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Ifo-Index steigt weiter : „Die deutsche Wirtschaft erholt sich schrittweise“

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In allen deutschen Wirtschaftssektoren hat sich das Wirtschaftsklima zuletzt deutlich aufgehollt. Bild: dpa

Das Geschäftsklima-Barometer des Münchener Ifo-Instituts legt den dritten Monat in Folge zu. Doch neben Ökonomen warnt auch die EZB eindringlich vor zu viel Euphorie.

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          Die Stimmung deutscher Unternehmen hat sich im Juli weiter aufgehellt. Der Geschäftsklimaindex des Ifo-Instituts stieg verglichen mit dem Vormonat um 4,2 Punkte auf 90,5 Zähler. Das teilte das Münchner Institut am Montag mit. Analysten hatten mit einem etwas schwächeren Anstieg gerechnet. Das Barometer beruht auf der monatlichen Befragung von 9000 Unternehmen aller Branchen und gilt als wichtiger Indikator für die hiesige Wirtschaft.

          Es ist der dritte Anstieg des Indikators in Folge, nachdem er im April – belastet durch die Corona-Krise – auf ein Rekordtief von 74,3 Punkte gefallen war. Vor allem ihre Zukunftsaussichten beurteilten die Unternehmen besser. Aber auch die Bewertung der aktuellen Lage hellte sich in allen Branchen, also sowohl in der Industrie als auch im Dienstleistungssektor, Handel und Baugewerbe, auf. „Die deutsche Wirtschaft erholt sich schrittweise“, kommentierte der Präsident des Ifo-Instiuts, Clemens Fuest.

          Der Meinung sind auch andere Ökonomen. „Eine dreimalige Geschäftsklimaveränderung in die gleiche Richtung signalisiert die Trendwende – nach dieser altbekannten Daumenregel ist Deutschland nun endgültig auf Erholungskurs“, sagt Fritzi Köhler-Geib, die Chefvolkswirtin der KfW. „Der konjunkturelle Einstieg in das Sommerquartal ist damit gelungen.“ Sie erwartet, dass das Wachstum des Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal außergewöhnlich kräftig ausfallen dürfte; eine erste Schnellschätzung für das zweite Quartal legt das Statistische Bundesamt diese Woche Donnerstag vor.

          „Vor Ende 2022 keine Rückkehr auf dieses Niveau“

          „Der Ifo-Geschäftsklimaindex steigt zum dritten Mal in Folge, und die Geschäftserwartungen sind sogar so positiv wie seit rund 1,5 Jahren nicht mehr. Das zeigt, dass die deutsche Wirtschaft überzeugt ist, dass in der Corona-Krise das Schlimmste überwunden ist und es im dritten Quartal wieder kräftig aufwärtsgehen wird“, ergänzt Michael Holstein von der DZ Bank. Noch seien die Unternehmen allerdings ein gutes Stück vom „Normalzustand“ entfernt. Die aktuelle Geschäftslage schätzten sie immer noch sehr schwach ein und die Erholung dürfte einige Zeit in Anspruch nehmen. 

          „Die Unternehmen sind deutlich weniger zuversichtlich als die Aktienmärkte. Die Laune bessert sich zwar, allerdings nur behäbig“, mahnt auch Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe. Er hält Vorsicht für angebracht: Die Corona-Pandemie sammele derzeit neue Kraft, und der Konflikt zwischen China und Amerika belaste. „Nach wie vor kämpfen Unternehmen mit Umsatzausfällen, was die Bedienung der gestiegenen Verschuldung erschwert. Auch werden zusehends öffentliche Aufträge für die Baubranche fehlen. Es wundert daher nicht, dass die aktuelle Geschäftslage weiter als extrem schwierig bewertet wird und die Hoffnungen auf der Zukunft liegen“, so Krüger. 

          Ebenfalls vor zu viel Euphorie warnen Europas Währungshüter. „Es ist zu früh, um den Sieg zu erklären“, sagte Fabio Panetta, Mitglied im Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB), in einem am Montag veröffentlichten Interview mit der italienischen Tageszeitung „La Repubblica“. Aktuelle Daten zeigten sicherlich, dass es Fortschritte gebe, so Panetta. So sei etwa die Industrieproduktion im Euroraum im Mai um 12 Prozent gewachsen und der Einzelhandelsumsatz um 18 Prozent. „Aber wir müssen diese Verbesserungen mit Vorsicht betrachten, denn sie sind eine Folge des Aufschwung, der nach dem vorherigen katastrophalen Rückgang der Wirtschaftstätigkeit zu erwarten war.“ Zudem spiegele die Erholung die gewaltigen Hilfsprogramme von Staaten und Notenbanken wider.

          Die EZB hat auf die wirtschaftlichen Verwerfungen der Corona-Pandemie mit einem flexiblen Kaufprogramm für Anleihen reagiert. Das Programm mit 1,35 Billionen Euro Volumen soll mindestens bis Ende Juni 2021 laufen. „Die Wirtschaftsaktivität liegt immer noch weit unter dem Vorkrisenniveau, und auf der Grundlage unserer Prognosen werden wir vor Ende 2022 keine Rückkehr auf dieses Niveau sehen“, bekräftigte Panetta. „Und vergessen wir nicht, dass wir nicht wissen, wie sich die Pandemie entwickeln wird: In einigen Ländern besteht immer noch das Risiko einer zweiten Welle.“

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