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Kommentar : Kein gutes Geschäft

Frankreich wirbt für eine Transferunion im Euroraum. Leider hat es das Land mit eigenen Reformzusagen nie so genau genommen.

          Wie kann der durch Griechenland erschütterte Euroraum stabilisiert werden? Die Suche nach einer Antwort auf diese Frage ist mehr als berechtigt. Frankreichs smarter Wirtschaftsminister Emmanuel Macron bietet in diesem Zusammenhang den Deutschen ein politisches Geschäft an: Reformen gegen Solidarität.

          Auch wenn er in vielen Punkten im Unverbindlichen verharrt, lässt sein Vorstoß aufhorchen. Denn es klingt so, als wenn die reichen Euroländer keinen Gemeinsinn gezeigt hätten. Doch schon immer wurde über den EU-Haushalt kräftig umverteilt.

          Zudem sind viele Länder in der Eurokrise für andere ins Risiko gegangen. Das alles reicht Macron nicht. Er warnt die Deutschen, in einer buchhalterischen Haltung zu erstarren. Damit riskiere man Revanchismus – wie einst nach dem Versailler Vertrag.

          Anläufe in Richtung Transferunion gab es schon öfter. Ob gemeinsame Einlagensicherung für die Banken oder gemeinschaftliche Arbeitslosenversicherung – das Ziel ist stets dasselbe: Man will an die vergleichsweise gut gefüllten Kassen des Nachbarn. Mit den eigenen Reformzusagen hat es dagegen Frankreich nie so genau genommen. Das spricht gegen das Geschäft.

          Manfred Schäfers

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

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