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Pandemie in Deutschland : Jenseits des Gartenzauns

Im Krisenmodus: Kanzlerin Angela Merkel Bild: AFP

Die Infektionszahlen steigen in Deutschland langsamer als in anderen Ländern. Grund zur Entwarnung ist das nicht.

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          Erfolgreiche Politik ist nicht so sehr eine Frage der Wahl eines konkreten Instruments, sondern eine Frage des politischen Grundverständnisses, des Lernvermögens und der Fähigkeit des Politikers, möglichst viele Menschen mitzunehmen. Das gilt auch für die Wirtschaftspolitik inmitten einer Pandemie.

          Angesichts der Erfahrungen aus dem Frühjahr versucht die Politik, einen zweiten, für die ohnehin noch angeschlagene Wirtschaft verheerenden Lockdown zu vermeiden. Der Versuch, den Schutz der Gesundheit der Menschen und das wirtschaftliche Wohlergehen miteinander zu verbinden, kann aber nur gelingen, wenn die zweite Welle der Pandemie nicht außer Kontrolle gerät.

          Wirtschaftspolitischer Aktionismus ist unnötig

          Die Signale sind widersprüchlich. Die Infektionszahlen steigen zwar auch in Deutschland, aber doch (noch?) langsamer als in anderen Ländern. Auch verbreitet sich das Virus an Arbeitsplätzen und in Schulen weniger schnell als im Privatleben. Zudem nimmt zwar die Zahl der wegen des Virus in Krankenhäusern behandelten Menschen zu, aber aktuell scheint keine Überbeanspruchung der Intensivstationen zu drohen.

          Die Lage in Deutschland ist somit nicht dramatisch. Aber wer über den nationalen Gartenzaun blickt, wird in anderen Ländern unerfreulichere Beobachtungen machen.

          Vor allem in urbanen Zentren zum Beispiel in Spanien und in Frankreich breiten sich nicht nur die Infektionen seit Wochen sehr viel schneller aus als in Deutschland. Dort nehmen in der Folge auch die Intensivbehandlungen deutlich zu.

          Dies muss mit ähnlicher Dynamik in Deutschland nicht passieren. Aber wer glaubt, dies könne in Deutschland nicht passieren, macht sich (und anderen) etwas vor.

          Heute besteht in Deutschland, aber auch in Europa, keine Notwendigkeit für nervösen wirtschaftspolitischen Aktionismus. Die Geldpolitik und die Finanzpolitik sind bereits sehr expansiv, selbst wenn es mit der Implementierung des neuen europäischen Fonds noch hapert.

          Auch aus wirtschaftlicher Sicht ist es vor allem wichtig, die weitere Ausbreitung des Virus einzudämmen. Regierungen, die dieser Ausbreitung weitgehend hilflos gegenüberstehen, werden auch nicht in der Lage sein, mit einer noch expansiveren Wirtschaftspolitik das Vertrauen der Menschen zu gewinnen.

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