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Kreditversorgung : IWF warnt vor finanzieller Spaltung des Euroraums

José Viñals (M.), der Direktor der Kapitalmarktabteilung des IWF, auf einer Pressekonferenz in Tokio Bild: DPA

Trotz aller Rettungsbemühungen der Euro-Regierungen und der EZB warnt der Internationale Währungsfonds, dass die finanzielle Spaltung des Währungsraums sich vertieft. Im schlimmsten Fall drohe die Kreditversorgung in den Krisenstaaten drastisch zu sinken.

          Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnt vor einer Kreditklemme im Euroraum, falls die Europäer ihre Finanzkrise nicht in den Griff bekommen. Wenn der Druck auf das Finanzsystem andauere und sich vergrößere, könnten die europäischen Banken gezwungen sein, ihre Bilanzen um 4,5 Billionen Dollar zu kürzen. Den Krisenstaaten in der Euro-Peripherie drohe damit eine Schrumpfung der Kreditversorgung bis Jahresende 2013 um bis zu 18 Prozent, heißt es im Bericht zur globalen Finanzstabilität, den der IWF am frühen Dienstagmorgen in Tokio vorstellte.

          Erhebliche Wachstumsverluste möglich

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Das Wachstum im Euroraum, der nach der IWF-Prognose ohnedies erst zur Jahresmitte 2013 mühsam die Rezession überwinden wird, würde damit drastisch belastet. Der IWF schätzt, dass die Kernstaaten in der Währungsunion um 1,5 Prozentpunkte langsamer wachsen würden. Für die Peripheriestaaten betrüge der Wachstumsverlust 4 Prozentpunkte.

          Die Bereitschaft der Europäischen Zentralbank (EZB), Staatsanleihen der Krisenstaaten zu kaufen, habe die schlimmsten Ängste der Investoren besänftigt, sagte José Viñals, der Direktor der Kapitalmarktabteilung des IWF. Die finanzielle und wirtschaftliche Fragmentation im Euroraum aber habe sich dennoch ausgeweitet, weil sich Investoren sorgten, dass die Währungsunion auseinanderbrechen könnte. Die Zinsabstände der Staatsanleihen zwischen den Krisenstaaten und dem Kern der Währungsunion hätten sich nach der Ankündigung der EZB zwar verringert. Für Banken und Unternehmen in den Krisenstaaten aber seien sie weniger gefallen. Das bedrohe das Wirtschaftswachstum.

          IWF: Schwache Banken im Euroraum gegebenenfalls auflösen

          Die Krisenstaaten durchleben nach Einschätzung des IWF eine Zahlungsbilanzkrise durch Kapitalflucht, was innerhalb einer Währungsunion mehr als außergewöhnlich sei. Privates ausländisches Kapital in den Krisenstaaten werde zunehmend durch die öffentliche Hand und die EZB ersetzt. Insgesamt beliefen sich die Außenstände von Banken und der öffentlichen Hand an die Krisenstaaten derzeit auf 2,2 Billionen Euro.

          Viñals warnte, dass ohne weitere entschiedene Schritte der Regierungen die Unsicherheit der Investoren kaum abnehmen werde. Er forderte insbesondere die Bereitschaft von Regierungen der Krisenstaaten und der potentiellen Zahler im Euroraum, den Rettungsfonds ESM und das Ankaufprogramm OMT der EZB auch zu nutzen. Investoren müssten den ESM und das OMT-Programm nicht nur virtuell wahrnehmen, sondern real erleben, forderte Viñals. Er mahnte darüber hinaus an, schwache Banken im Euroraum umzustrukturieren und gegebenenfalls aufzulösen. Auch müsse es einen klaren Fahrplan hin zu einer gemeinschaftlichen Institution zur Auflösung von Banken und zur Einlagensicherung geben.

          Größtes Risiko: Der Euroraum

          Die Berechnung über die möglichen Kreditverluste bezieht sich auf die größten 58 Banken des Währungsraums. Vom dritten Quartal 2011 bis zum Frühjahr 2012 haben diese Banken ihre Bilanzen schon um 600 Milliarden Dollar verringert. Die potentiellen Kreditverluste in der Analyse sind 18 Prozent höher als noch im Frühjahr vom Währungsfonds berechnet. Daran wird deutlich, wie sehr die Risiken für die Finanzstabilität im Euroraum gestiegen sind – ungeachtet der Beschlüsse der europäischen Regierungen für eine gemeinsame Bankenaufsicht, ungeachtet des Rettungsfonds ESM, der am Montag in Kraft gesetzt wurde und ungeachtet der Bereitschaft der Europäischen Zentralbank, Staatsanleihen von Krisenstaaten zu kaufen.

          Selbst im wahrscheinlichen Basisszenario, in dem Vertrauen der Investoren mit dem Aufbau der gemeinsamen Bankenaufsicht und verringertem Druck auf die Zinsunterschiede zwischen den Euro-Staaten allmählich zurückkehrt, werden die Banken ihre Bilanzen bis Jahresende 2013 um 2,8 Billionen Dollar kürzen. Schon damit droht die Kreditversorgung in den Peripheriestaaten um 9 Prozent zu schrumpfen.
          Generell warnt der IWF im Bericht zur globalen Finanzstabilität, dass die Risiken für die Finanzstabilität sich seit dem Frühjahr erhöht hätten. Größtes Risiko seien nach wie vor die Entwicklungen im Euroraum.

          Die Vereinigten Staaten und Japan, in denen die Staatsverschuldung sehr hoch ist und keine klare Bereitschaft zum Defizitabbau erkennbar ist, warnte der IWF vor einem „falschen Gefühl der Sicherheit“. Eine Kernbotschaft der Eurokrise sei, dass der Aufschub von notwendigen Korrekturen schädlich und teuer werden könne. Insbesondere könnten die Kapitalzuflüsse in die scheinbar sicheren Häfen, die bislang die Zinsen auf die Staatsschuld niedrig hielten, stoppen und sich umkehren. Viñals betonte, dass die Verflechtung von Finanzrisiken durch die Bestände an Staatsanleihen in den Bankbilanzen gerade der japanischen Regionalbanken ein großes Stabilitätsrisiko darstelle.

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