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Leiter des Euro-Krisenfonds : „Der Begriff Transferunion ist schlichtweg falsch“

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„Es gibt Risiken für Griechenland – aber keinen Plan B”: Klaus Regling Bild: dpa

Klaus Regling ist Chef des Euro-Krisenfonds, der sich offiziell „Europäische Finanzstabilitätsfazilität“ nennt. Regling ist überzeugt, dass Irland und Portugal die letzten Länder sind, denen er helfen muss. Im Interview erklärt er, warum er nicht glaubt, dass Spanien sein nächster Kunde wird.

          Herr Regling, im September 2010 war Ihr zentrales Szenario noch, dass die EFSF nicht zum Einsatz kommen werde. Das hat sich als falsch herausgestellt. Was ist nach den Hilfsanträgen von Irland und Portugal Ihr zentrales Szenario? Wer ist Ihr nächster Kunde?

          Aus heutiger Sicht gibt es keinen nächsten Kunden, da sich die Lage heute viel besser darstellt als noch vor einem halben Jahr.

          Inwiefern?

          Vor sechs Monaten hat die Mehrzahl der Marktteilnehmer in New York noch geglaubt, der Euro würde in den nächsten drei Jahren verschwinden. Das hat sich vollständig geändert. Die Märkte haben einen Lernprozess durchlaufen und differenzieren – zwischen drei kleinen Ländern, die weiter Probleme haben, und dem Rest des Euroraums.

          Warum sollte das so bleiben?

          Ansteckungsgefahren sind immer dann groß, wenn die Märkte überrascht werden. Die Zahlungseinstellungen Russlands im August 1998 waren eine solche Überraschung, die Ansteckung daher extrem hoch. Die Anleger haben sämtliche Titel aus den Emerging Markets abgestoßen, von Indonesien bis Brasilien. Die Märkte konnten die Zahlungseinstellungen nicht einordnen, weil sie nicht vorbereitet waren. Als Argentinien dann 2001 seine Zahlungen stoppte, gab es keinerlei Ansteckung, weil sich alle Beteiligten anderthalb Jahre darauf vorbereiten konnten.

          Und das soll jetzt auch so sein?

          Als vor einem Jahr die Griechenland-Misere begann, war es wie im August 1998: Die Märkte wurden überrascht, deshalb wurden sie nervös. Andere Staaten wurden angesteckt. Jetzt, ein Jahr später, haben die Investoren dazugelernt. Sie kennen die Unterschiede zwischen Spanien einerseits sowie Portugal, Griechenland und Irland andererseits. Deshalb ist die Ansteckungsgefahr heute sehr viel geringer. Die Probleme sind damit nicht beseitigt. Sie konzentrieren sich jedoch auf diese drei Länder und nicht auf den Euro als Ganzes. Das kann sich wieder ändern, wenn ein Land Politikfehler macht.

          Glauben Sie wirklich, dass der portugiesische Hilfsantrag keine Auswirkungen auf Spanien hat?

          Spanien ist nicht mehr im Fokus der Märkte. Die spanischen Zinsen haben nicht negativ reagiert auf den portugiesischen Hilfsantrag, im Gegenteil: Die Risikoaufschläge für zehnjährige spanische Staatsanleihen sind seit Januar um 200 Basispunkte gefallen, während sie in Portugal und Irland weiter gestiegen sind.

          Sie müssen kraft Amtes optimistisch sein, um die Märkte nicht zu beunruhigen. Besteht nicht die Gefahr, dass Sie unglaubwürdig werden, wenn Ihnen immer wieder frühere Aussagen vorgehalten werden, die sich als zu optimistisch herausgestellt haben?

          Als die EFSF im vergangenen Sommer gegründet wurde, war die Annahme richtig, dass es nicht zu einer schnellen Aktivierung kommen würde. Niemand beschließt Hilfsinstrumente in der Hoffnung, dass sie rasch zum Einsatz kommen. Die Chance war da, den Rettungsschirm nicht zu nutzen. Denken Sie an Spanien: Jeder hat damals gesagt, das Land würde erster „Kunde“ der EFSF werden. Das hat sich nicht bewahrheitet.

          Wenn es bei den drei Ländern bleibt, die Hilfe brauchen: Ist die beschlossene Ausweitung des EFSF-Kreditvolumens überhaupt nötig?

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