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Krisen-Profiteur Deutschland? : Milchmädchenrechnung

Deutschland hat von der Euro-Rettung insgesamt nicht profitiert. Die Ersparnis des Staates ist doch nur der Verlust der Sparer.

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          Ist das „Retten“ überschuldeter Staaten in der Euro-Krise für Deutschland ein gutes Geschäft? Diese Behauptung hört man von Politikern meist linker Provenienz oder vorwurfsvoll aus dem Ausland. Nun gibt eine Kurzstudie des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) (hier das Original, auf Englisch) der These neue Nahrung.

          Im Zentrum stehen die stark gesunkenen Zinsen, die der deutsche Staat für seine Schulden zahlen muss. Weil Deutschland im Vergleich zu den Krisenländern als sicherer Hafen gilt, floss Kapital hierher, die Zinsen sanken – Finanzminister Schäuble konnte seinen Haushalt ausgleichen.

          Das IWH errechnet in einem fiktiven Szenario ohne Griechenland- und Euro-Schuldenkrise eine um 100 Milliarden Euro höhere staatliche Zinsbelastung. Die Griechen-Krise habe dem deutschen Fiskus somit 100 Milliarden Euro Ersparnis gebracht, folgert das Institut. Es verkürzte die Botschaft so weit, dass Deutschland insgesamt finanziell stark profitiert habe – selbst wenn alle Hilfskredite für Athen verloren wären.

          Was für eine verdrehte Interpretation! Die Ersparnis des Fiskus ist der Verlust der Sparer, die kaum noch Erträge bekommen. Insgesamt hat Deutschland als Sparernation von den Niedrigzinsen keinen Gewinn.

          Philip Plickert
          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

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