https://www.faz.net/-gqe-9okqs

Schwächelnde Konjunktur : Warnsignale am Arbeitsmarkt

  • -Aktualisiert am

Ein Brenner und Maschinenführer arbeitet auf dem Werftgelände von Blohm+Voss in Hamburg. Bild: dpa

War es das also mit der Rekordjagd am Arbeitsmarkt? Die Nachrichten aus den Unternehmen sind besorgniserregend. Doch zu Alarmismus gibt es keinen Grund.

          Wenn große Konzerne wie Volkswagen, Bayer oder Thyssenkrupp ankündigen, Tausende Stellen zu streichen, sollte das aufhorchen lassen. In letzter Zeit häufen sich solche Meldungen. Gerade hat der Chemiekonzern BASF angekündigt, in Deutschland 3000 Stellen abzubauen; am selben Tag verkündete der Autohersteller Ford, dass in Europa 12.000 Arbeitsplätze wegfallen werden, davon 5400 in Deutschland. Schon macht ein Wort die Runde, dass man in Deutschland lange nicht mehr gehört hat: Massenentlassungen. War es das also mit der Rekordjagd am Arbeitsmarkt? Werden die Arbeitslosenzahlen jetzt wieder deutlich steigen?

          Keine Frage: Die Nachrichten aus den Unternehmen sind besorgniserregend. Die Industrie bildet nach wie vor den Kern der deutschen Wirtschaft. Geht es dort bergab, stehen nicht nur viele Arbeitsplätze in der Autobranche oder im Maschinenbau auf dem Spiel; ein Teil der Stellen im Dienstleistungssektor, etwa in der Logistik, hängt ebenfalls daran. Auch darüber hinaus gibt es einige Warnsignale am Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenzahl ist im Juni nur noch leicht gesunken, der Beschäftigungsaufschwung verliert an Fahrt, die Zeitarbeit – stets ein Frühindikator für wirtschaftliche Auf- und Abschwünge – schrumpft, die Kurzarbeit wächst, wenn auch auf niedrigem Niveau.

          Trotz alledem gibt es zu Alarmismus keinen Grund. Der Arbeitsmarkt hat sich in der aktuellen konjunkturellen Schwächephase bislang äußerst robust entwickelt und auch schon im Krisenjahr 2009 gezeigt, dass er für einen Abschwung viel besser gerüstet ist als früher. Darüber hinaus darf man nicht vergessen, dass die größte Sorge für viele Unternehmen immer noch ist, Mitarbeiter zu finden, und das nicht nur im Handwerk oder auf dem Bau, sondern auch in technischen Bereichen. Aufgrund des demographischen Wandels wird sich daran so schnell nichts ändern.

          Nun wird aus einem Spezialisten für Verbrennungsmotoren nicht einfach so ein Fachmann für den Maschinenbau, dafür braucht es Anstrengungen der Beschäftigten und der Unternehmen. Doch dann dürfte solch ein Wechsel vergleichsweise einfach zu bewältigen sein. Selbst wenn die Arbeitslosenzahlen in den kommenden Monaten konjunkturbedingt leicht steigen sollten, spricht daher viel dafür, dass sie auf absehbare Zeit auch wieder sinken, wenn es wieder bergauf geht. Alles andere kann die deutsche Wirtschaft sich gar nicht leisten.

          Britta Beeger

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Wirtschaft in Amerika : Trumps Sommer des Missvergnügens

          Signale eines Konjunktureinbruchs in Amerika machen Trump nervös. Die Wirtschaftslage könnte seine Wiederwahl 2020 gefährden. Die Reaktion des Präsidenten zeigt ein bekanntes Muster.

          Der Exosuit : Was uns nach den E-Tretrollern erwartet

          Noch hat sich Deutschland nicht an die E-Tretroller gewöhnt, da kommt schon die nächste Innovation aus Amerika: Die E-Buxe könnte den Straßenverkehr revolutionieren oder noch mehr belasten. Eine Glosse.

          Johnson in Paris : In Berlin war mehr Esprit

          Beim Besuch von Boris Johnson betont Präsident Macron die Einigkeit Europas – und bekennt sich zu seinem Ruf, in der Brexit-Frage ein Hardliner zu sein. Zugeständnisse will er gegenüber dem Gast aus London nicht machen – erst recht nicht beim Backstop.
          Amerikas Botschafter Richard Grenell kritisiert eine neue EU-Verordnung zu Medizinprodukten.

          F.A.Z. exklusiv : Richard Grenell kritisiert neue EU-Verordnung

          Die EU sorgt mit neuen Verordnungen für Medizinprodukte für neuen bürokratischen Aufwand. Der amerikanische Botschafter Grenell meint: „Viele werden sich für die Patienten nicht positiv auswirken.“ Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.