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GfK-Index : Konsumklima heiter bis wolkig

  • Aktualisiert am

Kauflaune stabilisiert sich auf hohem Niveau Bild: dpa

Die Kauflaune der deutschen Verbraucher hat sich auf hohem Niveau stabilisiert. Die Gesellschaft für Konsumforschung geht weiterhin von einem „robusten Konsumwachstum“ aus. Doch der Aufwärtstrend verlangsamt sich.

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          Die Stimmung der Verbraucher in Deutschland hat sich im Sommer auf einem hohen Niveau stabilisiert. Wie die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) am Freitag in Nürnberg mitteilte, erhöhte sich der von ihr ermittelte Konsumklimaindex für August auf 8,7 Punkte. Den Juli-Wert revidierte die GfK von zunächst 8,4 auf 8,5 Punkte.

          „Die Stimmungsindikatoren deuten auf ein sehr robustes Konsumwachstum“, sagte GfK-Chef Klaus Wübbenhorst am Freitag der Finanz-Nachrichtenagentur DPA-AFX. Die Voraussetzungen für eine dauerhafte Belebung des privaten Konsums in Deutschland über das laufende Jahr hinaus seien so günstig wie seit langem nicht mehr. Für 2007 sei weiter ein Wachstum des privaten Konsums von einem Prozent zu erwarten.

          Aufwärtstrend etwas verlangsamt

          Ökonomen hatten im Durchschnitt mit 8,8 Punkten einen etwas höheren Wert für den GfK-Index erwartet. Der Aufwärtstrend habe sich etwas verlangsamt, hieß es. Steigende Zinsen, anhaltend hohe Energiepreise sowie ein erstarkender Euro erweckten bei den Verbrauchern den Eindruck, dass die gegenwärtige Dynamik der deutschen Wirtschaft etwas nachlassen könnte. Die weiterhin günstige Arbeitsmarktentwicklung kompensiere aber diese Risiken zum größten Teil.

          „Von einem Einbruch des Konsums im kommenden Jahr ist derzeit nicht auszugehen“, sagte Wübbenhorst. Die Konsumstimmung habe im Sommer nur eine Pause auf einem „sehr zufriedenstellenden“ Niveau eingelegt. Das sei angesichts der positiven Entwicklung der letzten Monate eine nachvollziehbare Konsolidierung. In den kommenden Monaten seien angesichts der relativ niedrigen Inflation, der sinkenden Arbeitslosigkeit und der im Vergleich zum Vorjahr gestiegenen Tarifabschlüsse eher weitere Verbesserungen des Konsumklimas zu erwarten.

          „Kurze Ruhephase“

          Das Niveau bei Konjunktur- und Einkommenserwartung bleibe nach wie vor „überaus erfreulich“, hieß es. Es sei nur von einer „kurzen Ruhephase“ auszugehen. Die Anschaffungsneigung blieb nach dem deutlichen Anstieg im Vormonat mit gut 13 Punkten praktisch unverändert. Die Konsumneigung habe sich somit deutlich über dem langjährigen Durchschnitt von Null Punkten stabilisiert. Die Konjunkturerwartungen signalisierten unterdessen eine leicht gebremste Euphorie. Sie gingen um gut vier Punkte auf 64,8 Punkte zurück. Das Niveau des Indikators sei aber nach wie vor gut.

          Trotz der leichten Eintrübung der Einkommensaussichten wurde laut GfK das gute Niveau auch im Juli fast gehalten. Die Erwartungen seien insgesamt beständig und stabil. Dafür sorge auch die günstige Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. Der Indikator der Einkommenserwartungen sank im Berichtszeitraum minimal um 0,8 Punkte auf 27,9 Punkte. Die GfK befragt im Auftrag der EU-Kommission monatlich rund 2000 Verbraucher.

          Unterschiedliche Einschätzungen der Analysten

          Die Bedeutung des aktuellen GfK-Index für die Zukunft schätzen Fachleute unterschiedlich ein: „Das geglättete Konsumklima steigt, weil der Trend weiter nach oben zeigt. Wahrscheinlich sind wir aber langsam am Gipfel angekommen“, sagte Matthias Rubisch, Analyst bei der Commerzbank. „Da könnten wir noch eine ganze Weile bleiben, weil der Arbeitsmarkt noch immer gut läuft und die Einkommen von dieser Seite gestützt werden. Entsprechend sei nicht mit einem deutlichen Rückgang beim Verbrauchervertrauen zu rechnen - aber auch kaum mit einem Anstieg. „Die allgemeine Konjunkturerwartungen gehen runter. Der Ifo-Index ist erneut gefallen, das lesen die Verbraucher auch in der Zeitung“, sagte er.

          Positiver sieht Jörg Lüschow von der WestLB die Lage: „Das Konsumklima hat sich erwartungsgemäß etwas aufgehellt. Das passt gut in das Bild, dass der private Konsum in der zweiten Jahreshälfte anziehen wird“, sagte er. Darauf deuteten die Besserung am Arbeitsmarkt und deutliche Lohnerhöhungen hin. Das Konsumklima dürfte sich deshalb seiner Ansicht nach weiter verbessern. „Wenn die Sorge um den Arbeitsplatz abnimmt, steigt rein psychologisch die Bereitschaft zu Anschaffungen. Auch materiell kommt der Aufschwung bei den Verbrauchern durch spürbar steigende Einkommen an.“

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