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Kommentar zur EZB : Teuerungsspirale

  • -Aktualisiert am

Politisch klug, geldpolitisch riskant: EZB-Präsident Trichet will sich alle Optionen offenhalten Bild: dpa

Die expansive Geldpolitik der Industrieländer heizt in Schwellenländern wie China die Inflation an. Über die Einfuhren kommen die Teuerungsschübe wie ein Bumerang zurück - und treffen besonders Deutschland.

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          Die Europäische Zentralbank steckt in der Zwickmühle. Sie muss aufpassen, dass in boomenden Ländern wie Deutschland sich die Inflationsraten nicht noch weiter vom Stabilitätsziel von knapp 2 Prozent entfernen. Eine kleine Zinsanhebung um 0,25 Prozentpunkte wird das kaum leisten können, wie ein Blick auf den Kapitalmarkt zeigt, wo sich die Inflationserwartungen verdoppelt haben. Auch zwei oder drei solcher Zinsschritte brächten die robuste deutsche Wirtschaft, die in diesem Jahr weiter kräftig um fast 3 Prozent wachsen dürfte, noch nicht aus dem Tritt. Das würde jedoch die Inflationserwartungen wieder unten verankern. Eine entschlossene Zinswende vergrößerte aber in den überschuldeten Randstaaten des Euroraums die Finanzierungsnot, verzögerte die wirtschaftliche Erholung und erschwerte die Sanierung der angeschlagenen Banken.

          Wofür wird sich die Europäische Zentralbank entscheiden, die vor der Herausforderung steht, mit einem Zins siebzehn auseinanderlaufende Volkswirtschaften in der Währungsunion mit Geld versorgen zu müssen? Der EZB-Präsident Trichet will sich alle Optionen offenhalten. Das ist politisch klug, aber geldpolitisch riskant. Er rechnet mit weiter steigenden Energiepreisen, stellt jedoch keine Serie von Zinserhöhungen in Aussicht und verliert kein Wort darüber, ob die EZB ihre fragwürdige Rolle als Retter von Banken und Staaten abgeben will, um sich auf ihre Kernaufgabe Preisstabilität zu konzentrieren.

          In der Krise haben Notenbanken in Amerika und Europa mit unkonventionellen Maßnahmen den Regierungen Zeit gekauft. Je länger die EZB zögert, ihre dadurch aufgeblähte Notenbankbilanz wieder auf das Normalmaß zu stutzen, desto höher steigen die Inflationserwartungen, auch weil das Vertrauen vieler Marktteilnehmer in das Währungssystem erschüttert ist. Die extrem expansive Geldpolitik in den Industrieländern heizt in Schwellenländern wie China die Inflation an, wegen der Koppelung des Renminbi an den Dollar. Über die Einfuhren aus China kommen die Teuerungsschübe wie ein Bumerang in die Industrieländer zurück. Dieser Effekt trifft besonders Länder wie Deutschland, die einen intensiven Warenaustausch mit Asien betreiben. Die Notenbanken des Westens sollten gegensteuern, damit sich in der Welt keine Teuerungsspirale aufbaut.

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