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IWF-Prognose : Öl, Geld und Euro – alles billig

Der IWF in Washington legt seine neue Weltwirtschaftsprognose vor. Bild: dpa

Amerikas Wirtschaft wächst munter weiter, die Eurozone feiert ein Comeback, manche Schwellenländer kriegen Probleme: Der Internationale Währungsfonds legt seine neueste Prognose zur Weltlage vor.

          2 Min.

          Die Fachleute vom Internationale Währungsfonds haben die Weltlage neu analysiert. Hier kommt ihre Vorhersage in zwölf Punkten:

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          1. Die Weltwirtschaft wächst dieses Jahr um 3,5 Prozent und nächstes Jahr um 3,8 Prozent. Das entspricht weitgehend dem Wachstumstempo des Vorjahres und wirkt wie eine solide Fortentwicklung. Der Eindruck täuscht.

          2. Einige Ländern geht es besser als erwartet, anderen schlechter. Vor allem die Industrieländer legen 2015 zu, während die Schwellen- und Entwicklungsländer enttäuschen. Was ist da los?

          3. Die Erblast der Finanz- und der Eurokrise bleibt spürbar: Schwache Banken und hohe Schulden von Staaten, Firmen und Haushalten dämpfen das Wachstum.

          4. Die Vergreisung schlägt zu. Und macht keine Unterschiede zwischen reichen und nicht so reichen Ländern: Das dämpft die Aussichten und verleitet potentielle Investoren, ihr Geld zusammenzuhalten, statt mit wachstums-förderlichen Folgen zu investieren.

          5. Zwei Preisentwicklungen bringen alles durcheinander. Der Preis für Öl, der sich seit Mitte 2014 halbiert hat, und der Preis für den Dollar, der in der gleichen Zeit kräftig gestiegen ist. Das muss  nicht schlecht sein. Aber auch nicht gut.

          6. Die Vereinigten Staaten bleiben das Zugpferd der Weltwirtschaft. Ihre Wirtschaft wächst in den kommenden zwei Jahren um jeweils drei Prozent. Das Land verdankt seinen Schwung dem niedrigen Ölpreis, der das Tanken und einige Industrieprozesse verbilligt. Die Notenbank lässt das Geld erschwinglich, selbst nach einer leichten Anhebung der Leitzinsen, prophezeit der Währungsfonds. Die Eurozone feiert ein Comeback mit Deutschland (plus 1,5 Prozent), weil alles so billig ist: Das Öl, der Geld und der Euro. Selbst Japan erholt sich etwas.

          7. Die BRIC-Story darf man getrost vergessen. Die zwei Ölexporteure darben. Brasiliens Wirtschaftsleistung schrumpft, Russland geht es 2015 mit einem  Minuswachstum  von 2,4 Prozent erbarmungswürdig, bevor es sich 2016 etwas erholen wird.  Die Wachstumsraten für China liegen in den kommenden zwei Jahren nur noch bei knapp über 6 Prozent, weshalb Ölimporteur Indien mit  Wachstumsraten deutlich über 7 Prozent vorbeizieht.

          8. Die ganz armen Länder wachsen schnell: durchschnittlich mit 5,5 bis 6 Prozent. Einige würden  noch schneller wachsen, wenn sie nicht die ganze Zeit das Tanken subventioniert hätten. Jetzt merken die Autofahrer gar nicht, dass Öl billiger geworden ist. Es bleibt nichts übrig für zusätzlichen Konsum.

          9. Riskant ist die Entwicklung des Dollars. Denn in den Schwellenländern haben sich viele Firmen in Dollar hoch verschuldet. Eine weitere Verteuerung des Dollar, etwa ausgelöst durch die Leitzinserhöhung der Notenbank Federal Reserve könnte die Märkte schockieren und den Schwellenländern echte Probleme bescheren.

          10.  Riskant sind die geopolitischen Krisen in der Ukraine, dem Mittleren Osten und Westafrika.

          11. Der Internationale Währungsfonds befürwortet für die Industrieländer eine lockere Geldpolitik, Investitionen in Straßen, Dämme und Brücken und eine Arbeitsmarktpolitik, die die Erwerbsneigung der Bevölkerung erhöht. Gemeint sind die Frauen und die Alten.

          12. Ärmere Länder sollen die Niedrigpreisphase nutzen, um Energiesubventionen zu streichen und das Geld in die Bildung und das Gesundheitswesen zu stecken.

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