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IWF-Wirtschaftsausblick : „Erholung in drei Geschwindigkeiten“

Ökonomische Aussichten: Olivier Blanchard Bild: dpa

Der IWF sieht die Weltwirtschaft auf „gefährlichen Erholungskurs“. Er empfiehlt den Industriestaaten eine lockerere Finanzpolitik und fordert die EZB schon jetzt zu Staatsanleihekäufen auf.

          Die Weltwirtschaft ist nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) auf dem Wege, die Abschwächung des vergangenen Jahres zu überwinden. Eine deutliche Erholung ist aber nicht in Sicht. Der IWF prognostiziert, dass die globale Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um 3,3 und im kommenden Jahr um 4 Prozent steigen werde. 2012 war die Weltwirtschaft um 3,2 Prozent gewachsen. Der Ausblick für 2013 fällt nur wenig schwächer aus als noch im Januar.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Der Fonds beschreibt die konjunkturelle Lage als „Erholung der drei Geschwindigkeiten“: Die Schwellen- und Entwicklungsländer wachsen weiterhin schneller als der Rest und treiben die Weltwirtschaft mit einem Plus von 5,3 Prozent. Unter den Industriestaaten, die seit der Finanzkrise relativ gleichmäßig schwach wuchsen, zeigen sich nun Divergenzen: In Amerika werde der Aufschwung spürbar kräftiger, der Euroraum verharre dagegen 2013 in der Rezession. „Eine ungleichmäßige Erholung ist zugleich eine gefährliche Erholung“, warnte IWF-Chefvolkswirt Olivier Blanchard mit Verweis auf die Verflechtungen der Volkswirtschaften.

          IWF: Europa hat Fortschritte in Richtung Bankenunion gemacht

          Der Fonds empfiehlt den Industriestaaten eine kurzfristig eher lockerere Finanzpolitik, um die „überforderte Geldpolitik“ zu entlasten. Die Geldpolitik müsse dennoch weiter auf expansivem Kurs bleiben. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat nach IWF-Einschätzung dabei noch Spielraum, mit Zinssenkungen gegen die Rezession anzugehen. Anzeichen für Vermögenspreisblasen in den Industriestaaten sieht der Fonds nicht.

          Für den Euroraum findet der IWF freundlichere Worte als zuvor. Die Europäer hätten institutionelle Fortschritte auf dem Weg zur Bankenunion gemacht, die EZB mit der Ankündigung des Staatsanleihekaufs von Krisenländern unter Reformauflagen (OMT-Programm) Risiken verringert. „Aber es ist noch nicht genug“, sagte Blanchard. Der Fonds fordert einen Ausbau der Bankenunion einschließlich eines gemeinsamen Finanztopfes zur Bankenrettung und Bankenabwicklung. Zudem reiche die Ankündigung des OMT-Programms nicht aus. Die Zentralbank sollte auch Staatsanleihen kaufen, um die dauerhafte Rückkehr von Krisenstaaten an die Kapitalmärkte zu beschleunigen.

          Schlechtere Aussichten für Italien und Spanien

          Deutlich verschlechtert haben sich seit Januar die Konjunkturaussichten für Italien und Spanien. Italien prognostiziert der IWF eine Schrumpfung des BIP um 1,5 Prozent in diesem Jahr, in Spanien gar von 1,6 Prozent. Für beide Länder ist es das zweite Rezessionsjahr in Folge. Erst 2014 erwartet der Fonds wieder positive Wachstumsraten. Insgesamt stehen 8 der 17 Eurostaaten in diesem Jahr vor einer Rezession. Die Schwäche ergreift dabei auch Kerneuropa, für Frankreich erwartet der IWF ein Minus von 0,1 Prozent.

          In Deutschland erwartet der Fonds ein Wirtschaftswachstum von 0,6 Prozent, das im kommenden Jahr auf 1,5 Prozent anziehen soll. Der IWF ist damit einen Hauch zuversichtlicher als die Bundesregierung und die Bundesbank, die für dieses Jahr 0,4 Prozent Wachstum erwarten. Der Fonds mahnt vom Exportüberschussland mehr Investitionen an, nicht aber eine gezielte fiskalische Stützung der Nachfrage. Die deutsche Wirtschaft produziere nur wenig unterhalb ihrer Kapazitätsgrenze.

          Amerika soll langsamer den Haushalt sanieren

          Entgegen früherer eigener Hinweise hat der IWF seine Wachstumsprognose für die Vereinigten Staaten für 2013 nur minimal von 2 auf 1,9 Prozent gesenkt (Vorjahr: 2,2 Prozent), auch wegen einer überraschend robusten privaten Nachfrage. Scharf kritisiert der Fonds trotzdem die Haushaltssanierung. Er fordert einen langsameren Sparkurs, zugleich aber eine Strategie zum mittelfristigen Abbau der Neuverschuldung.

          Sollten die Kapitalmärkte das Vertrauen in die Schuldner Amerika und Japan verlieren, könnte selbst ein moderater Anstieg der dortigen Zinssätze die Weltwirtschaft empfindlich treffen, warnt der IWF. Die Staatsschuld von Bund und Gliedstaaten soll in Amerika in diesem Jahr auf 108 Prozent der Wirtschaftsleistung steigen. Das ist deutlich höher als in allen Staaten des Euroraums, mit Ausnahme von Griechenland (180 Prozent), Italien (130 Prozent), Irland und Portugal (je 122 Prozent). Japan hat mit 245 Prozent des BIP die höchste Verschuldung. Der Fonds mahnt Japan zu einem mittelfristigen Plan zum Abbau der Neuverschuldung, die in diesem Jahr 9,8 Prozent erreichen soll. Die neue expansive Wirtschaftspolitik der japanischen Regierung und Zentralbank lobt der IWF.

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