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Kapitalmarkt : Misstrauen unter Europas Banken nimmt zu

Bild: F.A.Z.

Die europäischen Banken parken immer mehr Geld bei der EZB. Dafür nehmen sie sogar einen Zinsverlust in Kauf. Die Einlagenfazilität der EZB erreichte am Montag ein Niveau, das mehr als dem Dreifachen des Jahresdurchschnitts entsprach.

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          Die europäischen Banken vertrauen sich untereinander immer weniger. Sie parken lieber überschüssige Mittel bei der Europäischen Zentralbank (EZB), als dass sie es zu höheren Zinsen Wettbewerbern über den Geldmarkt zur Verfügung stellen. Die Einlagenfazilität der EZB, in die Banken nicht benötigte Liquidität kurzfristig einstellen, erreichte am Montag mit 128,7 Milliarden Euro ein Niveau, das mehr als dem Dreifachen des Jahresdurchschnitts entsprach. Dabei nehmen die Banken sogar einen Zinsverlust in Kauf. Denn die Einlagenfazilität verzinst die EZB nur mit 0,75 Prozent. Dagegen haben sich die Banken die Mittel bei der Notenbank zuvor zum doppelt so hohen Leitzins von 1,5 Prozent geborgt. Auch die Spitzenrefinanzierungsfazilität der EZB ist zu Wochenbeginn auf 555 Millionen Euro nach oben gesprungen. Am Freitag hatten die Banken diese Notfazilität, für die sie den unattraktiv teuren Zins von 2,25 Prozent zahlen müssen, nur mit 90 Millionen Euro beansprucht. Auch am Geldmarkt bleiben die Risikoaufschläge auf einem sehr hohen Niveau. Es ist fast fünfmal so hoch wie noch Anfang März.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Das wachsende Misstrauen unter den europäischen Banken muss auf die Verunsicherung der Märkte durch die europäische Staatsschuldenkrise zurückgeführt werden“ sagt Jürgen Michels, Volkswirt der Citigroup. Seiner Ansicht nach sorgen sich die Investoren zunehmend um die spanischen und italienischen Banken, weil das Schuldenproblem der beiden Länder noch nicht gelöst sei. Darüber hinaus sei noch offen, ob die Banken aus finanzschwachen Euroländern mit ausreichend Kapital ausgestattet werden könnten. Dass wegen der angespannten Lage am Geldmarkt auch den deutschen Banken ein Liquiditätsengpass drohe, befürchtet Michels aber nicht. Diese verfügten über ausreichend Kundeneinlagen, die eine Kreditklemme in der deutschen Wirtschaft unwahrscheinlich machten.

          Kaum noch in der Lage zu neuen Rettungspaketen

          Den Anstieg der bei der EZB geparkten Mittel wertet Unicredit-Analyst Christian Weber als Indiz dafür, dass die Banken aus den gesunden Euroländern nicht mehr gewillt seien, Wettbewerbern aus den Krisenländern Mittel zur Verfügung zu stellen. Die Investoren seien besorgt, dass die Kapitalausstattung der Banken in Zeiten unsicherer Finanzmärkte, höherer Wertberichtigungen und steigender Konjunkturrisiken leiden könnte. Die mit Schuldenproblemen kämpfenden Staaten seien kaum noch in der Lage zu neuen Rettungspaketen, sagt Weber.

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          Auch am Anleihemarkt steigen die Risikoaufschläge für die von Banken begebenen Schuldtitel. Der Renditeaufschlag gegenüber als ausfallsicher geltenden Staatsanleihen beträgt nach den Statistiken der Investmentbank Merrill Lynch derzeit 3,02 Prozentpunkte. Das ist das höchste Niveau seit Juli 2009. Vor einem Monat mussten die Banken im Durchschnitt nur 2,2 Prozentpunkte mehr zahlen als der amerikanische oder deutsche Staat. Damit drohen europäischen Banken höhere Zinskosten. Nach einer Schätzung von Morgan Stanley müssen sie in diesem Jahr noch fällig werdende Anleihen von 80 Milliarden Euro tilgen.

          Am Markt für Kreditausfallderivate, sogenannte Credit Default Swaps (CDS), haben sich die Risikoprämien für europäische Banken in den vergangenen Wochen deutlich erhöht. So kostet es derzeit eine jährliche Prämie von 3,7 Prozentpunkten oder 37.000 Euro, um eine Forderung von einer Million Euro gegenüber der italienischen Großbank Unicredit abzusichern. Ende Juni waren dafür noch 20.000 Euro nötig. Mehr als 30.000 Euro kosten derzeit die jährlichen Absicherungsprämien auch für die beiden spanischen Großbanken Santander und BBVA, für die italienische Intesa Sanpaolo oder die französische Société Générale. Der Itraxx-Index, der die CDS-Prämien für 25 europäische Banken und Versicherer misst, erreichte am Dienstag mit 2,6 Prozentpunkten ein Rekordhoch. Der Stoxx-Bankenindex, der die Aktien von 49 europäischen Banken enthält, hat seit Jahresanfang fast ein Drittel verloren.

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