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Konjunkturbericht : Warum es 2014 mit der Wirtschaft bergauf geht

Kaufen, kaufen, kaufen: Der Konsum ist eine wichtige Stütze des Aufschwungs 2014 Bild: dpa

Die Kauffreude der Deutschen und die bessere Lage im Euroraum stärken die Konjunktur. Aus dem lauen Lüftchen soll endlich ein Aufwind werden. Ein Risiko geht allerdings von der neuen Bundesregierung aus.

          3 Min.

          Den Deutschen geht es am Ende des Jahres gut. Mit rund 42 Millionen Erwerbstätigen haben mehr Menschen im Land Arbeit als je zuvor, der Konsum brummt, und die Stimmung in der Wirtschaft ist blendend. Vor allem im Vergleich mit europäischen Nachbarn wie Frankreich, Italien oder Spanien gibt es keinen Grund zum Klagen. Doch war 2013 – und das trübt das positive Bild – aus konjunktureller Sicht eher ein Jahr der kleinen Schritte als ein Jahr der großen Sprünge. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im dritten Quartal um gerade einmal 0,3 Prozent zu, am Jahresende dürfte sich die Wirtschaftsleistung im Vergleich zum Vorjahr nur um knapp einen halben Prozentpunkt gesteigert haben. Vor allem die stockende Nachfrage aus dem europäischen Ausland und damit verbunden die geringe Investitionsfreude der Unternehmen führten zu dem zweiten Mini-Wachstum.

          Johannes Pennekamp

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

          Die gute Nachricht zum Jahreswechsel lautet: 2014 soll aus dem lauen konjunkturellen Lüftchen endlich der schon länger erhoffte Aufwind werden. Die führenden Konjunkturforscher prognostizieren in ihrem Herbstgutachten 1,8 Prozent Wachstum für das kommende Jahr. Für 2015 halten zahlreiche Volkswirte sogar eine Expansion um 2 Prozent für wahrscheinlich. „Die Unsicherheiten nehmen ab, der Aufschwung steht jetzt unmittelbar bevor“, sagt Klaus Wohlrabe, Konjunkturforscher des Münchener Ifo-Instituts.

          Der Konsum trägt den Aufschwung

          In den zurückliegenden Monaten war hiervon allerdings noch nichts zu spüren. Im Gegenteil, anders als erwartet enttäuschten im Herbst die harten Zahlen aus der Wirtschaft. „Überraschend war, dass die Industrieproduktion im Oktober schwächer war als im Vormonat“, sagt Ferdinand Fichtner, Konjunkturchef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Auch der Auftragseingang der Unternehmen, ein wichtiger Indikator für die Wachstumsdynamik, fiel im Oktober um 2,2 Prozent schwächer aus als im Vormonat. Im Vergleich zu den Sommermonaten steigerte sich der Auftragseingang im Herbst nur leicht. Nach wie vor sind die Betriebe lange nicht voll ausgelastet. Bevor Unternehmen wieder stärker in neue Anlagen investieren, besteht also noch ein gewisser Spielraum, die bestehenden Kapazitäten voll auszuschöpfen.

          Der F.A.Z.-Konjunkturbericht

          Der leichte Rückschlag im Oktober kam auch deshalb überraschend, weil die Stimmung in den Betrieben seit Monaten sehr gut ist. Nach einem kleinen Knick im Oktober kletterte der Geschäftsklimaindex des Ifo-Instituts, der auf einer Umfrage unter 7.000 Unternehmen aus Industrie und Handel beruht, im Dezember auf den Jahreshöchststand von 109,5 Punkten. Die Erwartungen für künftige Geschäfte beurteilten die Manager sogar so gut wie zuletzt im März 2011.

          Worauf beruht dieser feste Glaube an den unmittelbar bevorstehenden Aufschwung? Zu einem guten Teil auf der ungetrübten Konsumfreude der Deutschen. „Nach gut einem Prozent Zuwachs 2013 wird der private Konsum 2014 um 1,3 Prozent und 2015 um 1,7 Prozent steigen“, sagt DIW-Forscher Fichtner. Auch Ifo-Ökonom Wohlrabe sieht den Konsum als Träger des Aufschwungs: „Allein der Konsum wird das BIP im kommenden Jahr um 1,1 Prozent wachsen lassen.“ Vor allem die niedrigen Zinsen, die Lage auf dem Arbeitsmarkt und die weiterhin moderaten Inflationserwartungen schüren die Kauflust der Verbraucher. Es wird erwartet, dass 2014 erstmals im Jahresschnitt mehr als 42 Millionen Menschen in Deutschland erwerbstätig sein werden. Verbunden mit üppigen Tarifabschlüssen, die über den Inflationserwartungen liegen, lässt das auf ein großes Konsumpotential schließen.

          Der Preis, der für den Mindestlohn zu zahlen ist

          Was zu dieser Entwicklung im kommenden Jahr hinzukommen dürfte, ist die wieder anspringende Nachfrage aus dem Ausland. „Der deutsche Außenhandel wird sich 2014 aus der Stagnation herausarbeiten können. Die deutschen Exporte werden um bis zu drei Prozent wachsen und ein neues Allzeithoch von 1.142 Milliarden Euro erreichen“, prognostiziert der Außenhandelsverband BGA. Sowohl die stabilere Wirtschaftslage im Euroraum als auch die Wachstumsprognosen in den Vereinigten Staaten und China lassen auf eine Exportbelebung hoffen. „Die Unternehmen haben deshalb wieder größere Anreize, zu investieren – zumal das Finanzierungsumfeld günstig ist“, sagt DIW-Forscher Fichtner. Größere Veränderungen des niedrigen Zinsniveaus erwarten Konjunkturforscher trotz der jüngsten Entscheidung der amerikanischen Notenbank Fed, das Anleiheankaufprogramm etwas zu reduzieren, derzeit nicht. Im kommenden Jahr prognostiziert das DIW einen Anstieg der Ausrüstungsinvestitionen um 6 Prozent, 2015 sogar um 9 Prozent. Das wäre eine erhebliche Belebung – 2013 haben deutsche Unternehmen etwas weniger Geld als im Vorjahr in neue Maschinen und Fahrzeuge gesteckt.

          Als Risikofaktor für den Aufschwung betrachten Konjunkturbeobachter jedoch den wirtschaftspolitischen Kurs der neuen Bundesregierung. „Zum einen wird die wirtschaftliche Dynamik mittelfristig dadurch beeinträchtigt, dass ein relativ hoher Mindestlohn eingeführt wird“, warnt das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW), „zum anderen wird das Erwerbspersonenpotential sinken, weil es für viele Arbeitnehmer möglich sein wird, früher in Rente zu gehen.“ Die Forscher sehen die sozialpolitischen Errungenschaften der vergangenen Jahre in Gefahr. Wie groß die konjunkturelle Wirkung der von Schwarz-Rot angekündigten Reformen tatsächlich sein wird, ist derzeit kaum seriös abzuschätzen. Ob der Mindestlohn Arbeitsplätze vernichten könnte und wie viele, ist unter Ökonomen offen. „Vor allem die Signalwirkung ist dramatisch“, schreiben die Forscher des IfW, „denn den Bürgern wird suggeriert, solche Maßnahmen seien ohne Verzicht an anderer Stelle zu haben.“

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