https://www.faz.net/-gqe-bim

Kreditwürdigkeit : Jetzt auch Portugal auf „Ramsch-Niveau'“

  • Aktualisiert am

Die Ratingagenturen nehmen Portugal kritisch unter die Lupe Bild: dpa

Die Ratingagentur Moody's sieht die Kreditwürdigkeit Portugals stark gefährdet und stuft langfristige Staatsanleihen deutlich herab. Die Analysten sehen das vor einem weiteren Rettungspaket. Die portugiesische Regierung widerspricht.

          2 Min.

          Die Ratingagentur Moody's hat die Bonitätsnote von Portugal am späten Dienstag um gleich vier Stufen auf „Ramsch“ herabgestuft. Der Ausblick für das Rating ist negativ, was weitere Herabstufungen in nächster Zeit möglich macht. Zur Begründung erklärten die Analysten, dass Portugal womöglich Griechenlands folgen und eine zweite Rettungsaktion benötigen könnte. Die Risikoaufschläge portugiesischer Staatsanleihen stiegen am Mittwoch im frühen Handel deutlich an.

          Moody's senkte die Kreditwürdigkeit des Landes von zuvor „Baa1“ auf nun „Ba2“. Die neue Note liegt zwei Stufen unter der Schwelle zur Güteklasse Investment-Grade. Die Herabstufung sei zum Teil auf „das wachsende Risiko zurückzuführen, dass Portugal eine zweite Finanzierungsrunde benötigen wird, bevor das Land wieder an den privaten Markt zurückkehren“ könne, hieß es in der Stellungnahme von Moody's. Zudem werde es immer wahrscheinlicher, dass die Beteiligung privater Investoren als Vorbedingung verlangt werden könnte. Die Analysten verwiesen dabei auf den neuen Rettungsplan für Griechenland, der ähnliches vorsieht. Ein weiterer Grund für die Herabstufung bestand Moody's zufolge darin, dass es Portugal unter Umständen nicht gelingen könnte, seine Defizitziele zu erreichen.

          Portugals Regierung verweist auf Konsens im Land

          Portugal ist - nach Griechenland - das zweite Land im Euroraum, das von Moody's mit einer Bonitätsnote unterhalb der Güteklasse Investment-Grade eingestuft wurde. Erst im Mai hatte das Land ein Rettungspakt über 78 Milliarden Euro von der Europäischen Union (EU) und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) erhalten, um seine Finanzen wieder in Ordnung zu bringen.

          Bild: dpa

          In einer Reaktion auf die Herabstufung erklärte die portugiesische Regierung in der Nacht zum Mittwoch, dass Moody's die Wirkungen der in der vergangenen Woche angekündigten außerordentlichen Einkommenssteuer ignoriert habe (siehe ). Zudem bestehe ein „breiter politischer Konsens“ für die Umsetzung der Maßnahmen, die mit der EU, der Europäischen Zentralbank und dem IWF vereinbart worden seien, hieß es in einer Stellungnahme des portugiesischen Finanzministeriums.

          Auch die Bundesregierung hat die Abwertung für Portugal und daraus folgende Mutmaßungen über ein zweites Hilfspaket für das Land scharf kritisiert. Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen sagte am Mittwoch: „Ich würde ganz klar sagen: es ist sehr voreilig, darüber überhaupt schon zu spekulieren.“ Das portugiesische Programm stehe schließlich erst am Anfang. Zudem gebe es eine neue Regierung, die sich klar zu Anpassungen verpflichtet habe. „Ich würde dringend raten, dass man der neuen Regierung Zeit gibt, das was sie zugesagt hat, auch umzusetzen“, sagte Asmussen. „Wir sind zuversichtlich, dass die neue Regierung den Willen hat und auch die Möglichkeiten, dieses erste Programm umzusetzen und Portugal wieder auf einen klaren Wachstumspfad zu bringen“.

          Der Terminkontrakt Bund-Future notierte 58 Basispunkte höher bei 126,19 Prozent. Die Rendite der zehnjährigen portugiesischen Staatsanleihen kletterte am Vormittag um 76 Basispunkte auf 11,78 Prozent. Die Risikoprämie gegenüber Bundesanleihen stieg auf 884 Basispunkte. Bei den zweijährigen Papieren stieg die Rendite um 177 Basispunkte auf 14,71 Prozent. Kreditausfall-Swaps auf Portugal-Anleihen verteuerten sich um 79 Basispunkte auf 850 Basispunkte, zeigten Preise von CMA. Portugal will heute über die Auktion von Schatzwechseln mit Laufzeit bis Oktober eine Milliarde Euro beschaffen.

          S&P-Chef verteidigt sein Vorgehen

          In der Diskussion um die Macht der Ratingagenturen hat der Deutschlandchef von Standard & Poor's, Torsten Hinrichs, seine Branche verteidigt (siehe ). „Wir stufen Länder nicht immer herab, wenn sie Geld einsammeln müssen, sondern wir haben eine kontinuierliche und andauernde Überwachung aller Schuldner an den Märkten“, sagte er am Mittwoch im ARD-Morgenmagazin“. Die Bewertung von Ländern und anderer Kapitalmarktteilnehmer sei „absolut wichtig“ für Investoren. „Nur so ist gewährleistet, dass die Investoren sich ein breites Bild machen können über die Qualitäten an den Kapitalmärkten und eine Wahl treffen können, in welche Papiere sie investieren wollen.“

          Weitere Themen

          Spanien steht besser da

          Zweite Coronawelle : Spanien steht besser da

          Die Iberische Halbinsel kämpft gegen die zweite Welle der Corona-Pandemie. Frühere Fehler will die spanische Regierung dabei vermeiden. Das Infektionsgeschehen scheint vorerst unter Kontrolle.

          Mainzer Goldgrube im Kampf gegen die Pandemie Video-Seite öffnen

          Globaler Hoffnungsträger : Mainzer Goldgrube im Kampf gegen die Pandemie

          Voriges Jahr war die Mainzer Biotechnologiefirma Biontech noch weithin unbekannt, nun hat sie sich zum globalen Hoffnungsträger im Kampf gegen die Corona-Pandemie gemausert. Zusammen mit dem amerikanischen Pharmariesen Pfizer entwickelte Biontech einen nach eigenen Angaben zu mehr als 90 Prozent wirksamen Impfstoff gegen das Virus.

          Die lieben Kleinen

          Scherbaums Börse : Die lieben Kleinen

          Anleger, die im Börsenjahr 2021 auch abseits der bekannten Konzerne investieren wollen, sollten auf diverse Small Caps einen Blick werfen. Die Nebenwerte könnten bald eine Hauptrolle spielen.

          Topmeldungen

          Langer Winter: Zwei Polizisten am Mittwoch auf dem Roten Platz in Moskau

          Repressionen in Russland : In der Krise wächst die Paranoia

          Corona, eine schwache Wirtschaft und Proteste: Wladimir Putins Machtapparat sieht sich in Russland vielen Krisen ausgesetzt. Und erhöht deswegen den Druck auf Opposition und Zivilgesellschaft.
          Maye Musk ist die Mutter des Unternehmers Elon Musk. Am Donnerstag erscheint ihre Autobiographie „Eine Frau, ein Plan“.

          Maye Musk : „In unserer Familie nimmt niemand frei“

          Wer Elon Musk verstehen möchte, muss seine Mutter Maye kennen lernen. Im Interview spricht sie über Abenteuertouren in der Wüste, ihre Modelkarriere mit 70 und wie sie einst aus Armut auf Dates verzichtete.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.