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Kenneth Rogoff im Gespräch : „Einige Länder sollten eine Euro-Auszeit nehmen“

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Unsere Vermutung ist, dass mit steigenden Schulden von einem bestimmten Punkt an das Risiko immer größer wird, dass die Märkte höhere Zinssätze verlangen. Kommt dann endlich der Tag, an dem ein Land höheren Zinsen gegenübersteht, wird es fast sicher Steuern erhöhen und Ausgaben senken müssen. Es ist diese fiskalische Anpassung, die letztlich das Wachstum senkt. An einem Punkt muss man den Gürtel enger schnallen. Das ist wohl der Grund, weshalb man historisch so selten so hohe Schuldenstände sieht.

Wie sollte eine Umschuldung in Europa aussehen?

Europa braucht einen umfassenden Plan, welche Schulden wie umstrukturiert werden und welche unberührt bleiben. Das wird nicht schön werden, Europa wird in eine Einheitslösung hineingezwungen werden. Der Brady-Plan für Lateinamerika in den achtziger Jahren hatte einen ziemlich einheitlichen Schuldenschnitt. Solch ein Modell ist für Europa plausibel, vielleicht etwas differenzierter. Ich stelle mir einen Schuldenschnitt von 30 bis 40 Prozent vor, obwohl das gerade für Griechenland nicht reichen könnte. Danach müssen die Steuerzahler in Deutschland und Frankreich im Grunde alles andere auffangen. Das ist offensichtlich: Wenn man die verbleibenden Schulden nicht garantiert, gäbe es eine Panik.

Europas Regierungen fürchten, dass eine Umschuldung ihre Banken träfe.

Natürlich müsste Europa einige seiner Banken herauspauken, wenn die Staatsschuld umstrukturiert wird. Es ist eine offene Frage, für wie viel. Die lächerlichen Stresstests im Juni 2010 haben da nur wenig Aufklärung gebracht. In einigen Fällen werden die Regierungen bis zu 100 Prozent der Anteile übernehmen und später verkaufen müssen. Manche der Zahlen, die als Belastung der Banken für den Fall staatlicher Zahlungsunfähigkeit genannt werden, sind aber überzogen. Regierungen werden nicht zu 100 Prozent zahlungsunfähig, wir sprechen über wahrscheinlich 30 bis 50 Prozent.

Europa will die vom Kapitalmarkt abgeschirmten Regierungen zu einer besseren Wirtschafts-, Fiskal- und Sozialpolitik zwingen.

Eine gute Idee, aber ein politisches System kann nur ein bestimmtes Ausmaß an Austerität für eine bestimmte Zeit aushalten. Man kann von Ländern verlangen, für ein Jahr in eine Rezession zu gehen, vielleicht sogar für zwei Jahre. Die Peripherie-Länder aber gingen für vier oder fünf Jahre in die Rezession, unternähmen sie die diskutierten Fiskalanpassungen. Das ist nicht sonderlich glaubwürdig. Mit Sicherheit wird eine Umschuldung für Griechenland, Irland und Portugal schmerzhaft, aber wohl weit weniger schmerzhaft und erheblich kürzer als die Sparprogramme der Einschränkung, die erwogen werden. Auch wenn sie zeitweise vom Kapitalmarkt ausgeschlossen würden, wird das nicht vier oder fünf Jahre andauern. Schauen Sie nur auf Argentiniens Rückkehr an den Markt, und dieser Fall ist kaum einzigartig.

Wäre eine staatliche Umschuldung das Ende des Euro?

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