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Konjunktur : Hoffnungsschimmer für die Industrie

Heiko Rösch, Leiter Karosseriebau, steht im Werk von Volkswagen Sachsen in Zwickau in einer neuen Fertigungslinie für Elektrofahrzeuge. Bild: dpa

Die Nachfrage nach deutschen Gütern hat zuletzt wieder zugelegt. Doch nicht alle Industriezweige profitieren und besonders im Euroraum bleibt die Nachfrage schwach.

          Dank einer wieder anziehenden Nachfrage aus dem nicht-europäischen Ausland stabilisiert sich die Lage für Teile der deutschen Industrie. Saisonbereinigt gab es im April ein Auftragsplus von 0,3 Prozent im Vergleich zum Vormonat, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit. Nach einem längeren Sinkflug legte die Auftragslage damit den zweiten Monat infolge zu. Für März ergab sich nach Revision sogar ein Zuwachs von 0,8 statt nur 0,6 Prozent. Der Auftragseingang gilt als wichtiger Frühindikator für die konjunkturelle Lage.

          Niklas Záboji

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Bei den Aufträgen aus dem Inland ist jedoch keine Trendwende in Sicht, höchstens eine Verlangsamung des Abwärtstrends. Sie reduzierten sich im April abermals um 0,8 Prozent. Noch stärker fällt der Rückgang sogar für Bestellungen aus Ländern der Eurozone aus. Hier betrug das Minus 5,8 Prozent. Und auch von Gütergruppe zu Gütergruppe gibt es Unterschiede: Während die Zahl der Aufträge für Hersteller von Vorleistungsgütern sank, gab es für Hersteller von Investitionsgütern ein solides Auftragsplus. Die Nachfrage nach Konsumgütern deutscher Fertigung stagnierte zumindest.

          Die Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe hätten sich damit in den letzten beiden Monaten bei anziehender Auslandsnachfrage auf niedrigem Niveau stabilisiert, kommentierte das Bundeswirtschaftsministerium die neuen Zahlen und teilte mit: „Die Industriekonjunktur dürfte im zweiten Quartal gedämpft bleiben“. Die Bundesregierung rechnet mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 0,5 Prozent in diesem Jahr und ist damit zurückhaltender als die Ökonomen der führenden Wirtschaftsforschungseinrichtungen, die in ihrer Gemeinschaftsdiagnose 0,8 Prozent Wachstum prognostizierten.

          Andere Volkswirte beurteilen die Auftragszahlen positiver. Rechne man die immer sehr schwankungsanfälligen Bestellungen im Sektor „sonstiger Fahrzeugbau“ heraus, ergebe sich sogar ein Zuwachs von 1,1 Prozent, rechnet Ralph Solveen von der Commerzbank vor. „Dieses erste Plus bei dieser Kerngröße seit November ist ohne Frage ein Hoffnungszeichen“, sagte er. Wegen der starken Rückgänge in den Vormonaten und der anhaltend schlechten Stimmung bei den Unternehmen rechnet er dennoch mit einer sinkenden Produktion in den kommenden Monaten. Auch Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING Bank in Deutschland, nannte die Auftragszahlen „besser, aber nicht gut“.

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