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Langfristiges Finanzierungsgeschäft : EZB verteidigt die „Dicke Bertha“

  • -Aktualisiert am

Die EZB bot Banken Geld zum Leitzins - und verteidigt dies nun gegen Kritiker Bild: dpa

Im Dezember und Februar bot die EZB den Banken Geld für drei Jahre zum Leitzins an. Die Banken verschafften sich dabei rund 1000 Milliarden Euro. Nun verteidigt die Zentralbank die „Dicke Bertha“.

          Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre langfristigen Finanzierungsgeschäfte mit der ungewöhnlich langen Laufzeit von drei Jahren verteidigt. Sie seien notwendig gewesen, um angesichts gestörter Kreditmärkte die Wirkung der Geldpolitik und damit Preisniveaustabilität sicherzustellen, heißt es im jüngsten Monatsbericht der EZB. Durch die verbesserten Finanzierungsbedingungen der Banken sei ein ungeordneter Verkauf von Vermögenswerten durch die Banken vermieden worden.

          Im Dezember und Februar hat die EZB den Banken Geld für drei Jahre zum Leitzins angeboten. Die Banken verschafften sich dabei rund 1000 Milliarden Euro. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bezeichnete EZB-Präsident Mario Draghi diese Tender scherzhaft und in Anlehnung an eine historische großkalibrige Kanone als „Dicke Bertha“.

          Die Geldschwemme hat zwar die Märkte beruhigt; nicht nur die Risikoprämien für Banken sind deutlich gesunken, sondern auch für finanzschwache Euroländer. Zugleich wächst jedoch auch die Kritik an der lockeren Geldpolitik. Nach Daten der EZB haben sich einzelne Großbanken über die Langfristtender so viel Geld geliehen, dass diese Verbindlichkeiten mehr als 20 Prozent ihrer Bilanzssumme entsprechen. Die EZB hält den Kritikern entgegen, sie habe alle notwendigen Instrumente, damit ihre Geldpolitik zu Preisstabilität führe.

          Zudem werde durch Wertabschläge bei der Beleihung von Sicherheiten das Risiko gering gehalten, heißt es im Monatsbericht. Trotz der Ausweitung der Bilanzsumme auf mehr als 3000 Milliarden Euro sei die Verfassung des Eurosystems gut. Allerdings räumt die EZB im Monatsbericht ein, dass die Inflationsrate 2012 zum zweiten Mal in Folge über dem Zielwert von knapp 2 Prozent bleiben wird. Im Februar stieg die Teuerungsrate von 2,6 auf 2,7 Prozent, nachdem EZB-Präsident Mario Draghi im vergangenen Jahr noch einen raschen Rückgang in Aussicht gestellt hatte.

          „Ich sehe keinen Bedarf für weitere aktuelle Stützungsmaßnahmen“

          Nach Darstellung der EZB wirkt der Anstieg der indirekten Steuern, die in einigen Ländern angesichts hoher Staatsdefizite erhöht worden sind, inflationstreibend. Im Durchschnitt des Euroraums betrug der Effekt zuletzt etwa 0,25 Prozentpunkte. Besonders groß ist er in Griechenland, wo das Preisniveau allein durch die Erhöhung der indirekten Steuern im vergangenen Jahr um 2 und im Jahr 2010 um mehr als 3 Prozent gestiegen ist.

          Einige Notenbanker sandten am Donnerstag widersprüchliche Signale zur weiteren Geldpolitik. Die finnische Notenbank hat eine weitere Senkung des rekordniedrigen Leitzinses nicht ausgeschlossen. Es täusche die Einschätzung, dass es beim Leitzins von einem Prozent keinen Spielraum gebe, hieß es in einem am Donnerstag vorgestellten Bericht der Zentralbank in Helsinki, den Zentralbankpräsident Erkki Liikanen vorstellte. Er forderte die Regierungen der Euroländer auf, die jüngste Atempause in der Krise zu nutzen, um ihre Volkswirtschaften wieder in Ordnung zu bringen. Österreichs Notenbankgouverneur Ewald Nowotny sagte dagegen: „Ich sehe keinen Bedarf für weitere aktuelle Stützungsmaßnahmen.“

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