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Erholung in Italien : Mailand will wieder Motor der italienischen Wirtschaft sein

Kaum Menschen am Mailänder Dom: So sah die Innenstadt über weite Teile des Winters und des Frühjahrs aus. Bild: dpa

Nach dem tiefen Absturz in der Corona-Krise arbeitet die Industrie nun emsig an der „Regeneration“. Der Chef des Unternehmensverbands in der Region hofft auf Touristen, die Rückkehr der Messen und setzt auf den europäischen Aufbauplan.

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          Regeneration: Das ist für die Mailänder Wirtschaftswelt nicht nur der Titel für die Hauptversammlung des wichtigsten lokalen Unternehmerverbands Italiens, der wiederum auf den Namen Assolombarda hört. Mit dem Wort ist auch die Hoffnung verknüpft, dass die Metropole Mailand ihren wirtschaftlichen Höhenflug fortsetzt, der abrupt von der Corona-Pandemie unterbrochen wurde. Gerade die Lombardei und die Nachbarprovinz Lodi, daneben vor allem auch Bergamo, waren besonders hart getroffen. Unter den 10 Millionen Einwohnern der Lombardei gab es bisher 842.000 Infektionen und fast 34.000 Tote.

          Tobias Piller
          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

          Umso mehr sucht nun der neue Vorsitzende von Assolombarda, Alessandro Spada, der Vereinigung der Unternehmer in den Provinzen Mailand, Lodi, Monza-Brianza sowie Pavia, mit der sonst routinemäßig ablaufenden Hauptversammlung ein Zeichen zu setzen: Während etwa der nationale italienische Bankenverband oder die Pharmaindustrie ihre jährlichen Versammlungen noch virtuell im Internet abhalten, wollte der Assolombarda-Präsident unbedingt eine Präsenzveranstaltung.

          Die findet wiederum nicht in einem normalen Kongresssaal statt, sondern auf einer Baustelle, auf der die Regeneration von Industriebrache eines alten Stahlwerks zu einem Wohn- und Wirtschaftsviertel sichtbar wird. „Die Lombardei ist die erste italienische Region, die von Covid19 getroffen wurde, und die Auswirkungen waren hier besonders heftig“, sagt Spada im Gespräch mit der F.A.Z. „Dennoch ist die Region 2020 nicht hinter dem Rest Europas zurückgeblieben und das zeigt die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen“.

          Höhenflug nach der Expo

          Nach der Weltausstellung Expo im Jahr 2015 sprach man in Italien vor allem darüber, dass Mailand zu einem Höhenflug angesetzt habe. Gleichzeitig zur Weltausstellung war ein neues zentral gelegenes Stadtviertel mit den ersten Bankhochhäusern entstanden. Die jährliche Möbelmesse erwies sich immer mehr als internationales Treffen für modernes Design, das sich immer mehr außerhalb des Messegeländes, mitten in der Stadt abspielte. Mailand wurde für den Tourismus interessant, weil viele ansonsten festgefahrenen Projekte mit jahrelangen Genehmigungen für die Expo 2015 plötzlich alle realisiert werden konnten. Nach 6,6 Millionen Besuchern 2014 kamen im Expo-Jahr 7,4 Millionen, 2019 wurden dann 8 Millionen gezählt.

          Symbolisch für den Wiederaufbau: Die Hauptversammlung der Mailänder Unternehmer findet inmitten einer Baustelle statt.
          Symbolisch für den Wiederaufbau: Die Hauptversammlung der Mailänder Unternehmer findet inmitten einer Baustelle statt. : Bild: Assolambarda/Andrea Pasquali

          Die Wirtschaftskraft Mailands ist ohnehin unbestritten: Im Gebiet von Assolombarda mit 4,9 Millionen Einwohnern (8,2 Prozent der Bevölkerung Italiens) gibt es 468.000 Unternehmen. Das sind wiederum 10 Prozent aller Unternehmen Italiens mit mehr als 2 Millionen Beschäftigten (12 Prozent Italiens. Sie stehen für 13 Prozent der Wertschöpfung des Landes. Während der Jahre von 2015 bis 2019 war das reale Wirtschaftswachstum zudem doppelt so hoch wie im italienischen Durchschnitt, nämlich 10,3 Prozent statt 5 Prozent für Italien. Der Absturz im Corona-Jahr 2020 war dann aber etwas tiefer als im italienischen Schnitt, weil die Region Lombardei 9,4 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts (BIP) verlor, Italien insgesamt nur 8,9 Prozent. Zwei Möbelmessen wurden abgesagt, auch die Modenschauen mussten ins Internet verlegt werden, Mailand blieb ohne Glamour mit leeren Hotels zurück.

          Überdurchschnittliches Wachstum

          Nun berichtet der Unternehmerverband, die Wachstumsaussichten in Mailand und dem Umland seien wiederum besser als im italienischen Durchschnitt. Doch das Bild ist sehr heterogen: Zwar habe der Export der Lombardei im ersten Quartal 2021 um 3,5 Prozent über dem Vorjahreswert gelegen, doch der Produktionswert in der Modebranche habe noch 13 Prozent weniger betrage als 2020, die Autozulieferbranche lag 12 Prozent zurück, der Maschinenbau dagegen 4 Prozent. Beflügelt wurden die Pharmabranche (plus 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr), Elektronik (plus 22 Prozent) und die Nahrungsmittelproduktion (plus 7 Prozent).

          Aus der Perspektive des Assolombarda-Präsidenten Alessandro Spada wird es auf jeden Fall bis 2023 dauern, bis die Lombardei die Verluste der Krise wieder aufgeholt hat. Dennoch gebe es viele Signale für einen starken Aufschwung, gerade rund um Mailand: „Die Innovationen, der Antrieb für Forschung und für Veränderung, unser Wunsch, etwas zu kreieren, haben keinerlei Stillstand erlebt. Mailand hat in seiner DNA die Fähigkeit, sich zu verändern.“ Aus seiner Perspektive sind nun nicht nur elektronische Verbindungen, sondern auch traditionelle Infrastruktur die Priorität, die der Politik vor Augen geführt werden müsse. Der europäische Aufbauplan kommt daher gerade Recht, doch Spada sieht hier auch eine Gefahr: „Die größte Gefahr ist die mangelhafte Exekution des Aufbauplans, und auf diesem Gebiet hat Italien große Probleme.“

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