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Entwicklungspolitik : „Wer Afrika helfen will, darf kein Geld geben“

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Sehen Sie irgendetwas Positives an der Entwicklungshilfe?

Das Positive für Afrika ist der kulturelle Austausch. Wenn etwa Deutsche ihr Geld bringen, senden sie Menschen; Entwicklungshilfe verschafft den Entwicklungshelfern ja Jobs. Der kulturelle Austausch bringt die Afrikaner dazu, die Werte von Deutschen oder anderen kennenzulernen. Diese Interaktion müssen wir in etwas Positives verwandeln. Bis jetzt ist es die Interaktion zwischen dem großen Bruder, der Geld hat, und dem kleinen Jungen, der um Geld bettelt. Wir sollten die Entwicklungshilfe beenden und beginnen, einfach Geschäfte miteinander zu machen. Das wäre ein Austausch zwischen Gleichen. Man würde dann beginnen, uns zuzuhören, anstatt uns zu belehren.

Was sollte der Westen tun, um solche Beziehungen zu fördern?

Erstens müsste der Westen seine Märkte endlich vollkommen für unsere Produkte öffnen. Zweitens müssten die westlichen Länder die Barrieren beseitigen, die sie gegen den Aufbau von Produktionsstätten in Afrika errichtet haben. Die Zölle, die beispielsweise auf Kaffeebohnen aus Kenia erhoben werden, sind als Folge der Zolleskalation oft niedriger als die Zölle auf gemahlenen Kaffee. Die Botschaft an die Kenianer lautet: Produziert keine Endprodukte! Packt die Rohwaren in Säcke und liefert sie uns, und wir schicken euch gerne die Endprodukte. Diese Politik hemmt die wirtschaftliche Entwicklung, und sie behindert ausländische Investitionen hierzulande. Viele Afrikaner sehen es wie folgt: Wenn westliche Länder uns Hilfsgelder geben, verwenden sie den Profit, den sie zu Hause mit unseren Rohwaren erzielt haben.

Manche Europäer und Amerikaner haben verstanden, dass Entwicklungshilfe Schaden anrichten kann. Sie versuchen, ihre Projekte streng zu kontrollieren, um Korruption zu vermeiden.

Über die „gezielte Hilfe“ ohne schädliche Nebenwirkungen wird viel diskutiert. Aber die Kritik auch an dieser Form von Entwicklungshilfe bleibt. Wer bezahlt für die Projekte? Es sind die europäischen, amerikanischen oder chinesischen Steuerzahler, nicht aber die afrikanischen Bürger. Wenn aber das Steuergeld eines anderen ein Projekt finanziert, verspüren die Menschen vor Ort keine Verantwortung dafür. Es fehlt dann der Wille, zu säen. Deshalb scheitern so viele Entwicklungshilfeprojekte. Wer Afrika helfen will, darf den Afrikanern nicht sagen, wie man an sein Geld kommt. Man muss den Afrikanern die Chance geben, selber zu produzieren und ihre Güter zu verkaufen. Und man muss die Regierungen darauf verweisen, sich über die Steuergelder ihrer Bürger zu finanzieren. Das ist der einzige Weg, wie man die Korruption in den Griff bekommt und die Regierungsführung verbessert.

Wie soll das funktionieren?

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