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Indikatoren in der Übersicht : So geht es der deutschen Wirtschaft

Arbeiter gießen flüssiges Eisen mit einer Temperatur von 1.400 Grad in vorbereitete Formen: Die deutsche Industrie verzeichnet weiter wachsende Aufträge. Bild: dpa

Corona hin oder her – die deutsche Industrie setzt ihre Erholung fort. Als Zugpferd gilt China. Doch nicht jeder Wirtschaftszweig profitiert von dem Aufwärtstrend.

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          Die seit dem Spätsommer wieder steigenden Corona-Zahlen lassen die deutsche Industrie immer noch weitgehend kalt. Während der Dienstleistungssektor unter der Corona-Pandemie und den Kontakt- und Geschäftsbeschränkungen leidet, hält der Aufwärtstrend im verarbeitenden Gewerbe an. Einen Hinweis darauf gibt sein Auftragseingang, ein wichtiger Frühindikator für die konjunkturelle Entwicklung.

          Niklas Záboji

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte, verzeichnete die Industrie im Oktober – und damit den sechsten Monat nacheinander – ein Wachstum an Neuaufträgen. Durch ein Plus von 2,9 Prozent verglichen mit September wurde der Vorjahreswert ebenso übersprungen wie das Vorkrisenniveau: Bei 102,6 Punkten notierte der Auftragsindex der Statistiker im letzten „Vor-Corona-Monat“ Februar, bei 64,7 Punkten nach dem rasanten Absturz im April. Nun sind 103,4 Punkte erreicht. Anders als die Nachfrage nach Investitions- und Vorleistungsgütern sanken im Oktober allerdings die Konsumgüterorders.

          Bild: F.A.Z.

          Als Zugpferd gilt Chinas Wirtschaft, die sich in den vergangenen Monaten spürbar erholt hat und vom Handelsvolumen her der wichtigste Markt für die deutsche Industrie ist. Dies trug dazu bei, dass die Auslandsbestellungen anders als die Inlandsbestellungen nach der ersten Erholung im Frühsommer keinen Dämpfer verzeichneten – und auch zuletzt stärker zulegten. Vergleicht man die Monate September und Oktober mit Juli und August, betrug das Auftragswachstum aus dem Nicht-Euroraum 6,9 Prozent. Demgegenüber stehen 5,4 Prozent aus dem Inland und 1,3 Prozent aus dem Euroraum.

          Bild: F.A.Z.

          Das konjunkturelle Lagebild als Ganzes bleibt in Deutschland somit zweigeteilt. Auf der einen Seite stehen Dienstleister, deren Anteil an der Wirtschaftsleistung rund 70 Prozent beträgt. Auf der anderen Seite steht eine robuste Industrie mitsamt Handwerk und Baugewerbe, die als produzierendes Gewerbe die übrigen 30 Prozent der Wertschöpfung aufbringen.

          Bild: F.A.Z.

          Und ein Blick auf sogenannte Echtzeitindikatoren, die wegen ihrer schnelleren Verfügbarkeit immer stärkere Verbreitung unter Volkswirten finden, zeigt, dass allen voran konsumnahe Dienstleister unter Corona leiden.

          Bild: F.A.Z.

          Die Passantenfrequenz in deutschen Innenstädten etwa hat nach einer starken sommerlichen Erholung erkennbar nachgelassen. Auch das Konsumklima hat sich merklich eingetrübt. Umgekehrt tendiert der sogenannte Fahrleistungsindex, der die gefahrenen Kilometer von Lastwagen auf mautpflichtigen deutschen Straßen misst und eher als industrienaher Indikator gilt, weiter nach oben und ähnelt damit der Ralley am Aktienmarkt.

          Bild: F,A,Z,

          Leichte Widersprüche bleiben in der Konjunkturdiagnose indes nicht aus. Der Stromverbrauch etwa gilt ebenfalls als industrienaher Indikator, da die größte Nachfrage aus dem verarbeitenden Gewerbe kommt. Doch nachdem der Verbrauch im Spätsommer wieder das Normalmaß erreicht hatte, liegt er aktuell 3,4 Prozent unter dem Mittelwert der Vorjahre.

          Ähnliches gilt für die Exporterwartungen. Sie basieren auf der monatlichen Befragung von 2300 Industriebetrieben – und sanken sowohl im Oktober wie im November, wachsender Auftragseingang und Hoffnung auf Corona-Impfstoffe hin oder her.

          Fasst man Geschäftslage und Geschäftserwartungen visualisiert zusammen, wie es das Münchner Ifo-Institut in seiner monatlichen „Konjunkturuhr“ tut, verharrte der Zeiger im Sommer nur kurz im Boom. Derzeit steht er auf Abschwung – anders als nach der Finanzkrise 2009, als der Zeiger fast bilderbuchmäßig von Rezession in Aufschwung und Boom überging.

          Das deckt sich mit dem wöchentlichen Aktivitätenindex der Bundesbank, der alle Indikatoren zusammenfasst. Auch er verharrt im Plus, aber, wie im Abschwung üblich, mit nachlassender Tendenz.

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