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OECD-Bericht : Höhere Lebensqualität in Deutschland

In Deutschland lässt es sich gut leben. Auch die Wasserqualität ist laut OECD im internationalen Vergleich besonders hoch. Bild: dpa

Den Deutschen geht es im Vergleich der Industrieländer gut. Beim Vermögen hinken sie jedoch hinterher, zeigt eine OECD-Studie. Regional gibt es große Unterschiede.

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          Dank der guten wirtschaftlichen Entwicklung in den vergangenen Jahren ist die Lebensqualität in Deutschland gestiegen. Sie liegt deutlich über dem Durchschnitt der Industriestaaten. Das ist eines der Ergebnisse einer umfassenden Untersuchung der OECD, die am Mittwoch veröffentlicht wurde. „Deutschland hat sich seit 2009 in fast allen Bereichen des materiellen Wohlstands verbessert“, heißt es in dem Bericht. Einkommen, Vermögen und Beschäftigung seien gestiegen, die Wahrscheinlichkeit arbeitslos zu werden oder auf gesundheitliche Versorgung verzichten zu müssen, habe dagegen abgenommen.

          Johannes Pennekamp
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

          Alle zwei Jahre veröffentlicht die OECD, der 34 Industriestaaten angehören, einen Bericht über die Lebensbedingungen. Da eine Gegenüberstellung der Wirtschaftsleistung zu kurz greife, wenn man die Lebensqualität umfassend vergleichen wolle, wertet die OECD elf Indikatoren aus. Neben dem Einkommen und dem Arbeitsmarkt wird auch nach dem subjektiven Wohlbefinden gefragt, nach der Sicherheit, dem Gesundheitszustand, der Wasser- und Luftqualität sowie der Wohnsituation. Zwar steht Deutschland in den meisten der Kategorien besser da als der Durchschnitt, doch es lohnt sich genauer hinzusehen: So gehört Deutschland bei den Haushaltseinkommen nach OECD-Angaben international zum Spitzenfeld, doch die kaufkraftbereinigten Haushaltsvermögen sind im Schnitt geringer als im OECD-Durchschnitt. Mit knapp 200.000 Dollar (175.000 Euro, inklusive Besitztümer) mache das durchschnittliche Netto-Haushaltsvermögen nicht einmal ein Drittel des vergleichbaren Vermögens in Luxemburg aus, es sei nur knapp halb so groß wie das in den Vereinigten Staaten. Auch Spanien und Frankreich liegen demnach vor Deutschland. Das kann unter anderem daran liegen, dass die Deutschen ihr Geld nicht so gut anlegen wie anderswo. Zudem besitzen in Deutschland vergleichsweise wenige Menschen eine eigene Immobilie.

          Deutschland hat eine überragende Wasserqualität. Lesen und rechnen klappt dagegen nicht unbedingt besser als in anderen Ländern.
          Deutschland hat eine überragende Wasserqualität. Lesen und rechnen klappt dagegen nicht unbedingt besser als in anderen Ländern. : Bild: F.A.Z.

          Auch bei vielen weicheren Faktoren wie der Wasserqualität und der subjektiven Zufriedenheit schneidet Deutschland überdurchschnittlich ab. Ein gemischtes Bild ergibt sich im Bereich Bildung. Zwar können 86 Prozent der Erwerbsbevölkerung mindestens einen höheren Sekundarabschluss vorweisen (OECD-Schnitt 77 Prozent). Doch lesen und rechnen können die Erwachsenen hierzulande im Schnitt trotzdem nicht besser als in den anderen Ländern.

          Die Lebenserwartung Neugeborener hat in Deutschland seit 2009 laut OECD um vier Monate auf rund 80 Jahre zugelegt, was etwa dem OECD-Schnitt entspricht. Dennoch schätzen die Deutschen ihren eigenen Gesundheitszustand schlechter ein als die Menschen in den meisten Industrieländern. Da den Deutschen ihr Gesundheitszustand zugleich verglichen mit anderen Kriterien besonders wichtig ist, drückt dieser als schlecht wahrgenommene Gesundheitszustand auf die Lebensqualität. Mit mehr als 83 Jahren ist die Lebenserwartung in Japan am höchsten, in der Türkei und Estland beträgt sie nur etwa 77 Jahre, sie ist dort aber zuletzt deutlich gestiegen.

          Auch innerhalb einzelner Länder können sich die Lebensbedingungen deutlich unterscheiden. In Deutschland sind die Differenzen etwas geringer als in Frankreich oder Großbritannien, schreiben die Autoren. Allerdings seien die verfügbaren Haushaltseinkommen in Bayern um den Faktor 1,3 höher als in Mecklenburg-Vorpommern. Eine große Kluft gibt es zudem bei der Arbeitslosenquote zwischen Bayern (2,9 Prozent) und Berlin (9,8 Prozent). Im Bereich Bildung sind demnach die Sachsen am besten, die Luft sei hierzulande in Mecklenburg-Vorpommern am saubersten, die Versorgung mit Breitbandinternet in Bremen am besten.

          In Deutschland gehen die meisten Jugendliche zur Schule, machen eine Ausbildung oder haben bereits einen Job.
          In Deutschland gehen die meisten Jugendliche zur Schule, machen eine Ausbildung oder haben bereits einen Job. : Bild: F.A.Z.

          Besonderes Augenmerk widmet die OECD den Kindern und Jugendlichen. „Kindern zu einem guten Start ins Leben zu verhelfen ist wichtig für ihr gegenwärtiges und zukünftiges Leben“, heißt es in dem Bericht. Die materiellen Lebensbedingungen der Kinder sind hierzulande ebenfalls besser als im Durchschnitt. Allerdings zeigt die Auswertung auch, dass die Kinder ihre Lebenszufriedenheit schlechter beurteilen als die jungen Menschen in den meisten anderen Ländern. Ein Grund dafür könnten Lärm- und Abgasbelästigung sein, an der sich Kinder hierzulande nach OECD-Angaben häufiger stören als anderswo.

          Nicht nur in Deutschland zeigt sich einmal mehr, dass es Kinder aus sozial schwachen Familien deutlich schwerer haben als Kinder aus wohlhabenderen Haushalten. Kinder mit ärmerer Herkunft fühlen sich häufiger krank und in der Schule nicht so wohl. Gerade in Deutschland werden diese Kinder offenbar auch häufiger zu Mobbingopfern. 8,4 Prozent der Schulkinder von elf bis fünfzehn Jahren mit hohem sozio-ökonomischen Status gaben an, in den vergangenen zwei Monaten mindestens zwei Mal gemobbt, also beleidigt oder ausgegrenzt worden zu sein. Bei den Kindern mit geringem sozio-ökonomischen Status waren es fast 14 Prozent.

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