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Konjunktur : 2010 wachsen wir - ein klein bisschen

Bild: F.A.Z.

Die Weltwirtschaft hat das Schlimmste hinter sich. Auch in Deutschland geht es aufwärts. Doch Jahre wird es dauern, bis wir das Niveau von 2007 wieder erreichen.

          Es ist die Stille, die Carl Martin Welcker noch immer zu schaffen macht. Wenn der Mittelständler durch die Hallen seines Werkes in Köln geht, dann ist es beängstigend leise. Kaum einen Mitarbeiter trifft er an, nur 10 Prozent der Maschinen laufen. „Wir schalten die Maschinen im Moment wochenweise ab“, sagt der Unternehmer, der die Alfred H. Schütte GmbH & Co KG in der Alfred-Schütte-Straße in Köln führt. Die Firma mit weltweit 700 Mitarbeitern produziert Werkzeugmaschinen – und das seit fast 130 Jahren.

          Inge Kloepfer

          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Aber in diesem Jahr herrschte Stille im Werk von Schütte und von vielen anderen Herstellern von Werkzeugmaschinen, die stets das Aushängeschild der deutschen Wirtschaft waren. In ihrer Branche läuft wenig, auch wenn die Wirtschaft sich in den vergangenen Monaten wieder ein wenig vom Schock der Finanzkrise im Herbst 2008 berappelt hat. Welckers Mitarbeiter, fast alle hochqualifiziert, arbeiten noch „massiv kurz“, wie er sagt. Entlassen hat er niemanden. Er hofft auf Besserung.

          „Was die Konjunktur angeht, sind wir Nachläufer“

          Aber die Schütte GmbH wird die zaghafte Erholung noch lange nicht spüren. So ist das bei Werkzeugmaschinenbauern. Ihnen geht es wie Autofahrern in einem langen Stau, der sich aufzulösen beginnt. Während die ersten wieder Gas geben, muss der Schütte-Chef warten, bis er Bewegungen erkennt und endlich losfahren kann.

          So funktioniert der Aufschwung, der 2010 immer mehr Branchen erfassen wird. „Was die Konjunktur angeht, sind wir Nachläufer“, sagt Welcker. Doch die Erholung wird kommen, da ist er zuversichtlich. „Im zweiten Halbjahr 2010 werden wir es an den Auftragseingängen spüren.“

          Mit seinem vorsichtigen Optimismus ist Carl Martin Welcker nicht ganz allein. Die Konjunkturforscher geben ihm recht. Man wird wohl hoffen dürfen auf einen Aufschwung im kommenden Jahr. Das sagen sie alle. Sie sagen aber auch, dass dieses bisschen Wirtschaftswachstum auf einem viel niedrigeren Niveau einsetzt als vor der Krise, die Deutschlands Volkswirtschaft zig Milliarden Euro kostete. Noch ist nichts wieder, wie es mal war.

          Doch zunächst zum Hoffnungsschimmer: Die deutsche Wirtschaft wird 2010 wieder wachsen, das versprechen die Ökonomen. Und diesmal sind sie sich darin einig, anders als Ende vergangenen Jahres, als sie noch unter dem Schock des Zusammenbruchs der Lehman Bank standen und ihre Rechenmodelle zur Vorhersage des künftigen Wirtschaftswachstums ihnen die Auskunft versagten. Heute sagen sie voraus, dass die Wirtschaft im nächsten Jahr 1,2 und 2 Prozent zulegen könnte. Diese Spanne geben die Prognosen her (siehe Grafik). Die Ökonomen speisen ihre Zuversicht aus den vergangenen Monaten, die schon beachtliche Wachstumsraten aufwiesen und vermuten lassen, dass die Wirtschaftswelt das Schlimmste überstanden hat. Viele Volkswirte haben ihre Vorhersagen kürzlich sogar noch einmal erhöht.

          Aber manche Branchen profitieren früher vom Aufschwung als Werkzeugmaschinenbauer wie Welcker. Vor ihnen sind die Hersteller von Kraftwagen oder die Chemie-Industrie dran. Bei ihnen hat das Ausland schon wieder kräftig bestellt, allen voran China und andere Schwellenländer. Glaubt man dem Chef-Ökonom der Deutschen Bank, Thomas Mayer, dann hätte Deutschlands Wirtschaft ohne sie keine Chance. Aber bis etwa ein Hersteller von Kraftwagenteilen bei dem Mittelständler Schütte eine neue Schleifmaschine ordert, wird es dauern. Bevor sie investieren, müssen viele Unternehmen ihre Bilanzen sanieren. Und das müssen sie aus eigener Kraft tun, da Finanzierungen von den Banken nicht leicht zu bekommen sind. Auch das kostet Zeit und Kraft, die dem Aufschwung von 2010 fehlen werden.

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