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Kreditkrise : Spanische Banken kommen kaum noch an Geld

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Bild: F.A.Z.

Das Misstrauen gegenüber den spanischen Banken wächst. Während die Verschuldung des Staates relativ gering ist, drohen den Banken riesige Abschreibungen. Sie gelten deshalb zunehmend als riskante Schuldner.

          Die Kreditkrise der spanischen Wirtschaft hat sich am Montag weiter verschärft. „Die internationalen Kreditmärkte sind für die meisten spanischen Banken und Unternehmen geschlossen“, sagte Francisco Gonzalez, Präsident der Großbank Banco Bilbao Vizcaya Argentaria (BBVA), in einer Rede. Wenn der spanische Staat Schwierigkeiten habe, seine Schulden im Ausland zu finanzieren, seien die Probleme für die spanischen Unternehmen sogar noch größer.

          „Das ist definitiv ein Problem“, bestätigte Finanz-Staatssekretär Carlos Ocana. „Um das Vertrauen wiederherzustellen, sind entschiedene und handfeste Maßnahmen erforderlich“, fügte er mit Blick auf Finanz- und Strukturreformen hinzu. Zugleich beteuerte Ocana, dass Spanien keine Inanspruchnahme des Rettungsfonds der Europäischen Union plane. Spanien hat in der vergangenen Woche noch erfolgreich eine Anleihe emittiert, muss allerdings bis Ende Juli rund 24 Milliarden Euro für fällige Anleihen und kurzlaufende Titel aufbringen. Seit Anfang Mai hat sich der Zinsaufschlag für langlaufende spanische im Vergleich zu deutschen Anleihen von einen auf zwei Prozentpunkte verdoppelt.

          Furcht vor korrelierten Risiken

          In den vergangenen Tagen hat sich zudem die Lage der spanischen Banken auf dem Geldmarkt verschärft. Nun seien besicherte Kredite, die sich die Banken untereinander für Laufzeiten von einigen Monaten bis einem Jahr geben, in den Fokus gerückt, berichteten Händler. Spanische Banken erhielten gegen die Einreichung von Krediten und anderen Sicherheiten, die zum Beispiel aus Deutschland oder Frankreich stammten, weiterhin Kredit. Auch spanische Sicherheiten würden auf dem Markt akzeptiert, allerdings nur, wenn sie von nichtspanischen Banken beliehen würden. Wenn jedoch spanische Banken, spanische Kredite, die zum Beispiel an Bauherren vergeben worden waren, beleihen wollten, verweigerten die anderen Banken auf dem internationalen Markt derzeit das Risiko, berichtete ein Händler. Es wachse die Furcht vor korrelierten Risiken. Damit ist die Sorge verbunden, dass Staat, Banken und Unternehmen eines Landes gleichzeitig in die Zahlungsunfähigkeit gehen könnten.

          Unfertig: Immobilie im spanischen Alicante

          Das Misstrauen auf dem Geldmarkt richte sich noch nicht gegen die spanischen Großbanken wie Santander oder BBVA. Für kleinere und mittlere Banken würden jedoch immer häufiger Kreditlinien nicht mehr verlängert, berichtete ein Analyst. Bestehende Kreditlinien würden gekürzt oder gekündigt, wenn dies die Verträge zuließen.

          Wöchentlicher Gang zur EZB

          Auch auf dem Anleihemarkt schlägt den spanischen Banken Misstrauen entgegen. Dort hat im April zum letzten Mal eine Caja, wie die spanischen Sparkassen genannt werden, eine mit Immobilienkrediten besicherte Anleihe begeben. Damals begnügten sich die Käufer bei einer Laufzeit von drei Jahren mit einem Zinsaufschlag von rund 1,25 Prozentpunkten gegenüber Bundesanleihen. Inzwischen sind die Kurse der gleichen Anleihe so stark gesunken, dass sich für den Käufer ein erhoffter Renditeaufschlag von 2,85 Prozentpunkten ergibt, sofern sich überhaupt ein Interessent findet. Die Preis- und Renditedaten seien mit Vorsicht zu werten, heißt es im Handel, denn der Umsatz mit spanischen Bankenanleihen sei gering.

          Für spanische Banken, die auf dem freien Markt keinen Kredit erhalten, bietet sich der wöchentliche Gang zur EZB an. Seit Beginn der Finanzkrise verleiht sie so viel Geld, wie die Banken nachfragen, und erfüllt alle Gebote zum Leitzins. Beim jüngsten Geschäft mit einer Woche Laufzeit haben sich Banken 122 Milliarden Euro für einen Jahreszins von 1 Prozent geliehen. Zugleich sind die Einlagen der Euro-Banken bei der EZB am Montag auf 384 Milliarden Euro gestiegen, ein neuer Rekordwert. Da diese Einlagen nur mit 0,25 Prozent verzinst sind, ist das ein Indiz für das Misstrauen auf dem Geldmarkt.

          Ausgleich gestört

          Auf einem funktionierenden Geldmarkt verleihen Banken, die gerade über mehr als genügend Liquidität verfügen, das Geld an andere Banken, die zu wenig davon haben. Sie geben möglichst wenig in die gering verzinste Einlage der EZB. Doch seit dem Beginn der Finanzkrise ist dieser Ausgleich gestört. Einige Banken mit schlechtem Ruf kommen nur noch bei der EZB an Geld, andere, die Geld verleihen könnten, nehmen lieber einen Zinsverlust in Kauf, ehe sie es den Wackelkandidaten auch nur für eine Nacht anvertrauen.

          Offenbar leiden nun die spanischen Banken verstärkt unter dieser Zurückhaltung. Nach Angaben der spanischen Notenbank haben die spanischen Banken im Mai von der EZB 85,6 Milliarden Euro geliehen. Das war ein Rekordwert, 26 Prozent mehr als im Vorjahr und 11 Milliarden Euro mehr als im April.

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