https://www.faz.net/-gqe-9zk2u

Konjunkturdaten aus Amerika : Der Motor der Weltwirtschaft stottert

  • -Aktualisiert am

Die deutsche Wirtschaft hängt am Welthandel: Ein Containerschiff im Hamburger Hafen Bild: dpa

Die Schwäche der amerikanischen Wirtschaft bremst auch die Erholung anderer Volkswirtschaften. Ein schneller Aufholprozess ist in Deutschland auch deshalb nicht in Sicht.

          2 Min.

          Mit der Ankündigung, dass die amerikanische Wirtschaftsleistung im laufenden Quartal – hochgerechnet auf das Gesamtjahr 2020 – um bis zu 30 Prozent schrumpfen könnte, hat der Direktor der amerikanischen Notenbank Fed, Jerome Powell, für Aufsehen gesorgt. Es ist nicht das erste Mal, dass Wachstumszahlen aus den Vereinigten Staaten Verwirrung stiften. Schuld daran ist die Berechnungsweise. In den Vereinigten Staaten ist es üblich, dass Quartalszahlen zu „annualisierten“ Werten hochgerechnet werden. Tatsächlich erwartet die Fed für das zweite Quartal 2020 einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von „nur“ rund 7,5 Prozent.

          Svea Junge

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          „Die Prognose der Fed deckt sich mit unseren Erwartungen. Das ist ein kräftiger Rückgang, wenngleich nicht so stark, wie wir ihn für Deutschland und Europa erwarten“, kommentiert Torsten Schmidt, Leiter des Kompetenzbereichs „Wachstum, Konjunktur, Öffentliche Finanzen“ am Essener Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) die Zahlen. Für Deutschland erwarten die meisten Ökonomen einen Rückgang des BIP um mehr als 10 Prozent.

          Wie schnell die deutsche Wirtschaft aus diesem tiefen Tal der Krise wieder herauskommt, hänge nicht nur vom Tempo der Lockdown-Öffnung ab, sondern auch maßgeblich von der Erholung wichtiger Absatzmärkte, sagt Stefan Kooths, Leiter des Prognosezentrums am Institut für Weltwirtschaft in Kiel (IfW). Der Handel mit den Vereinigten Staaten sei ein entscheidender Kanal. Amerika ist Deutschlands wichtigster Exportkunde. Im vergangenen Jahr exportierten deutsche Unternehmen Waren im Wert von 119 Milliarden Euro in die größte Volkswirtschaft der Welt – 9 Prozent der gesamten Ausfuhren.

          Bundesbank erwartet langsame Erholung der deutschen Wirtschaft

          Das IfW prognostiziert für das zweite Quartal einen Einbruch der amerikanischen Wirtschaftsleistung um 12 Prozent und rechnet mit einer Erholung von Plus 5,4 Prozent im dritten Quartal. RWI-Ökonom Schmidt bereiten hingegen die noch immer hohen Infektionszahlen und die steigende Arbeitslosigkeit in Amerika Sorgen. Eine kräftige Aufwärtsbewegung im dritten Quartal hält er für zunehmend unwahrscheinlich. „Das verzögert die Erholung des Welthandels und bremst den Aufholprozess anderer Länder“, sagt Schmidt. Aufgrund ihrer starken Abhängigkeit vom Welthandel und exponierten Stellung beim Export von Investitionsgütern trifft dies auch die deutsche Wirtschaft. Bis sie ihr Vorkrisenniveau wieder erreiche, werde es noch bis mindestens Mitte nächsten Jahres dauern, sagt Kooths vom IfW.

          Eine langsame Erholung der deutschen Wirtschaft erwartet auch die Bundesbank:  „Trotz der eingeleiteten Lockerungen ist das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben in Deutschland nach wie vor sehr weit von einem Zustand entfernt, der bislang als normal angesehen wurde. Die verfügbaren Konjunkturindikatoren zeichnen ein entsprechend düsteres Bild", schreibt die Notenbank in ihrem am Montag veröffentlichten Monatsbericht Mai. „Die deutsche Wirtschaft bleibt auch im zweiten Quartal fest im Griff der Coronavirus-Pandemie. Die Wirtschaftsleistung dürfte nochmals erheblich niedriger ausfallen als im Durchschnitt des schon gedrückten ersten Vierteljahres", heißt es weiter.

          Mit Blick auf die zunehmenden Forderungen nach einem staatlichen Konjunkturprogramm befindet die Bundesbank: „Die Finanzpolitik dürfte aufgrund der guten Ausgangslage immer noch genügend Spielraum für einen gegebenenfalls auch starken temporären Impuls besitzen." Nach Einschätzung der Bundesbank-Ökonomen sollte ein mögliches Konjunkturprogramm „zielgerichtet und vor allem auch befristet angelegt sein.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Am Tag der Präsidentschaftswahlen bewacht ein Soldat der Sonderpolizei einen Kontrollpunkt an einer Straße am Stadtrand von Minsk.

          Wahl in Belarus : Der Dauerherrscher greift durch

          Bei der Präsidentenwahl in Belarus soll Amtsinhaber Lukaschenka offiziellen Prognosen zufolge 80 Prozent der Stimmen erhalten haben. Inoffizielle Nachwahlbefragungen hat das Regime verboten. Am Abend nach der Wahl geht das Regime mit Härte gegen Demonstranten vor.

          Trump eskaliert gegen China : Umgang mit Schurken

          Der Umgang des amerikanischen Präsidenten mit der chinesischen Videoplattform Tiktok verärgert Peking schwer. Er muss aber auch alte Freunde verunsichern: Was hindert Trump eigentlich daran, Daimler oder VW die Geschäftstätigkeit in den Vereinigten Staaten zu untersagen?
          Einschulungsfeier in Frankfurt an der Oder

          Schulbeginn : Wie geht es in den Klassenzimmern weiter?

          In vier Bundesländern beginnt in dieser Woche das neue Schuljahr. Es gibt genaue Anweisungen, sogar Verhaltenspsychologen wurden bemüht. Kein Land schließt aus, dass es bei steigenden Infektionszahlen auch für den Unterricht die Maskenpflicht verhängt.
          Anders als die anderen? Es führt oft nicht nur der eine Weg ans Ziel.

          Einsteig in fremde Branchen : Quer ins Glück

          Beratung, Vertrieb, Schule oder Pflege: Für Quereinsteiger gibt es Möglichkeiten zuhauf. Sie sollten sich aber keine falschen Hoffnungen machen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.