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Deutschlands Konjunktur : Die Wirtschaft schlägt sich wacker

Retouren: Die Deutschen haben mehr Pakete bestellt denn je. Bild: dpa

Die Pandemie hat die deutsche Volkswirtschaft viel weniger getroffen als befürchtet. Dafür gibt es drei Gründe.

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          Die Wirtschaftsleistung in Deutschland ist im Krisenjahr 2020 um 5 Prozent zum Vorjahr geschrumpft. Angesichts geschlossener Geschäfte und anhaltender Reisebeschränkungen ist das eine erfreuliche Nachricht. Im Frühjahr, als die Pandemie das Land zum ersten Mal lähmte, standen ganz andere Horrorszenarien im Raum – einige Volkswirte rechneten da mit einem zweistelligen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts. Wirtschaftlich ist 2020 nun sogar etwas glimpflicher verlaufen als das Jahr 2009, als die Wirtschaft wegen der Finanzkrise um 5,7 Prozent geschrumpft war.

          Das kleinere Corona-Minus ist erstmal kaum zu glauben. Denn während die Finanzkrise für viele Menschen abstrakt geblieben ist, sind die verwaisten Fußgängerzonen und leeren Restaurants heute für jedermann sichtbar. Dafür, dass die Volkswirtschaft bislang dennoch mit einem blauen Auge davonkommt, gibt es drei weniger offensichtliche Gründe.

          Erstens hat die im internationalen Vergleich starke deutsche Industrie Schlimmeres verhindert. Die Förderbänder standen im Frühjahr nur kurzzeitig still. Inzwischen haben die Unternehmen wieder mehr Aufträge als vor der Krise, auch weil ihre Produkte im wiedererstarkten Asien äußerst gefragt sind.

          Das Kurzarbeitergeld funktioniert

          Zweitens hat der Einzelhandel trotz des Lockdowns ein Rekordjahr hinter sich und ist so stark gewachsen wie seit 1994 nicht mehr. Die Deutschen haben wie verrückt im Internet bestellt. Davon hat der kleine Bücherladen um die Ecke zwar wenig, es ist aber keineswegs so, dass der Konsum völlig eingeschlafen wäre.

          Drittens hat das Kurzarbeitergeld millionenfache Arbeitslosigkeit verhindert, die auf die Wirtschaftskraft durchgeschlagen hätte. Das ist kein Dauerzustand, aber bislang funktioniert es.

          Die alles entscheidende Frage lautet nun: Kann die Wirtschaft im Sommer, wenn genügend Menschen geimpft sind, wieder durchstarten – oder trägt sie bleibende Schäden davon? Damit das positive Szenario eintritt, muss eine Insolvenzwelle eigentlich gesunder Unternehmen durch schnellere Hilfen verhindert werden. Dafür müssen die von der Bundesregierung versprochenen Hilfen auch endlich fließen. Gelingt das nicht, werden im Herbst viele frustrierte Arbeitslose und unzufriedene Wähler die derzeitige Regierung abstrafen.

          Johannes Pennekamp

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

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