gouverneur der Banca d'Italia immer wieder die italienischen Politiker zu Reformen ermahnt hat.

          Kritisch äußert sich Draghi zu den Forderungen nach einem immer größeren Rettungsfonds für Länder in finanziellen Schwierigkeiten und zur Einführung von Eurobonds - Schuldtiteln, die von Europa im Namen einzelner Schuldnerländer ausgegeben werden.

          Draghi, derzeit auch Vorsitzender des vom G20 eingesetzten „Financial Stability Board“ für die Überarbeitung der Regeln in der Finanzwelt, sagte, Italien habe im Gegensatz etwa zu Griechenland seine Krise von 1992 aus eigener Kraft gemeistert, indem es mit einem harten Sanierungsplan die Finanzmärkte überzeugte. Draghi war damals oberster Beamter des italienischen Schatzministeriums. Draghi sagte, wenn eine nationale Regierung keine überzeugende Antwort auf eine Krise hervorbringe, sei die Lage aussichtslos. Zugleich dürfe nicht die Erwartung geschürt werden, dass ein europäischer Rettungsfonds immer gigantischere Ausmaße annehmen würde, weil dies später nur neue Turbulenzen hervorbringen könne.

          Nach dem Rückzug von Bundesbankchef Axel Weber lässt die Bundesregierung eine deutsche Kandidatur für den Posten des EZB-Präsidenten offen: Entscheidend sei nicht die Nationalität, sondern dass der Nachfolger die deutschen Vorstellungen zur Bekämpfung der Inflation in der Euro-Zone teile, sagte Regierungssprecher Seibert am Montag (siehe Europäische Zentralbank: Das Kandidatenkarussell dreht sich). Auch Wirtschaftsminister Brüderle (FDP) sagte der „Bild-Zeitung“, der Kandidat müsse nicht ein Deutscher sein.

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