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Kreditausfallversicherungen : So spekuliert man gegen Griechenland

Bild: F.A.Z.

Spekulanten treiben Griechenland mit komplexen Finanzinstrumenten in den Ruin, heißt es. Ganz haltbar ist die These nicht. Ein kleiner Einblick in das Handwerkszeug der Spekulanten

          4 Min.

          Griechenland hatte sogar seinen Geheimdienst eingeschaltet, um herauszufinden, wer gegen das Land wettet. Blogs verbreiten Gerüchte über konspirative Treffen von Hedge-Fonds-Managern in Manhattan, die sich zusammenrotten, um mit vereinter Kapitalmacht das arme Land in den Bankrott zu treiben. Der amerikanische Chef der Fed, Ben Bernanke, will den Wall-Street-Adressen genau auf die Finger schauen. Und globale Verschwörungstheorien blühen wie nie.

          Winand von Petersdorff-Campen
          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Es kann keinen Zweifel mehr geben: Griechenland ist zum Gegenstand der Spekulation geworden. Besonders auffällig ist, dass die Kurse der Griechenland-Anleihen in den vergangenen Wochen stark schwanken, obwohl sich die Volkswirtschaft Griechenlands nicht fundamental verändert hat. Das ist ein ziemlich sicheres Indiz, dass nervöses Geld von Spekulanten die Märkte in Bewegung hält, sagt Christophe Frisch, Derivateexperte im Thalanx-Konzern.

          Keine Gegen- ohne Für-Spekulation

          Die wichtigste Masche der Investoren geht so: Sie wetten mit sogenannten Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps oder CDS) darauf, dass Griechenland seine Staatsschulden in Form von Anleihen nicht mehr bedienen kann. Oder kurz und knapp: Sie zocken auf den Staatsbankrott. Wer dahinter steckt, liegt im Nebel. Hedge-Fonds, große Investmentbanken spekulieren mit, die Deutsche Bank allerdings ist nicht dabei, sagt das Unternehmen. Das alles riecht nach Skandal.

          Bild: F.A.Z.

          Doch es passiert gleichzeitig ein kleines Wunder: Die Spekulanten gegen Griechenland finden ebenso viele Spekulanten für Griechenland. Das weiß man, weil es sonst keinen Handel gäbe.

          Das lenkt zu einer grundsätzlichen Frage: Wo kommen die ganzen Credit Default Swaps auf Griechenland eigentlich her, die jetzt so schwunghaft gehandelt werden? Im Prinzip gilt für Kreditversicherungen, was für Autos, Joghurts oder Handys gilt. Es gibt sie, weil man sie verkaufen kann. In der Praxis werden die Kreditversicherungen von großen Banken nach Standards des internationalen Derivateverbands konstruiert und verkauft: an Banken, große Unternehmen, Hedge-Fonds und andere große Anleger. Allerdings müssen die Verkäufer dieses standardisierten Versicherungsschutzes die Finanzkraft haben, im Versicherungsfall zahlen zu können. Deswegen kommen als Emittenten nur die großen Investmentbanken in Frage.

          Versicherung ohne Gegenstand

          Verkäufer von Griechenland-CDS haben im Prinzip folgendes Kalkül: Sie halten das Risiko, dass Griechenland zahlungsunfähig wird, wertmäßig für geringer als die Prämien, die sie beim CDS-Verkauf bekommen. Der CDS-Käufer sieht es gerade umgekehrt: Ihm ist der Versicherungsschutz des Kreditausfalls wertvoller als die Prämie. Es ist also wie immer auf Kapitalmärkten - unterschiedliche Einschätzungen über den Wert eines Produktes machen den Handel erst möglich.

          Viele CDS haben sich von Griechenland-Anleihen komplett losgelöst. Sie werden längst nicht nur gekauft von Investoren, die viele Griechenland-Anleihen im Portfolio haben, sondern auch von Käufern, die allgemeine Griechenland-Risiken abdecken wollen, weil sie viele Geschäfte mit dem Land machen.

          Und dann gibt es die puren Spekulanten. Das Volumen des CDS-Marktes hängt nicht von der Größe des Anleihemarktes ab, sondern nur davon, ob ein Investor, der Geld darauf wettet, dass Griechenland zahlungstreu bleibt, einen Partner findet, der dagegenhält.

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