https://www.faz.net/-gqe-78q5m

Kritiker der Euro-Rettung : Hans-Werner Sinn distanziert sich von Anti-Euro-Partei

  • Aktualisiert am

Hans Werner Sinn, Präsident des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung Bild: dpa

Hans-Werner Sinn ist bisher als Kritiker der Euro-Rettungsaktionen aufgefallen. Der Anti-Euro-Partei „Alternative für Deutschland“ will er sich aber nicht anschließen. Die hofft derweil auf einen zweistelligen Stimmenanteil bei der Bundestagswahl.

          Der Münchner Ökonom und Präsident des Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, hat sich von der Anti-Euro-Partei „Alternative für Deutschland“ distanziert. Sinn sagte der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“: „Bernd Lucke und viele seiner Mitstreiter sind anerkannte Ökonomen, die wissen wovon sie reden. Trotzdem gehöre ich der Partei nicht an und gebe dem Euro noch mehr Chancen, als die Kollegen es tun.“

          Sinn sagte der F.A.S. weiter: „Ich glaube, dass es sich lohnt, den Euro als solchen zu verteidigen. Ich halte es aber für einen großen Fehler, die schwachen Länder Südeuropas auf Biegen und Brechen im Euro zu halten.“ Damit helfe man diesen Ländern nicht, und man verringere die Überlebenswahrscheinlichkeit des Euro.

          Konkret schlug Sinn vor, allen voran sollten Zypern und Griechenland aus dem Euro austreten: „Ich bin für temporäre Austritte der schwachen Länder“, sagte er in dem Interview, das in voller Länge in der F.A.S. erscheint. Durch eine anschließende Abwertung würden diese Länder wieder wettbewerbsfähig und könnten später zu einem neuen Wechselkurs, also zu kleineren Preisen und Löhnen, wieder in den Euro zurück.

          AfD-Sprecher Lucke: Zweistelliges Ergebnis möglich

          „Wenn Zypern heute aus dem Euro austreten würde, hätte das keine dramatischen Folgen“, sagte Sinn weiter. „Die Kapitalflucht, die für einen solchen Fall an die Wand gemalt wird, haben wir dort ja schließlich schon hinter uns.“ Die Kapitalverkehrskontrollen und die Begrenzung der Entnahme von den Konten verhinderten eine Fortsetzung der Fluch: „Sobald Zypern ausgetreten ist, kann man alle Kontrollen aufheben.“

          AfD-Sprecher Bernd Lucke sieht derweil gute Chancen für seine Partei, in den Bundestag einzuziehen. „Angesichts der enormen Welle an Zustimmung, die wir zurzeit kriegen, halte ich es für möglich, dass wir bis in den zweistelligen Bereich kommen können“, sagte er dem „Tagesspiegel“ vom Samstag. Das jüngste ZDF-„Politbarometer“ sieht die AfD allerdings nur bei 3 Prozent und damit deutlich unter der Fünf-Prozent-Hürde für den Bundestag.

          Über mögliche Koalitionspartner sagte Lucke, die AfD werde mit keiner Partei ein Bündnis eingehen, die die bisherige Euro-Rettungspolitik fortsetze. „Aber es wäre ja nicht das erste Mal, dass CDU und FDP ihre Haltung innerhalb von Tagen um 180 Grad drehen.“ Sollte die AfD den anderen Parteien viele Wählerstimmen abjagen, würden die Altparteien sich schon aus strategischen Überlegungen den Positionen der AfD annähern.

          Weitere Themen

          Als die Grenze fiel Video-Seite öffnen

          August 1989 : Als die Grenze fiel

          Die Welt hat lange stillgestanden an der ungarisch-österreichischen Grenze. Bis zum 19. August 1989. Dann, vor 30 Jahren, platzte zwischen Fertörákos und Mörbisch eine Nahtstelle des Eisernen Vorhangs – mit weitreichenden Folgen für die Region und ganz Europa.

          Weniger düngen dürfen

          Güllebremse für Landwirte : Weniger düngen dürfen

          Verschmutzen Landwirte das Grundwasser, weil sie zu viel düngen? Die EU-Kommission verlangt jedenfalls eine Verschärfung der Regeln. Agrarministerin Klöckner will deshalb die Dünge-Pause verlängern.

          Topmeldungen

          Miet- und Kaufpreise in Europa : Schlimmer geht immer

          Deutschland ächzt unter hohen Mieten und teuren Immobilien. Doch anderswo in Europa ist die Lage weitaus dramatischer – kein gutes Zeichen.

          Ich und das Klima : Du sollst verzichten

          Die Deutschen müssen ihr Leben ändern, sagen die einen. Was die Deutschen machen, ist der Welt egal, behaupten die anderen. Was kann der Einzelne wirklich bewirken?

          Umstrittener Backstop : Was will Boris Johnson?

          In einem Brief an EU-Ratspräsident Donald Tusk kritisiert der britische Premierminister die „Backstop“-Regelung zur irischen Grenze und schlägt „alternative Vereinbarungen“ vor. Er stößt jedoch auf wenig Gegenliebe.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.