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Jugendarbeitslosigkeit in Südeuropa : Traumland Deutschland

  • -Aktualisiert am

In den Eurokrisenstaaten lernen 50 Prozent mehr Menschen Deutsch als noch vor drei Jahren Bild: F.A.S.

Europas Jugend zieht es zu uns. Spanier, Griechen und Italiener lernen deutsch und suchen hier Arbeit. Die neuen Gastarbeiter loben die gute Laune - und sogar das Essen.

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          Schlechtes Wetter in Deutschland? Ein fürchterlicher Sommer - zum Davonlaufen? Nicht für Rodrigo Tena Coello de Portugal. „Bestes Wetter, um zu arbeiten“, schwärmt er. Der 18-Jährige ist heilfroh nicht in seiner Heimatstadt Madrid, sondern in Deutschland zu sein. Das liegt allerdings nicht am Wetter, sondern daran, dass er hier eine Ausbildungsstelle bekommen hat. Seit acht Monaten lernt er Kfz-Mechatroniker in einem Autohaus in Koblenz. Und darüber ist er glücklich. Denn: „Wo sollte man etwas über Autos lernen, wenn nicht in Deutschland?“

          Die Perspektiven für Schulabgänger sind in seiner Heimat äußerst schlecht. „Ich kenne viele junge Leute, die arbeitslos sind“, sagt Rodrigo Tena. Das schlägt aufs Gemüt. „Wenn ich in Spanien in eine Bar gehe und frage: Wie geht’s?, dann ist die Antwort immer negativ“, sagt er. Die Deutschen hätten einfach bessere Laune.

          Rodrigo Tena hat geschafft, wovon viele in seiner Heimat noch träumen. Er hat eine Stelle ergattert in Deutschland, dem neuen Traumland der südeuropäischen Jugend. Seit in Spanien die Immobilienblase platzte und die Eurokrise Griechenland, Portugal und Italien lähmt, haben die jungen Leute dort wenig Perspektiven. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, keine Besserung ist in Sicht. Deshalb wollen viele von ihnen weg, am Liebsten nach Deutschland.

          „Heute ist Deutschland auch Wunschziel“

          Fast 30.000 Spanier kamen 2012 ins Land, dreimal so viele wie noch 2008. Aus Griechenland wanderten mit 34.000 Menschen sogar viermal so viele ein wie 2008, aus Portugal kamen 11.000, aus Italien 42.000. Insgesamt kamen im vergangenen Jahr mehr als eine Million Zuwanderer nach Deutschland - so viele wie seit den neunziger Jahren nicht mehr. Und während Rumänen, Polen und Bulgaren immer schon gern zuwanderten, sind es die Einwohner der kriselnden Südländer, die jetzt den Unterschied machen.

          Das gilt nicht nur für Auszubildende wie Rodrigo Tena. Viel mobiler sind die Hochschulabsolventen. Junge Bauingenieure, Ärzte, Betriebswirte, Informatiker - sie alle streben in den Norden. „Deutschland ist schon lange ein Zuwanderungsland“, sagt Andreas Pott, der das Migrationsforschungsinstitut IMIS in Osnabrück leitet. „Aber heute ist Deutschland auch Wunschziel gut ausgebildeter Auswanderer. Das ist neu.“ Bislang blieben die lieber im eigenen Land oder gingen nach England oder Amerika, wo die Sprachbarrieren niedriger sind. Jetzt lernen sie deutsch.

          Eine von ihnen ist Maria Pia Di Grazia. Die Italienerin hat in Neapel Krankenpflege studiert. Nach dem Bachelor-Abschluss hat sie Hunderte Bewerbungen geschrieben, ohne dass eine Stelle dabei heraussprang, bei der sie länger als sechs Monate bleiben konnte. Und damit war sie noch besser dran als viele ihrer Altersgenossen in Süditalien. Dort kommt mancher bei bis zu 70 Prozent Jugendarbeitslosigkeit auf ganz neue Ideen. „Ein junger Typ hat sich als Batman verkleidet, um sich als Retter in der Not etwas dazu zu verdienen“, erzählt Maria Pia Di Grazia. „Er hat alten Menschen über die Straße geholfen, Einkäufe erledigt.“

          Jugendarbeitslosigkeit, Zuzüge und Beliebtheitswerte

          Dass das kein Modell sein kann, war der 24-Jährigen klar. Sie wusste, sie musste weg. Nun ist sie in Deutschland. In Stuttgart lernt sie gerade deutsch, um danach in einem Krankenhaus anzufangen. Und sie ist zufrieden: „Hier sehe ich endlich Perspektiven.“ „Die Eurokrise macht Europa mobil“, sagt Klaus Zimmermann, Direktor des Forschungsinstituts zur Zukunft der Arbeit. Während in Amerika in der Krise immer weniger Menschen in andere Bundesstaaten umziehen, vor allem weil sie ihre Häuser nicht mehr zu vernünftigen Preisen verkaufen können, werden die Europäer beweglicher.

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