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Prognose der Bundesbank : Die Inflation steigt nächstes Jahr noch höher

  • -Aktualisiert am

Vor allem die Stimmung der Einzelhändler hat sich laut Ifo-Geschäftsklimaindex verschlechtert. Sie sind ähnlich pessimistisch wie im letzten Winter. Bild: dpa

Die Preise dürften weiter klettern. Für 2022 rechnet die Bundesbank mit 3,6 Prozent Inflation. Die Erholung der Konjunktur wird sich indes wohl nach hinten verschieben.

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          Der Anstieg der Preise dürfte wohl nicht so kurz andauern, wie von der Europäischen Zentralbank angenommen. Die Deutsche Bundesbank geht in ihrer am Freitag veröffentlichten Prognose davon aus, dass die Inflationsrate im Jahr 2022 auf 3,6 Prozent steigt. Ihre Prognose für dieses Jahr schraubte sie von 2,6 Prozent auf 3,2 Prozent nach oben. Zuletzt war die Teuerungsrate im Vergleich zum Vorjahresmonat auf den höchsten Stand seit fast 30 Jahren geklettert: Im November lag sie bei 5,2 Prozent.

          Svea Junge
          Redakteurin in der Wirtschaft.

          In der zweiten Jahreshälfte dieses Jahres hätten vor allem Sondereffekte wie das Auslaufen der temporären Absenkung der Mehrwertsteuer oder die Einführung des CO2-Preises zu einem Anstieg der Inflation geführt. Das allgemeine Preisniveau sei aber auch deshalb so kräftig gestiegen, weil die Rohstoffpreise für Energie auf den internationalen Märkten überraschend stark angezogen hätten, heißt es von der Bundesbank. Außerdem würden Unternehmen höhere Kosten aufgrund der Lieferengpässe bei wichtigen Vorprodukten und Rohstoffen auf die Verbraucher abwälzen und zusätzlich bei starker Nachfrage die Gewinnmargen ausweiten.

          Das belegt die Entwicklung der Erzeugerpreise eindrucksvoll. Die deutschen Hersteller erhöhten ihre Preise im November so stark wie seit 70 Jahren nicht mehr, wie das Statistische Bundesamt ebenfalls am Freitag mitteilte. Im Vergleich zum Vorjahresmonat stiegen die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte um 19,2 Prozent. Laut den Statistikern verteuerten sich vor allem Energie und Vorprodukte wie Holz und Metalle. Die Produzentenpreise gelten als Vorläufer für die Entwicklung der Inflation. Es handelt sich dabei um die Preise, die Hersteller für ihre Waren verlangen, noch bevor die Produkte weiterverarbeitet werden oder in den Handel kommen. „Bisher gibt es keine Anzeichen dafür, dass es bald eine nachhaltige Entspannung geben wird“, sagte Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen. Nicht nur bei Energie, sondern auch bei den anderen Vorprodukten sei kein Nachlassen des Preisauftriebs festzustellen. „Die dadurch kräftig steigenden Kosten geben die Produzenten von Konsumgütern zunehmend an ihre Kunden weiter“, sagte Solveen.

          Zwar erwartet die Bundesbank, dass der Einfluss der Energiepreise und die Auswirkungen der Lieferengpässe 2023 nachlassen, doch die Inflationsrate bleibt nach ihrer Einschätzung mit 2,2 Prozent auch in den Jahren 2023 und 2024 vergleichsweise hoch. Ursachen hierfür seien deutlich steigende Löhne, die gute Konjunkturlage, aber auch die Kosten, die der Umbau zu einer klimaneutralen Wirtschaft verursache. Auch, dass der Preisanstieg noch höher ausfällt, scheint nicht ausgeschlossen: „Für die Inflationsrate überwiegen wie im Euroraum insgesamt die Aufwärtsrisiken“, sagte Bundesbankpräsident Jens Weidmann. „Die Geldpolitik sollte diese Risiken nicht ignorieren und wachsam bleiben.“

          Corona und Lieferengpässe bremsen die Wirtschaft

          Ihre Wachstumserwartungen korrigierten die Bundesbanker indes nach unten. Statt dem im Juni prognostizierten Wachstum von 3,7 Prozent rechnet die Bundesbank nun mit einem Plus von 2,5 Prozent. Auch im nächsten Jahr wird das Bruttoinlandsprodukt mit 4,2 Prozent nicht so stark wachsen wie erwartet. „Der Aufschwung verschiebt sich zeitlich etwas nach hinten“, sagte Weidmann. Die vierte Welle der Corona-Pandemie und die daraus resultierenden Einschränkungen sowie die Lieferengpässe würden die Wirtschaft im Winterhalbjahr bremsen. Ab dem Frühjahr soll die Konjunktur dann jedoch wieder Fahrt aufnehmen.

          Angeschoben wird die Erholung laut Bundesbank vor allem vom Konsum, aber auch die Lieferengpässe sollen sich bis zum Ende des Jahres auflösen. „Der kräftige Aufschwung hat zur Folge, dass die gesamtwirtschaftlichen Kapazitäten schon ab der zweiten Hälfte des kommenden Jahres wieder überdurchschnittlich ausgelastet sein werden“, erklärte der Bundesbankpräsident. Für 2023 rechnen die Bundesbank-Ökonomen dann mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 3,2 Prozent.

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