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Kreditwürdigkeit : Fitch droht Deutscher Bank mit schlechterem Rating

  • Aktualisiert am

Frankfurts Bankentürme in der Nacht: Der Deutschen Bank droht die Herabstufung Bild: Irl, Maria

Banken unter Druck: Eine Ratingagentur droht großen Instituten, die Bonitätsnote zu senken – auch der Deutschen Bank. Eurogruppenchef Juncker will Banken zur Not zwingen, Zahlungsausfälle hinzunehmen.

          Der Deutschen Bank und sieben weiteren Großbanken in Europa und Amerika droht eine baldige Herabstufung ihrer Bonitätsnote durch die Ratingagentur Fitch. Am Donnerstag hat Fitch schon die Bonität von vier Banken, darunter der Landesbank Berlin und der Schweizer Großbank UBS, niedriger gesetzt. Neben der Deutschen Bank sind die britische Barclays Bank, die französischen Großbanken BNP Paribas und Société Générale, die Credit Suisse sowie die amerikanischen Banken Bank of America, Morgan Stanley und Goldman Sachs ins Visier von Fitch geraten. Die Deutsche Bank wird von Fitch bisher mit der vierthöchsten Note „AA-“ bewertet.

          Fitch reagiert auf Pläne von Politikern und der Bankenaufsicht, europäische Großbanken zu höheren Kapitalquoten zu zwingen. Damit sollen sie in die Lage versetzt werden, Verluste aus einer größeren Umschuldung Griechenlands zu überstehen. Der französische Finanzminister François Baroin sprach sich dafür aus, Banken schon bis zum Ende des ersten Quartals 2012 zu einer Kernkapitalquote von 9 Prozent zu zwingen.

          Fitch zweifelt daran, dass Banken wie die Deutsche Bank diese höheren Anforderungen ohne Kapitalerhöhung erfüllen können. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hatte am Vortag eine Kapitalerhöhung und Staatshilfe abgelehnt. Eher werde sich die Deutsche Bank auch von strategischem Geschäft trennen, um höhere Kapitalquoten zu erreichen (F.A.Z. vom 14. Oktober). Diesen Weg der Schrumpfung werden auch andere Banken gehen. Damit sinken die Ertragsaussichten der Banken, ihre Bonität und ihre Fähigkeit, mit einbehaltenen Gewinnen die Kernkapitalquoten zu stärken. Auch dürften die Banken weniger Anleihen der Gläubiger suchenden Staaten kaufen und weniger Unternehmenskredite ausreichen. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte indes auf dem Gewerkschaftstag der IG-Metall, Banken müssten abgewickelt werden können, ohne dass das ganze Finanzsystem ins Straucheln gerate und der Steuerzahler später dafür zahlen müsse. Bankenvertreter sagten darauf hinter vorgehaltener Hand, dann müssten Staaten und Unternehmen möglicherweise als Nebenwirkung der Verkleinerung des Bankensektors mit einer „Kreditklemme“ leben.

          In Paris begannen die Finanzminister der G-20-Staaten, über die Bewältigung der Staatsschuldenkrise in Europa zu beraten. Auch Schwellenländer zeigen sich zur Hilfe bereit. „Die Mittel des europäischen Rettungsfonds EFSF und des Internationalen Währungsfonds (IWF) reichen nicht aus, wenn die Ansteckung durch die Krise weiter um sich greift“, sagte der Finanzminister Südafrikas, Pravin Gordhan, in Paris. Die Finanzminister diskutierten verschiedene Modelle, wie sie über den IWF an einer Hilfsaktion für den Euroraum beteiligt werden können. Der stellvertretende Finanzminister Chinas, Zhu Guangyao, bestätigte, dass auch über eine Aufstockung der IWF-Mittel beraten werde. China wolle zur Stabilisierung Europas beitragen, „daher sind alle Optionen auf dem Tisch“. Frankreich ist bereit, sowohl über eine Erhöhung der IWF-Mittel zu sprechen als auch über einen Anschluss des IWF an die EFSF, damit die europäischen Mittel „maximiert werden“, hieß es im Finanzministerium. Finanzhilfen großer Schwellenländer für Europa über den IWF könnten über neue Kredite an den Fonds geschehen oder durch die Finanzierung einer Zweckgesellschaft des IWF. Offen ist der Grad der Unterstützung anderer IWF-Mitglieder. „Natürlich könnte man längerfristig auch an ein stärkeres Engagement von Überschussländern wie China im Euroraum denken“, sagt ein EU-Beamter. Derzeit werde eine solche Möglichkeit aber nicht ernsthaft diskutiert. Der amerikanische Finanzminister Timothy Geithner lehnte eine Aufstockung der IWF-Mittel ab. Der Fonds verfüge über Ressourcen, die noch nicht ausgeschöpft seien. Der Widerstand der Vereinigten Staaten, die der wichtigste Geldgeber des IWF sind, macht eine Aufstockung der Finanzmittel unwahrscheinlich.

          Josef Ackermann

          Gleichwohl soll der IWF bis zum G-20-Gipfeltreffen im November berichten, ob er die Möglichkeit erhalten soll, Liquiditätskredite über 3 bis 6 Monate auszugeben. Das Exekutivdirektorium des Fonds hat sich nach Informationen dieser Zeitung damit noch nicht befasst. Befürworter und Gegner trennt die Frage, ob solche Liquiditätskredite ein Land wirklich vor einer Ansteckung etwa durch die Euro-Krise schützen können. Akteure an den Finanzmärkten könnten solche Kredite auch als Signal nehmen, dass es um das Land sehr schlecht bestellt sei, und erst recht Kapital abziehen. Notenbanken sind über die Pläne besorgt, weil der Fonds damit als Konkurrent in der Versorgung mit monetärer Liquidität aufträte.

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