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Irland : Nachwirkung der Bankenkrise

In der Irischen Republik wird schon seit fünf Jahren hart gespart, doch das Land hat immer noch das höchste Haushaltsdefizit Europas. Und die Banken sitzen weiterhin auf faulen Krediten.

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          Wenigstens Irlands Klempner sehen goldenen Zeiten entgegen: Im ganzen Land werden ab August rund eine Million Wasseruhren in den Haushalten montiert. Auf der regenreichen Grünen Insel ist die private Wasserversorgung bisher kostenlos. Demnächst müssen die Bürger bezahlen, wenn sie den Wasserhahn aufdrehen. Finanzminister Michael Noonan kann jeden Euro brauchen, denn trotz fünf Jahren harter Sparpolitik hat er noch immer das höchste Haushaltsdefizit in Europa. Es hat sich zwar seit 2011 halbiert, wird aber 2013 voraussichtlich noch bei 7,5 Prozent des BIP liegen - immer noch die rote Laterne.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Staatsschuldenquote hat sich seit 2007 auf rund 120 Prozent fast verfünffacht. Hauptgrund für die Haushaltsmisere sind die enormen Altlasten aus der Bankenkrise, die das Land vor drei Jahren gezwungen haben, einen demütigenden Notkredit der Euroländer und des IWF anzufordern. Obwohl der Druck aus Politik und Wirtschaft wächst, das Sparregime zu lockern, um die Konjunktur nicht noch mehr zu schwächen, will Noonan nicht vom vorgesehenen Konsolidierungskurs abweichen. Immerhin hat Irland dank des flexiblen Arbeitsmarkts die Lohnkosten deutlich reduziert und seine preisliche Wettbewerbsfähigkeit stark verbessert. Das zeigt sich im neuen Leistungsbilanzüberschuss, wie Ökonomen hervorheben.

          Ende 2013 soll sich Irland als erstes Krisenland wieder vollständig am Anleihemarkt privat finanzieren. Das ist zumindest der Plan, doch die Erholung ist ins Stocken geraten. Seit Herbst 2012 ist die irische Wirtschaft zurück in die Rezession gerutscht. Die Exporte, die den Aufschwung zwischenzeitlich getragen haben, schwächeln. Zugleich kürzt der Staat weiter, und die bis an den Hals verschuldeten privaten Haushalte müssen jede Ausgaben zweimal überdenken. Die Arbeitslosenquote stagniert knapp unter 14 Prozent. Immer mehr Iren haben Mühe, ihre Hauskredite abzubezahlen, nachdem sich die Immobilienpreise seit 2007 rund halbiert haben und sich jetzt nur allmählich erholen. Jeder achte Hypothekenschuldner ist mit seinen Raten mehr als drei Monate im Rückstand.

          Die Banken schieben einer riesige Berg von Problemkrediten vor sich her. Zwar haben sie in den vergangenen Jahren staatliche Kapitalspritzen von insgesamt 64 Milliarden Euro erhalten, aber ob ihre Kapitaldecke nun ausreicht, kann niemand mit Sicherheit sagen. Hinter den Kulissen laufen bereits Gespräche über weitere Hilfen, etwa eine Übernahme von verlustreichen Krediten durch den Euro-Krisenfonds ESM.

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