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Mehr Aufträge, weniger Umsatz : Industrie kommt wegen Lieferengpässen nicht hinterher

  • -Aktualisiert am

Arbeiter in einer Werkhalle des Druckmaschinenherstellers KBA Planeta in Radebeul bei Dresden Bild: ddp

Die Auftragsbücher der Industrieunternehmen haben sich im Juni kräftig gefüllt. Doch Lieferengpässe verhindern, dass die Bestellungen zügig abgearbeitet werden. So dürfte die Industrie die Konjunktur eher bremsen.

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          Die deutschen Industrieunternehmen haben im Juni das größte Auftragsplus seit zehn Monaten eingefahren. Wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte, lagen die Bestellungen 4,1 Prozent höher als im Vormonat. Allerdings machen Lieferengpässe der Industrie zu schaffen. Deshalb sinkt der Umsatz.

          Svea Junge
          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Ökonomen zeigten sich von dem kräftigen Auftragsanstieg überrascht, denn noch im Mai waren die Aufträge um 3,2 gesunken. Im Vergleich zum Februar 2020, dem Monat vor Beginn der Einschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie, lagen die Aufträge um 11,2 Prozent höher. „Insgesamt setzen die Auftragseingänge damit ihren seit Jahresanfang bestehenden Aufwärtstrend nach kurzer Unterbrechung im Mai weiter fort“, hieß es vom Wirtschaftsministerium.

          Angeschoben wurde der Zuwachs vor allem von der starken Inlandsnachfrage. Sie legte um 9,6 Prozent im Vergleich zum Vormonat zu. Laut Wirtschaftsministerium kamen die Bestellungen vor allem aus den Bereichen EDV, Optik und Sonstiger Fahrzeugbau. Auch in der Autoindustrie und im Maschinenbau stieg der Auftragseingang.

          Dass sich die Auftragsbücher der Industrieunternehmen im Juni wieder füllten, lag maßgeblich an Großaufträgen. Ohne Berücksichtigung dieser stiegen die Bestellungen insgesamt um 1,7 Prozent.

          Schwache Nachfrage aus dem Ausland

          Vergleichsweise schwach fiel die Nachfrage aus dem Ausland aus. Sie konnte nur um 0,4 Prozent zulegen. Während aus dem Euroraum 1,3 Prozent mehr Bestellungen kamen, ging die Nachfrage aus dem übrigen Ausland um 0,2 Prozent zurück. Dieser Trend könnte sich nach Einschätzung von Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, verstärken: „Die chinesische Administration drückt auf die Kreditbremse und auch in den USA ebbt der Nach-Corona-Boom ab. Die Aufträge werden deshalb in den kommenden Monaten weniger stark sprudeln.“ Auch Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen erwartet für die kommenden Monate eher eine „Seitwärtsbewegung“ beim Auftragseingang.

          Doch die Aufträge könnten wegen anhaltender Lieferengpässe bei Vorprodukten und Materialien ohnehin nicht zügig abgearbeitet werden, sagt Bastian Hepperle vom Bankhaus Lampe. Darauf deuten auch die sinkenden Umsätze hin. Im Juni verkauften die Industrieunternehmen 1,4 Prozent weniger als noch im Vormonat.

          Laut einer aktuellen Umfrage des Münchner Ifo-Instituts leiden immer mehr Unternehmen unter den Materialengpässen. Von April bis Juli stieg der Anteil von 45 auf fast 64 Prozent. Die Halbleiter sind weiterhin knapp. Das bekommen vor allem die Hersteller elektrischer Ausrüstungen zu spüren (84,4 Prozent) sowie Autohersteller und ihre Zulieferer (83,4 Prozent). Bei den Herstellern elektronischer Geräte beklagen 72,2 Prozent Materialmangel, unter den Maschinenbauern sind es 70,3 Prozent.

          Wie groß der Stau ist, zeigt ein Blick auf die Reichweite des Auftragsbestands. Sie lag im Mai zuletzt bei 7 Monaten. So lange müssten die Betriebe bei gleichbleibendem Umsatz ohne neue Auftragseingänge theoretisch produzieren, um die vorhandenen Aufträge abzuarbeiten.

          Schon im zweiten Quartal dürfte die Industrie stagniert haben oder sogar geschrumpft sein. Solange Auftragseingang und Produktion weiter auseinander klaffen, wird sich daran auch im Sommer nichts ändern, erwartet Hepperle vom Bankhaus Lampe. „Die Industrie dürfte die Konjunkturerholung auch im dritten Quartal eher bremsen.“

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