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Lucke, Henkel und Co : Der einsame Kampf der Alfa-Männer

Ob die Alfa-Idee wirklich praktikabler ist, ist offensichtlich gar nicht entscheidend. Denn die Bürger, die in zwei Wochen ihre Landtage neu wählen, wissen darüber nichts. Die neue Partei ist trotz der relativen Prominenz ihrer Spitzenpolitiker so gut wie unbekannt geblieben. Lucke räumt ein, dass er von keinen Meinungsumfragen weiß, in denen seine Partei messbare Unterstützung erfährt. Er vertraut immer noch auf die überzeugende Wirkung der Alfa-Wahlveranstaltungen, zu denen manchmal „bis zu 100 Leute“ kämen. Immer könnten er und seine Mitstreiter inhaltlich überzeugen und erführen allerbreitesten Zuspruch aus dem Publikum.

Und die Wähler müssten doch einsehen, dass seine Partei genau das große inhaltliche Vakuum füllen könne, das eine nach links gerückte Union und die rechtsradikale AfD gelassen hätten. Alfa sei die einzige bürgerliche Alternative. Vor allem für Unionswähler, die Merkel einen Denkzettel geben wollten, die AfD aber nie wählen würden, sei Alfa die ideale Wahl. Für frühere FDP-Wähler gelte das genauso. Wenn Lucke das sagt, klingt er wie der Wissenschaftler, der nicht nachvollziehen kann, warum seine Studenten die von ihm sauber abgeleiteten Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge nicht nachvollziehen.

Lucke leiste ein unglaubliches Pensum in seiner Dreifachfunktion als Parteichef, Parlamentarier und Wahlkämpfer, lobt Henkel. Syed Kamall, der britische Konservativen-Fraktionschef, attestiert dem Alfa-Chef nicht nur ein hohes Arbeitsethos, sondern auch eine ungewöhnlich rasche Auffassungsgabe. Der deutsche Fraktionskollege sei im Parlament eine „extrem steile Lernkurve“ hinuntergerutscht. Nüchtern fügt der Brite hinzu, dass das wohl wenig nütze: „Das ist Politik. Und Politik hat nichts mit Einsatz oder Verdiensten zu tun, sondern mit dem Willen der Wähler.“ Die zu überzeugen ist nicht so einfach. Henkel und Starbatty produzieren seit einiger Zeit unter dem Titel „Die Zwei aus Brüssel“ kurze Videoclips, die irgendwo im Parlaments-Gewusel aufgenommen sind. Die beiden lästern darin wahlweise über die Kanzlerin, EZB-Präsident Mario Draghi, Kommissionschef Jean-Claude Juncker oder Parlamentspräsident Martin Schulz. Es fällt schwer, dabei nicht an Waldorf und Statler zu denken, die beiden Senioren aus der Muppet-Show. So ätzend und meist amüsant ihre Kritik ist, die beiden Professoren wirken da sehr wie Zaungäste des europäischen Betriebs.

In Brüssel und Straßburg eingerichtet haben sie sich allemal. Den rüstigen Mittsiebzigern Henkel und Starbatty, denen früher nachgesagt wurde, sie wollten nicht die ganze Legislaturperiode im Parlament bleiben, bleibt nun nichts anderes übrig. Sie dürfen das Feld nicht räumen, weil auf den Nachrückerplätzen nur AfD-Politiker warten: der „Parteiphilosoph“ Marc Jongen, der frühere ARD-Journalist Armin-Paul Hampel und der Parteivorsitzende Jörg Meuthen. Rückten sie nach, wäre es mit der Alfa-Herrlichkeit im Parlament schnell vorbei. Ähnliche Fliehkräfte hat Lucke schon am eigenen Leib verspürt. Friedrich Hilse, sein bisheriger Referent im Parlament, ist Ende Januar aus Luckes Diensten ausgeschieden - und hat in von Storchs Büro in Berlin angeheuert.

Anfangs hieß es im Artikel, Hilse habe in der AfD-Zentrale in Berlin angeheuert. Genauer ist allerdings: im Büro von Beatrix von Storch. Das haben wir geändert.

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